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Der neue Blitzer ist scharf

Schneller als gedacht ging an der B 96 in Rascha der Starenkasten in Betrieb. Die ersten Fotos hat er schon gemacht.

© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Vormittags um zehn, der Berufsverkehr dürfte längst durch sein – und trotzdem kommt man in Rascha an der Pizzeria kaum über die Straße. In beide Richtungen herrscht dichter Verkehr auf der B 96. Horst Döcke kennt das nur zu gut. Er wohnt seit Jahrzehnten direkt an der Bundesstraße, Garage und Garten hat er auf der gegenüberliegenden Seite. „Man muss höllisch aufpassen, wenn man über die Straße will. Denn die Autos rauschen nur so vorbei.“ Doch neuerdings, das ist Döckes Eindruck, rauschen sie nicht mehr ganz so schnell vorbei. „Die meisten bremsen vor dem Blitzer ab.“ Der steht seit zwei Wochen gegenüber der Pizzeria – und seit dieser Woche ist er tatsächlich in Betrieb.

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Die Inbetriebnahme ging schneller als gedacht, ursprünglich war sie erst für Ende Dezember vorgesehen. Nun klappte es mit dem Eichen der Anlage doch schon eher. In den ersten beiden Tagen hat der stationäre Blitzer 13 486 Fahrzeuge erfasst, 91 waren zu schnell, berichtet Rene Burk, Ordnungsamtsleiter beim Landkreis. Spitzenreiter waren zwei Fahrer, die mit Tempo 81 durch den Ort brausten. Sie bekommen nun drei Punkte in Flensburg und müssen 160 Euro Bußgeld plus Gebühren zahlen.

Dennoch sei der Blitzer keine neue Einnahmequelle für den Landkreis, betont Burk. „Uns geht es um die Verkehrsberuhigung.“ Denn immer wieder hatten Anlieger darauf hingewiesen, dass hier zu schnell gefahren wird – besonders seit die Straße im vorigen Jahr ausgebaut wurde. Für Anwohner wie Horst Döcke ist das nicht nur eine Frage der Sicherheit, etwa beim Überqueren der Straße, schließlich gibt es neben der Pizzeria auch eine Bushaltestelle. Es ist einfach auch laut, „das Fenster können wir nicht aufmachen“.

Die Gemeinde hat deshalb bei Polizei und Landkreis auf mehr Geschwindigkeitskontrollen gedrängt. „Wir haben hier mehrfach mobil geblitzt“, sagt Rene Burk. Insgesamt 16-mal zwischen Februar und November. Dabei wurden jeweils zwischen fünf und 130 Temposünder erwischt. Außerdem wurden über einen längeren Zeitraum Anzahl und Geschwindigkeit der Fahrzeuge erfasst. Und siehe da: Das „gefühlte“ Zuschnell-Fahren bestätigte sich.

Deshalb wurde entschieden, dass Rascha einen stationären Blitzer bekommt. Bisher stand der an der B 97 in Laußnitz. Dort werde aber nicht mehr so schnell gefahren, auch weil die Autofahrer jetzt wegen einer Verkehrsinsel eher bremsen. Um die Anlage nach Rascha umzusetzen, hat der Landkreis rund 15 000 Euro ausgegeben. Neue Anlagen anzuschaffen, ist laut Burk aber nicht geplant. Obwohl es immer wieder Anfragen von Anwohnern viel befahrener Straßen gebe.

Allein in der Gemeinde Großpostwitz waren drei Standorte im Gespräch, sagt Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos). Aber auf der Oberlausitzer Straße in Richtung Sohland sei weniger Verkehr als in Rascha, und in Ebendörfel wirke ebenfalls eine neu gebaute Fußgängerinsel verkehrsberuhigend. Übrig blieb Rascha. „Ich war überrascht, dass es so schnell gegangen ist“, sagt Anwohner Horst Döcke. Er hofft, dass es an der Straße nun etwas leiser wird.

„In Cölln ist es auch ruhiger geworden“, sagt Burk. Dort hatten ebenfalls Anwohner der B 96 einen Blitzer gefordert. Seit einem Jahr steht er da – und blitzt inzwischen nicht mehr so häufig wie in der ersten Zeit. Die meisten Fahrer bremsen rechtzeitig.