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Der Litzenteich wächst zu

Anwohner Ludwig Sachße ist in Sorge. Durch die Landwirtschaft werden viele Nährstoffe ins Wasser gespült.

Von Kerstin Fiedler

Ludwig Sachße ist ein Naturmensch. 1973 ist er nach Radibor gezogen, besitzt dort auch ein Stück Wald. Er engagiert sich in den Radiborer Schulen auf dem Gebiet des Naturschutzes, hat mit den Schülern entlang von Wanderwegen Nistkästen angebracht und Bänke aufgestellt, die vorher in der Schule gebaut wurden. Und er liebt den Litzenteich nahe Radibor. Doch der macht ihm in letzter Zeit immer mehr Sorgen. Vor allem, wenn er sich eine Karte des Teiches von 1938 anschaut und sie mit einem Luftbild von vor zwei Jahren vergleicht. Heute ist der Litzenteich nur noch ein schmales Band, umringt von einem sehr breiten Schilfgürtel. Nun fragt sich Ludwig Sachße, ob das alles so gut ist.

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Ein bemerkenswerter Blick aus dem Flugzeug. Ludwig Sachße machte das Foto bei einem Rundflug vor zwei Jahren. Was aussieht wie Sand, ist der breite Schilfgürtel, der sich mittlerweile um das Gewässer gebildet hat. Im Prinzip wächst der Litzenteich immer m
Ein bemerkenswerter Blick aus dem Flugzeug. Ludwig Sachße machte das Foto bei einem Rundflug vor zwei Jahren. Was aussieht wie Sand, ist der breite Schilfgürtel, der sich mittlerweile um das Gewässer gebildet hat. Im Prinzip wächst der Litzenteich immer m
Sorgt sich um die kleiner werdende Wasserfläche: Ludwig Sachße ist viel am Litzenteich bei Radibor unterwegs. Foto: SZ/Kerstin Fiedler
Sorgt sich um die kleiner werdende Wasserfläche: Ludwig Sachße ist viel am Litzenteich bei Radibor unterwegs. Foto: SZ/Kerstin Fiedler

Der Litzenteich wird seit Jahren von der Naturschutzstation Neschwitz betreut. Der Zustand des Teiches, das heißt die Wassersituation, der Wasserstand, Zufluss- und Abfluss oder auch der Sauerstoffgehalt und der Fischbestand, wird regelmäßig bei Teichkontrollen erfasst und beurteilt, sagt Ina Bartsch von der Naturschutzstation. Auch in diesem Jahr waren die Mitarbeiter mit den Gegebenheiten und auch mit dem Abfischen zufrieden. Dass in den vergangenen Jahren das Schilf immer mehr wuchs, ist nicht nur am Litzenteich zu beobachten. Auch zum Beispiel die Caßlauer Wiesenteiche und der Ziganteich bei Eutrich sind betroffen. Georg Richter vom Kreis-Umweltamt kennt das Problem. Vor allem bei Teichen, um die herum sich viel Landwirtschaft befindet, ist das zu beobachten. Es kommen durch die Intensivierung der Landwirtschaft immer mehr Nährstoffe in den Teich, die nicht reduziert werden können. Dadurch, so Georg Richter, verstärkt sich das Schilfwachstum. „Wenn die Teiche wie bei kommerziellen Teichwirtschaften intensiv bewirtschaftet werden, wachsen sie nicht so schnell zu. Aber der Litzenteich ist sehr flach und hat weniger Fische. Damit wächst mehr Schilf, es gibt mehr Schlamm“, sagt Georg Richter. Aber er sagt auch, dass er damit interessant für den Naturschutz wird. Zum Beispiel für die Brutvögel. Am Litzenteich gibt es Nachweise für die Große Rohrdommel sowie den Singschwan. Dass eine Kolonie mit Lachmöwen verschwunden ist, wie es Ludwig Sachße beobachtet hat, ist durchaus zu erklären. „Die offene Teichfläche ist zu klein geworden“, sagt Georg Richter. Außerdem lebt solch eine Kolonie von einem hohen Anteil an Jungfischen, die der Litzenteich nicht hat. Doch das Schilf zurückzudrängen, wäre eine sehr aufwendige Aufgabe. Es müsste viel Schlamm aus dem Teich geholt werden, und das ist sehr kostenintensiv. So versuchen die Behörden gemeinsam mit den Fischern, einen Modus zu finden, dass die wirtschaftlich nutzbare Fläche nicht zu klein wird, ohne dabei mit dem Naturschutz zu kollidieren. Beim Rückgang der Vögel spielen aber auch Mink und Waschbär eine Rolle. Sie richten vor allem bei bodenbrütenden Vogelarten viel Schaden an.

Das Problem, das Ludwig Sachße 2009 beobachtet hat, ist zum Glück heute beseitigt. Damals bemerkte er, dass sich das Wasser am Zulauf des Litzenteiches blau färbte und sich Schaum darauf bildete. Das teilte der Radiborer auch den verschiedenen Behörden mit. Damals ärgerte er sich sehr, dass er auf seine Schreiben keine Antwort erhielt. Georg Richter erklärt, warum. „Wir haben damals den Anruf von Herrn Sachße bekommen und haben sofort reagiert. Dass wir dann auch noch einmal mitteilen, welche Maßnahmen wir unternommen haben, ist unüblich“, sagt Richter. Aber auf jeden Fall war die Behörde damals dankbar für den Hinweis. 2009 kam es nach starkem Regen in der Radiborer Agrargesellschaft dazu, dass Silosickersaft und Blausäure verstärkt über die Hofentwässerung abliefen und so auch in den Teich gelangten. Wenn es jedoch zu einer Gefährdung des Teiches gekommen wäre, hätte sicher ein Fischsterben eingesetzt. Doch das geschah nicht. Die Konzentration war nur gering. Seitdem hat die Agrargesellschaft auch investiert. Eine Havarie ist kaum noch möglich nach den baulichen Veränderungen. Übrigens hat sich das Unternehmen damals auch selbst angezeigt, damit die Behörden vor Ort alles überprüfen konnten. „Das zeugt von einem seriösen Verhalten“, sagt Georg Richter.

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