SZ +
Merken

Der Kampf ums Marktrecht

Der Mehltheuer Markt ist dem Riesaer Adel ein Dorn im Auge. Wer gewinnt den Rechtsstreit anno 1779?

Teilen
Folgen

Von Volker Thomas

Riesa erhielt 1623 mit der ersten Stadtrechtsverleihung unter Kurfürst Johann Georg I. das Recht, zweimal im Jahr Markt zu halten. Dieses Vorrecht hatte der wahrlich kleine Ort seinem neuen Grundherren Christoph Felgenhauer zu verdanken.

150 Jahre später trat der damalige Rittergutsbesitzer Dr. Hanisch, 1790 geadelt mit dem Namen von Odeleben, mit dem Herrn von Calenberg auf dem Rittergut Jahnishausen in einen Rechtsstreit ein. Es hatte sich über den Verlauf der Jahrzehnte nämlich eingebürgert, dass die Händler, die zum Riesaer Markt anreisten, einen Tag zuvor in Mehltheuer ihre Waren zum Verkauf anboten. Doch dafür war der Grundherrschaft von Jahnishausen kein Recht verliehen, und das Feilbieten in Mehltheuer schmälerte in den Augen von Dr. Hanisch die Chancen des Riesaer Marktes. So reichte er 1779 Klage dagegen ein. Zwei Jahre gingen ins Land, und Riesas Grundherr musste feststellen, dass „ohngeachtet Verstattung“ der Gräflich-Calenbergischen Gerichte zu Jahnishausen, der Handel auf diesem „Vor“-Markt weiter blühte. Ein von Dr. Hanisch geschickter Beobachter nahm eine große Zahl von „Fieranten“ wahr: sechs Wagen mit Böttchergefäßen, sechzehn Schumacherstände, einen Kürschner, einen Nagel- und Sägeschmied, einen Seiler, mehrere Nadler, vier oder fünf Buchhändler, einen Strumpfstricker, Pfefferküchler, Drechsler, Flanellmacher und mehrere Tabakhändler.

Sie alle ließen sich den Handel nicht verbieten, da ihnen beim vorjährigen Markt „es ihnen nicht (...) aufgesagt wurde.“ Doch die Untätigkeit der Rittergutsherrschaft von Jahnishausen bestand nicht zu Recht, da bereits im November 1779 die „churfürstliche Kanzley“ mit einer Verordnung Jahnishausen aufgefordert hatte, den Markt zu verbieten.

Doch selbst im November 1781 berichtete ein weiterer Zeuge, dass er das Markttreiben zusammen mit dem „Bauer Pahnitz“ erlebt habe. Neben den bereits aufgeführten Handwerken und Händlern habe er mehrere Bäcker, einen Beutler, einen Zirkelschmied und auch eine ziemliche Anzahl Käufer vorgefunden. Die beiden Heydaer Landwirte sagten unter Eid vor dem Gerichtsherrn in Riesa aus. Kurfürst Friedrich August III. „der Gerechte“, musste erneut mit allem Nachdruck Jahnishausen auffordern, den Markt in Mehltheuer zu unterbinden. Insgesamt beschäftigten sich drei Ämter mit der Angelegenheit, und unter der Androhung von 50 Reichstalern Strafe wurde 1783 die Sache für beendet geglaubt.

Die Bewohner der umliegenden Dörfer und vor allem aber die Handwerker und Händler wollten auf den Markt nicht verzichten.

Ungesetzliches Treiben

Der „wilde Marktplatz“ wechselte seinen Ort. Auf dem Gelände der Wüsten Mark Wilschwitz nahe dem Dorf Gleina wurden nun die Stände aufgebaut. Erst 1799 hoben die Bevollmächtigten der Ämter Nossen und Lommatzsch ein für allemal das ungesetzliche Treiben auf. Sie erschienen plötzlich und unerwartet am Marktort.

Die still geduldete Gewohnheit der vergangenen Jahre hatte ab sofort keine Chance mehr, auch künftig fortgeführt zu werden.