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Meißen

Der Haus-Erhalter

Holger Metzig hat sich um drei Häuser auf der Görnischen Gasse gekümmert – jetzt will er das vierte sanieren.

Holger Metzig zeigt einen Fachwerkgiebel, eines der wenigen originalen Bauteile im 1585 errichteten Haus Görnische Gasse 38.
Holger Metzig zeigt einen Fachwerkgiebel, eines der wenigen originalen Bauteile im 1585 errichteten Haus Görnische Gasse 38. © Claudia Hübschmann

Meißen. Holger Metzig zählt gewissermaßen zur alten Garde derer, die um die Görnische Gasse kämpfen. Nicht nur, dass er das Haus Nummer 37 – schräg gegenüber der 2 und 3, an denen gerade gebaut wird – saniert hat. Er hat sich auch um die 4 gekümmert, hat den ersten Förderantrag für das Haus geschrieben und zehn Jahre dafür gesorgt, dass es nicht weiter verfällt. „Die Nummer 5 habe ich dann selbst saniert.“ Und nun geht es weiter: „Noch im März wird der Bauantrag für die 38 gestellt.

Erkennbar ist das Gebäude am Eingang der Görnischen Gasse vom Hundewinkel her kommend, an den schwarzen Wellbitumenplatten, mit dem es von außen gesichert ist. Nicht eben ein schöner Anblick. Im Innern sieht es nicht besser aus, zeigt sich ein fast komplett entkerntes Gebäude. Lediglich einige alte Deckenbalken und ein Stück Holzdecke sowie der Rest eines Fachwerkgiebels sind noch erhalten. „Im Haus haben sich die Deckenbalken im Laufe der Jahrhunderte um achtzig Zentimeter gesenkt, wir haben sie Stück für Stück mit einer Winde wieder hochgedrückt.“

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Eigentlich wollte Holger Metzig die Nummer 38 abreißen, weil durch jahrelange Verwahrlosung des Gebäudes gut 80 Prozent der Bausubstanz zerstört worden waren. Dann kamen 2002 und 2013 Überschwemmungen hinzu, sodass das Wasser bis zu einem Meter hoch im Erdgeschoss stand, was zum weiteren Verlust von Bauteilen führte. Aber schon 1990 kam eine Bauzustandserfassung zum Schluss: „Es wird empfohlen, das Grundstück mit einem für das Bebauungsquartier maßstabsgerechten Wohngebäude neu zu bebauen.“ Allerdings machte da die Denkmalpflege nicht mit. Doch nun, viele Jahre später, habe man sich geeinigt und eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden. Die Balken, die Holzdecke und die Reste des Fachwerkgiebels sowie die noch intakten Kellergewölbe sollen erhalten werden. Ansonsten sollen ein Gewerberaum und zwei Wohnungen im Haus entstehen. Schon im kommenden Jahr soll alles fertig sein.

Dass Holger Metzig den Bau der 38 nun doch noch anpackt, hat mit der verbesserten Situation auf der Görnischen Gasse zu tun. Einst größtenteils von ruinösen Häusern gesäumt, ist sie seit 1994 Zug um Zug eine Straße geworden, die in der Altstadt mithalten kann.

Das hat mit Machern wie Holger Metzig und anderen zu tun, die sich seit 2004 regelmäßig zum Stammtisch Görnische Gasse treffen und gemeinsam überlegen, wie sie vorwärtskommen können. Und es hat damit zu tun, dass der Straßenzug im Sanierungsgebiet Historische Altstadt liegt und deshalb Fördergelder fließen konnten, ohne die viele Bauvorhaben von privater Seite nicht hätten gestemmt werden können.

Holger Metzig, der sein Ingenieurbüro in der Görnische Gasse 37 hat, denkt über diese hinaus. So hat er in den Stadtrat – er ist Mitglied der Fraktion Unabhängige Liste Meißen/FDP und stellt sich im Mai wieder zur Wahl – sein Konzept für den Hochwasserschutz eingebracht. Er geht davon aus, dass es mittels technischer Maßnahmen möglich ist, Meißen sowohl vor Hochwasser der Triebisch als auch der Elbe komplett zu schützen. Im Haushalt der Stadt sind entsprechende Mittel eingestellt, um gemeinsam mit der Landestalsperrenverwaltung Untersuchungen zur Machbarkeit seiner Vorschläge anzustellen. Schließlich setzt sich Holger Metzig für den Bildungsstandort Meißen ein. Dass die Questenbergschule nun saniert wird, ist auch seinem Engagement zu verdanken.

Was die Görnische Gasse betrifft, so gibt er sich keinen Illusionen hin: Die kommenden beiden Jahre sind wieder Baulärm und Baudreck angesagt – dann ist die 38 fertig.

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