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Der nächste Pfarrer geht

Markus Beulich verlässt Freital im Sommer aus „persönlichen“ Gründen. Dabei ist die Kirche derzeit in einer heiklen Situation.

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Von Matthias Weigel

In der Freitaler Kirchgemeinde bleibt Bewegung. Nachdem im Herbst 2014 Pfarrer Michael Buchmann die Gemeinde verlassen hat und seinen Dienst in Radeburg antrat, steht nun der nächste Pfarrerwechsel an. „Markus Beulich wird zum 1. August seinen Dienst in unserer Kirchgemeinde beenden und in eine andere Pfarrstelle wechseln“, heißt es in einer Mitteilung des Kirchenvorstandes. Auf Nachfrage nennt Beulich persönliche Gründe. Mit der Kirchgemeinde habe der Schritt nichts zu tun. „Aber nach zwölf Jahren ist es nicht unüblich, dass es einen Wechsel gibt“, sagt der 44-Jährige. Die Stelle soll neu ausgeschrieben werden. Der hiesige Kirchenvorstand will demnächst über die Gestaltung der Vakanz beraten. Beulich selbst wird in Chemnitz den Dienst antreten, teilt er mit.

Markus Beulich (44) ist seit zwölf Jahren Pfarrer in Freital-Hainsberg und Somsdorf. Jetzt wechselt er nach Chemnitz. Archivf.: Dorit Oehme
Markus Beulich (44) ist seit zwölf Jahren Pfarrer in Freital-Hainsberg und Somsdorf. Jetzt wechselt er nach Chemnitz. Archivf.: Dorit Oehme © foto: dorit oehme

Buchmanns Stelle hingegen wird nicht neu besetzt. Die sächsische Landeskirche hatte wegen des demografischen Wandels und knapper Kirchenkassen eine Strukturreform beschlossen. In deren Folge wurde beim Kantor leicht gekürzt – und eine Pfarrstelle in Freital sollte ganz wegfallen. Außerdem stand eine Fusion des Freitaler Kirchspiels – mit den Gemeinden Deuben, Döhlen, Potschappel, Hainsberg und Somsdorf – und der bislang selbstständigen Gemeinde Pesterwitz an. Das war Ende 2013.

Doch freiwillig wollte keiner der vier Pfarrer seinen Stuhl räumen. Eine Fusion mit Pesterwitz scheiterte außerdem. Deswegen vereinten sich die Gemeinden in Freital zum 1. Januar 2014 zu einer Gemeinde mit fünf Kirchen. Sitz wurde Hainsberg, für die Friedhofsverwaltung ist es Deuben. In Pesterwitz läuft indes alles weiter wie bisher. Eine Einigung gibt es bis heute nicht. Offensichtlich sieht man hier einen drohenden Macht- und Einflussverlust: Immerhin bringt man es – mit Altfranken und Neunimptsch – auf rund 1 450 Mitglieder. Die Freitaler haben mit knapp 3 000 gerade die doppelte Zahl.

Unter der Prämisse, gleichwertig und gerecht unter ein Dach fürs Geld, die Bau- und Friedhofsverwaltung zu kommen, mit künftig wenigen Vertretern in einem gemeinsamen Vorstand, ist die Fusion offenbar ein Ding der Unmöglichkeit. Da war die notwendige Strukturreform innerhalb der fünf Freitaler Kirchen einfacher.

Pesterwitz sträubt sich

„Aber wir können in Zeiten eines Rückganges der Gemeindegliederzahlen nicht einfach unter den Rahmenbedingungen früherer Zeiten weitermachen“, sagt der Superintendent des hiesigen Kirchenbezirks Freiberg, Christoph Noth, der den Vereinigungsprozess begleitet. Aus der Situation heraus müsse man gestalten. Und lebendige Kirche hänge ja nicht von Strukturen, sondern von jedem Einzelnen ab.

Dennoch bleibt für Pesterwitz die künftige Struktur offen. Lediglich eine Absichtserklärung gebe es, mit Freital in ein Schwesternverhältnis einzutreten, so die Landeskirche. Dann würde Pesterwitz seine eigenen Finanzen, den Vorstand und die Friedhofsverwaltung behalten. Die generelle Verwaltung und große Entscheidungen würden aber zusammenfallen. Wie und wann dazu Klarheit herrscht, bleibt offen. Zumindest ein Kennenlern-Termin der beiden jüngst turnusmäßig neu gewählten Kirchenvorstände gab es.

Für Klarheit in Sachen Pfarrstellen sorgte im Herbst 2014 dann Pfarrer Buchmann. Er räumte nach neun Jahren in Freital-Potschappel und -Döhlen freiwillig und recht plötzlich seinen Platz. Mit dem Wegfall der Stelle musste natürlich auch die Gemeindearbeit umgestellt werden. Zwar blieb die Verwaltungsstelle in Potschappel erhalten. Aber Seelsorge, Trauungen und Beerdigungen mussten auf die beiden verbliebenen Pfarrer aufgeteilt werden. Auch der Pesterwitzer Pfarrer hilft dabei in Diensten und bei der Arbeit in den Pflegeheimen.

Bei den Besuchsdiensten und Kirchenkreisen in der Gemeinde ist man auf die Hilfe von Ehrenamtlern angewiesen. Bei den Gottesdiensten versucht man in der Regel drei je Sonntag im Stadtgebiet zu halten, bei großen Anlässen in alle Kirchen. Die neue Situation ist schon jetzt eine Herausforderung für alle Beteiligten und wird mit dem Weggang von Beulich nun noch einmal schwieriger.

Die Landeskirche verteidigt dennoch ihren Kurs. „Ziel solcher größerer Zusammenschlüsse ist es, dass Einheiten entstehen, in denen – neben den Pfarrstellen – auch die Gemeindepädagogik, Kirchenmusik und Verwaltung gesichert ist“, sagt Superintendent Noth. Vor allem im Hinblick auf lohnende Beschäftigungsumfänge und klare Anstellungsverhältnisse sei das wichtig. Bisher waren es in der Regel wenig lukrative und auf mehrere Arbeitgeber gesplittete Teilstellen. „Hinzu kommt, dass nun auch stärker nach den besonderen Fähigkeiten der einzelnen Pfarrer gefragt werden kann, als wenn jeder für sich als Einzelner irgendwie alles machen muss“, sagt Noth.