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Der Lederspezialist

Kai-Uwe Engel lässt alte Autositze wie neu aussehen. Bei der Bautzener Automeile zeigt er, was alles möglich ist.

© Uwe Soeder

Von Frances Scholz

Die Farbe ist ausgeblichen, Schmutz hat sich über die Jahre in das Leder reingefressen. Dieser Autositz eines Mercedes Cabriolets ist schon mehr als 40 Jahre alt. Kai-Uwe Engel hat sich diesen schon genau angesehen. „Das Leder ist in der Mitte perforiert, damit man nicht so schwitzt“, sagt der Geschäftsmann. Er wird diesen Sitz in den kommenden Tagen wieder wie neu aussehen lassen. Bei der Bautzener Automeile am Sonnabend zeigt er dann das Ergebnis. „Ich werde noch den anderen alten Sitz daneben stellen, damit man den Unterschied gut erkennt“, sagt der 45-Jährige.

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Kai-Uwe Engel von Fell-Engel in Bautzen frischt neben Lederjacken auch alte Autositze auf. Was alles möglich ist, zeigt er am Sonnabend bei der Automeile vor seinem Geschäft in der Reichenstraße.
Kai-Uwe Engel von Fell-Engel in Bautzen frischt neben Lederjacken auch alte Autositze auf. Was alles möglich ist, zeigt er am Sonnabend bei der Automeile vor seinem Geschäft in der Reichenstraße. © Uwe Soeder

Kai-Uwe Engel hat sich auf die Aufarbeitung von altem Leder spezialisiert. In seinem Geschäft Fell-Engel auf der Bautzener Reichenstraße bietet er Lederreinigungen und Färbetechnik an. „In letzter Zeit nehmen die Anfragen von Oldtimerbesitzern immer mehr zu“, sagt der Oberkainaer. Er arbeitet seit fünf Jahren eng mit der Autosattlerei Schelle aus Wehrsdorf zusammen.

Autosattler Clemens Schelle restauriert die alten Fahrzeuge und holt sich bei den Ledersitzen oft Unterstützung bei Kai-Uwe Engel. „Man kann natürlich nicht jeden Sitz einfärben, denn die Qualität des Leders entscheidet, ob das überhaupt noch möglich ist“, sagt der 34-jährige Autosattler. Er selbst hat einen Oldtimer. Einen Pontiac aus dem Jahr 1966. An dem hat Lederprofi Kai-Uwe Engel nichts an den Sitzen gemacht. „Er hat aber diverse Blenden eingefärbt“, sagt Clemens Schelle. Der Pontiac wird deshalb bei der Bautzener Automeile auf der Reichenstraße vor Kai-Uwe Engels Geschäft stehen. „So sieht man, was alles möglich gemacht werden kann“, sagt Kai-Uwe Engel. Er färbt aber nicht nur Autositze ein. „Lederjacken, Westen, Hosen oder auch Möbel bearbeite ich sehr oft.“

Dabei ist die Technik immer dieselbe. Zunächst muss das Naturmaterial gereinigt werden. „Die Oberfläche muss fettfrei sein“, erklärt Kai-Uwe Engel. Dann wird das Leder leicht angeschliffen. Eventuelle Risse werden mit einem speziellen Lederspachtelmaterial verschlossen. Dann kommt die schwierigste Aufgabe. Das Anmischen der Farbe. „Ich mache das selbst. Um den richtigen Farbton zu treffen, braucht man ein gewisses Fingerspitzengefühl“, sagt der Geschäftsführer. Seit rund zehn Jahren bietet er diesen Service an. Auf die Idee dazu brachten ihn seine Kunden. „Sie haben immer wieder nach einer Lederaufbereitung gefragt. Also habe ich mich weitergebildet“, sagt er. Bei einer Schulung lernt er die Technik der Lederfärbung. „Das Erste, was ich eingefärbt habe, war eine Lederjacke“, erinnert er sich. Damals fiel ihm das nicht leicht. „Ich hatte noch nicht so den Blick für die richtige Farbe. Mit der Zeit kommt dann auch die Erfahrung, aber man lernt trotzdem nie aus.“

Kai-Uwe Engel hatte aber vorher bereits schon viel Erfahrung mit Naturmaterialien. Er hat den Beruf des Kürschners, das Handwerk zum Verarbeiten von Fellen, erlernt. Und führt das Geschäft Fell-Engel in dritter Generation. Mit der Lederaufbereitung und Färbung hat er eine Marktlücke entdeckt. Seine Kunden stammen nicht nur aus der Region, sondern auch aus den alten Bundesländern. „Viele Kunden sind unsicher im Bezug auf die Pflege des Leders, einige kommen sogar auf die Idee, ihre Couch mit Babyöl oder Creme einzureiben“, sagt er. Wenn die Kunden das schon an ihrem Ledersofa ausprobiert hätten, sei es meist zu spät. Trotzdem versucht Kai-Uwe Engel, für seine Kunden eine Lösung zu finden. „Wenn es hart auf hart kommt, rufe ich bei meinem Lederfarbelieferanten an. Manchmal wissen die Leute dort noch eine Lösung“, sagt er.

Jetzt muss sich Kai-Uwe Engel aber erst mal dem alten Mercedessitz widmen, damit dieser pünktlich zur Bautzener Automeile fertig wird. „Ledersitze sind generell eine große Herausforderung. Bei diesem ist das perforierte Leder schwierig zu bearbeiten. Aber es macht mir Spaß an einer Lösung und der richtigen Farbe zu tüfteln.“