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Der oberste Straßenbauer geht

Der fast zwei Meter große Mann mit Hut fiel auf bei der Brückenfreigabe in Radebeul. Doch im Vordergrund standen andere. Holger Wohsmann dirigierte das Geschehen wie ein Regisseur. Dort wird das Band durchschnitten, hier postieren sich die Schulkinder für das Begrüßungslied.

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Von Birgit Ulbrichtund Peter Redlich

Der fast zwei Meter große Mann mit Hut fiel auf bei der Brückenfreigabe in Radebeul. Doch im Vordergrund standen andere. Holger Wohsmann dirigierte das Geschehen wie ein Regisseur. Dort wird das Band durchschnitten, hier postieren sich die Schulkinder für das Begrüßungslied. Ab dann dürfen die Autos fahren. Knappe, klare Hinweise, damit das Geschehen rund läuft.

Der Festakt auf der neuen Brücke nach Niederwartha war für den Leiter des Straßenbauamtes Dresden-Meißen der i-Punkt, der Abschluss seines Dirigierens auf den Baustellen im Kreis. Die letzten sieben Jahre hat Holger Wohsmann als Chef des Straßenbauamtes dieses Auf und Ab mitgemacht.

Geduldig immer wieder erklärt

Mehr als dreistellige Millionen-Summen sind mit seiner Mannschaft für Bauprojekte geplant, genehmigungsreif zu Papier gebracht und schließlich in Straßen und Brücken umgesetzt worden. Kaum eine Baustelle ging ohne Probleme über die Bühne. Millionenteure Umplanungen nervten die Planer im Amt. Manche, die mit dem Bau nicht einverstanden waren, reichten Klagen ein. Die Elbebrücke nach Niederwartha stand fast drei Jahre ungenutzt in der Landschaft. Ungeduldige haben das Wohsmanns Team angelastet.

Doch der Bauexperte blieb ruhig. Immer wieder erklärte er mit Engelsgeduld und bis ins Detail reichender Fachkenntnis, warum dies und jenes geht und anderes eben erst später. Wohsmann war sich auch nie zu fein, Kritiker und Gegner am Bauort selbst Rede und Antwort zu stehen. Im gesamten Kreis Meißen.

Der Mühlbacher Kreisverkehr, die Ortsumfahrung bei Großenhain, ist auch so eine Baustelle, wie sie jeder oberste Straßenbauer irgendwo in seinem Gebiet hat. Sie kommt einfach nicht zustande. 20-jähriges Planungsjubiläum feiert das Projekt 2012. Jahre, in denen mal eine Ampellösung, dann wieder ein Kreisverkehr favorisiert wurde. Jahre, in denen es kein Geld gab und dann wieder die Planung veraltet war.

Unerwartetes Geld

„Das ist die Baustelle, die ich sehr, sehr gern gebaut hätte“, sagt er. Ausgerechnet am Konjunkturprogramm ist das Vorhaben 2009/ 2010 im letzten Moment gescheitert, obwohl Wohsmann die Bauerlaubnis des Grundstückseigentümers gerade in der Tasche hatte und glücklich war. Plötzlich gab es unerwartet Geld, aber nur für angefangene Bauvorhaben. Keine neuen Baubeginne – das war die Bedingung des Bundes. So fiel der Mühlbacher Kreisel wieder hinten herunter.

Dabei wäre der Bau mit 700000Euro bei einem Gesamtetat von 60 bis 80 Millionen so gut wie nicht ins Gewicht gefallen. Mühlbach war der Preis dafür, dass so viel anderes mit dem Kojunkturgeld gebaut werden konnte. Und der gestrichene Ausbau der B101 am Großenhainer Flugplatz? Der war der Preis dafür, dass der zweite Bauabschnitt der B98-Ortsumfahrung früher kam. Entweder sofort zugreifen und die zehn Millionen für die B 98 nehmen oder erneut Jahre warten.

Denn Baurecht gibt es für die B101. Das war die Alternative, so Wohsmann. Dass das aber so flugs möglich war, liegt an einem Gespräch, das der Straßenbauamtschef mit OB Burkhard Müller und Stadtbaudirektor Tilo Hönicke in seinem Amtszimmer in Meißen geführt hat. Wo muss jeder zurückstecken, damit wir schnell das Baurecht bekommen, hieß die Frage. Eine völlig neue Erfahrung für Wohsmann in seiner Amtszeit. So kam der Kompromiss zum Folberner Kreisel zustande und so wurde die Planung zügig genehmigt. Dinge zu beginnen sei für ihn inzwischen einer der wichtigsten Maximen geworden, sagt Wohsmann. „Wenn ich mir vorher überlegt hätte, was noch alles fehlt, hätte ich nie angefangen“, blickt er zurück. Im April 2012 wird die Ortsumfahrung freigeben. Wohsmann hat alle wichtigen Planungsschritte begleitet. Das schafft mancher Behördenchef in diesem Land in seinem ganzen Berufsleben nicht.

Angefangenes wird auch fertig

Angefangene Baustellen werden auch fertig, das ist seine Erfahrung. Deshalb überlegen Wirtschaftsministerium und Bund auch ganz genau, welche Maßnahme überhaupt begonnen wird.

„Wir wissen doch genau, ob die ganze Gemeinde dahinter steht oder nicht“, zieht er Fazit von unzähligen Versammlungen und Gesprächen. Wie alles wird, hängt von der Konkurrenz der Straßenbauprojekte untereinander ab. Holger Wohsmann wird manches seinem Amtsnachfolger Klaus-Peter Lechler mit auf den Weg geben, so wie den Mühlbacher Kreisel.

Er selbst wechselt am 2. Januar 2012 nach Dresden auf die Bautzner Straße in die neue Superbehörde aus fünf Straßenbauämtern und dem Autobahnamt Sachsen, die der Landesdirektion angegliedert werden. Dort wird er Abteilungsleiter Planung und Bau für ganz Sachsen. Der Mann hat die Ruhe und Übersicht dafür.