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Der Gnubbel – einfach und genial

Eine multifunktionale Erfindung aus Weißwasser will den Markt erobern. Das Fernsehen hilft dabei.

Von Thomas Staudt

Vollgummi. Auf der einen Seite zwei, auf der anderen drei Enden, jeweils mit einer dicken Kugel. Was soll das denn bitte schön sein? Das ist der Gnubbel, sagt Sören Flint. Er muss es wissen, er hat das Ding, das es seit vergangener Woche zu kaufen gibt, erfunden. Die volle Bezeichnung lautet „Haltefix - Gnubbel“. Damit ist klar, was man damit machen kann, nämlich Dinge befestigen. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist so begeistert davon, dass er die Erfindung in der Sendung „Einfach genial“ vorstellt. Die Szenen stammen von einem Dreh im Hegelcafé kurz vor Weihnachten. Das Café ist eine Einrichtung des Sozialen Netzwerks Lausitz. Das Kamerateam drehte nicht zufällig an einem Ort, an dem sich ältere Menschen treffen. „Wir führen den Gnubbel vorerst in den Bereichen Sanitär und Orthopädiebedarf auf dem Markt ein“, erklärt Flint.

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Prototyp aus dem 3-D-Drucker

Gut, aber was hat der Gnubbel damit zu tun? Vielleicht das Wichtigste von vielen Anwendungsbeispielen hat mit Gehhilfen, landläufig: Krücken, zu tun. Wer nicht mehr so gut zu Fuß ist oder eine Weile mit einem gebrochenen Bein zu tun hatte, weiß wovon die Rede ist: Man setzt sich und überall sind die Dinger im Weg oder man muss sich ständig danach bücken, weil sie schon wieder umgefallen sind. Mit dem Gnubbel ist damit Schluss. Das eine Ende wird an die Tischkante geklemmt, in das andere Ende kommt die Gehhilfe. Für die nötige Elastizität sorgt das Gummi, für die erforderliche Festigkeit die Kugeln. „Und wer‘s richtig macht, vergisst seinen Gnubbel auch nicht“, sagt Flint. Hier kommen die beiden unterschiedlichen Seiten ins Spiel. Diejenige mit den zwei Kugeln verfügt über eine geringere Spannung. Wird sie an die Tischkante geklemmt, kann sie mitsamt der Gehhilfe, die in dem festeren Ende mit den drei Kugeln steckt, abgezogen werden. Einfach, aber genial.

Drei Jahre hat Sören Flint bis zur Produktreife getüftelt. Der allererste Prototyp kam aus dem heimischen 3-D-Drucker. Aus einfacher Hartplaste, war er noch völlig unelastisch und alles andere als perfekt. Als Größe und Ausführung stimmten, suchte sich Flint einen Werkzeugmacher und einen Produzenten. „Der Gnubbel ist ein rein sächsisches Produkt“, betont der Erfinder. Die Idee kam ihm zu Hause in Weißwasser, als er sich am Frühstückstisch darüber ärgerte, dass der Honiglöffel immer ins Glas rutschte. Den Werkzeugmacher, der die für den Spritzguss nötige Form anfertigte fand er in Skerbersdorf. Produziert wird der Gnubbel in Rothenburg bei Lausitz-Elaste. Vertrieben wird er vorerst nur übers Internet. „Vielleicht ist der nächste Schritt, die ganzen Sanitätshäuser abzuklappern.“ Offenbar hat die Vermarktungsstrategie noch Optimierungsbedarf. Der Schutz hingegen nicht. Der Gnubbel ist als Patent angemeldet. Das Material ist zudem schadstofffrei und lebensmittelecht, also für Kinder unbedenklich.

Sachsen sind findig. In keinem anderen ostdeutschen Bundesland wurden 2014 so viele Patente angemeldet wie hier, insgesamt 968. Mehr waren es nur bei den bevölkerungsreicheren Nachbarn im Westen. Selbst Berlin (867) kann da nicht mithalten. Die meisten Erfindungen kamen aus Bayern (15 533).

Der Gnubbel ist ein Familienprojekt. Flints Tochter, deren Freund, Flints Lebensgefährtin Katie und deren Sohn steuerten Ideen bei und gaben Ratschläge. Flints erste Erfindung ist es nicht. Vor einigen Jahren brachte er mit großem Erfolg ein „Maulwurfvergrämungsgerät“ auf den Markt. Damit wurden die Tiere nicht eingefangen und auch nicht getötet, sondern einfach vertrieben. Der Verkauf lief gut, bis das Bundesartenschutzgesetz geändert wurde. Nun darf das Gerät zwar noch hergestellt und verkauft, aber nicht mehr angewendet werden. Seine Brötchen verdient Flint mit der Montage und dem Verkauf von Reifen. Außerdem ist der gelernte Landmaschinenschlosser TÜV- und IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer.

„Im Winter mache ich Reifen, im Sommer kümmere ich mich um Wespen, Mäuse oder kämpfe gegen Schimmel.“ Außerdem ist er Imker. Wie bekommt man das alles unter einen Hut? „Alles mit allem zu verbinden, darin ist er wirklich gut“, sagt Katie. Er interessiere sich nicht für Fußball und nicht für die Formel 1, außerdem sehe er kein Privatfernsehen, sagt er selbst. „Da bleibt eine Menge Zeit.“ Die nächste Erfindung hat er bereits in der Mache. Bevor er darüber etwas verrät, muss sie erst patentgeschützt sein. „Nützlich ist sie auf alle Fälle.“