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Der „Hungrige Wolf“ hat ein neues Stammquartier

Der Imbiss auf der Berliner Straße gab auf, weil der Umsatz schwächelte. Im City-Center aber halten ihm die Gäste die Treue.

Von Ralph Schermann

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Die Berliner Straße ist um einen Imbiss ärmer. An der Ecke zur Hospitalstraße sitzt nicht mehr jene Strohpuppe, die ein Tier darstellen sollte – den hungrigen Wolf. Dabei stammt der Imbissname gar nicht vom Isegrim ab, sondern vom Vornamen des Geschäftsgründers: Wolfram Runge. Sein Konzept allerdings bewährte sich zumindest an dieser Stelle der Stadt nicht. Drei Gründe nennt er für das Aus: den zurückgehenden Umsatz dort, die nach zehn Jahren nötige und derzeit für ihn nicht finanzierbare Anschaffung neuer Einrichtungsteile und letztlich auch den Mindestlohn.

Dabei begann alles so vielversprechend. Sogar das MDR-Fernsehen wurde aufmerksam und widmete dem Wolf-Team einen Drehtag für die Sendung „Umschau extra“, die sich Selbstständigen jenseits der 50 widmete. Da passten Wolfram Runge und sein Imbisslokal „Zum hungrigen Wolf“ gut dazu. Das Fernsehen trug dazu bei, dass die Schar der Stammgäste wuchs. Priesen zunächst vor allem nur Ältere Runges Tagesgerichte, bezeichnete die Jugend die hausgemachten „Hamburger“ bald als Kult. Seit der auch vom einstigen „Ersten Görlitzer Zupforchester“ bekannte Mann im November 2005 diesen Schritt in eine eigene Firma wagte, spürte er eine steigende Nachfrage und öffnete, zunächst versuchsweise, auch sonnabends.

2010 eröffnete der „Hungrige Wolf“ eine Filiale im City-Center. „Wir haben damals gespürt, dass sich der Standort Berliner Straße nach dem Start-Hoch nicht mehr rechnet“, erklärt Wolfram Runge rückblickend die Suche nach Alternativen. Die freiwerdende Espresso-Bar im City-Erdgeschoss war so eine. Runge holte seine Frau Angelika mit ins Imbiss-Team. „Ich habe 19 Jahre lang den Lottoladen auf der Berliner Straße gehabt“, erzählt sie, „aber die Umsätze waren rückläufig. Und die Baustelle Berliner Straße gab uns den Rest.“ Da die Bauarbeiten auch 2011 weitergehen sollten und die Bagger dann direkt vor der Tür des Ladens scharren würden, sah sich Angelika Runge nach neuen Ideen um. Da kam die Imbiss-Erweiterung ihres Mannes gerade recht. „Ich will mir jetzt noch mal etwas ganz anderes aufbauen“, sagte Angelika Runge und meinte fortan Buletten und Kartoffelsalat statt Lottoscheinen. Täglich stand sie fortan am Herd im „Stammhaus“ des Berliner-Straßen-Imbiss, von dort wurde alles zum City-Center transportiert.

2013 erweiterte der „Hungrige Wolf“ sein City-Revier. Ein Außen-Imbiss kam dazu, der zunächst vor allem Bratwurst anbot. Zu den Außenplätzen gesellten sich zwei überdachte Stehtische in einem kleinen Anbau. Das Personal bekam als Durchgang eine Schiebetür, für den Außenverkauf wurde neue Technik angeschafft. Damit auch der Straßen-Imbiss täglich um 11 Uhr öffnen kann, schuf Wolfram Runge zwei zusätzliche Teilzeitarbeitsplätze. Insgesamt sechs Mitarbeiter gehören zum „Hungrigen Wolf“, der seit 2005 auch städtische Märkte mitgestaltet.

Mit veränderten Arbeitszeiten behält Runge alles Personal, auch wenn jetzt das City-Center zum „Stammhaus“ wurde und Küchentechnik von der Berliner Straße mit aufnahm. „Damit entfallen die Hin- und Herfahrten von Rohstoffen und Fertigessen“, gewinnt Wolfram Runge der Schließung eine positive Sicht ab. Was bleibt, ist sein Optimismus: „Der alte Standort ist tot, es lebe der neue im City-Center!“

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