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Der Osterhase auf Bahntour

Ines Heinrich arbeitet im Büro der Eisenbahngesellschaft. Zu Ostern wechselte sie ihre Dienstuniform.

Von Maik Brückner

Ein Gewusel am Bahnsteig im beschaulichen Malter. Der Osterhase steigt aus dem Zug. Vor ihm, neben und hinter ihm drängeln sich viele Kinder. Alle wollen mit dem Osterhasen aufs Bild. Die Kleinen sind aufgeregt. Ines Heinrich hingegen bleibt gelassen. Die hochgewachsene 41-Jährige steht im Osterhasenkostüm und lächelt. Sie hat die Ruhe weg. Normalerweise arbeitet die gelernte Schaffnerin in der Verwaltung der Sächsischen Dampfeisenbahn-Gesellschaft, zu der die Weißeritztalbahn gehört. Dort kümmert sie sich um die Reparaturen von Gleisen. Steht Ostern vor der Tür, holt sie ihr Kostüm hervor, schminkt sich und setzt sich als Maxi Möhre in den Osterhasenexpress der Weißeritztalbahn. Heute bereits zum fünften Mal.

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Nachdem die 300 großen und kleinen Osterausflügler den Zug verlassen haben, führt Ines Heinrich sie zum Strandbad Malte. Drei Minuten später stehen alle auf der Wiese. Dicht umringt gibt die 41-Jährige aus dem Triebischtal den Startschuss zum Osternestsuchen. Sofort schwärmen die Kinder aus, suchen hinter Bäumen und Hecken nach den Beutelchen, in die die Bahngesellschaft Schokolade, Gummibärchen und Stempel packen ließ. Die Eltern stehen etwas abseits und schauen zufrieden zu. Maxi Möhre hat eine kurze Verschnaufpause. Doch die dauert nicht lange. Schon kommen die ersten Kinder wieder auf sie zu. Auch Lea-Jolie ist mutig. Die Zweijährige tritt vorsichtig für ein Foto an Ines Heinrich heran. Mama Maria Laudon zückt ihr Smartphone und drückt ab.

Ines Heinrich geht zu ihren Kolleginnen Sandy Wels und Christina Stumpe. Die haben heute früh ein kleines Zelt, Tische und Bänke aufgebaut und laden die Kinder zum Basteln, Malen und zum Quiz ein. „Wer die beiden Fragen richtig beantwortet, kann eine Familienkarte fürs Verkehrsmuseum gewinnen“, sagt Sandy Wels. Doch die meisten wollen lieber malen oder einen kleinen Korb aus Papier basteln. „Wir haben Glück mit dem Wetter“, sagt Ines Heinrich. Zwar lacht die Sonne nicht durchweg. Doch es bleibt trocken. „Im letzten Jahr lag noch Schnee“, erinnert sie sich. Das war nicht gerade sehr einladend. Heute aber passt alles. Schon am Bahnhof in Freital-Hainsberg ist diese ausgelassene Stimmung zu spüren gewesen.

Kurz nach 10 Uhr sind alle reservierten Plätze besetzt. Im letzten Waggon hat es sich Familie Rolle aus Burgstädt bei Chemnitz gemütlich gemacht. Sie will ihre Oma in Malter besuchen. Na ja nicht ganz, denn Oma Jenny Lenk sitzt daneben. „Mit der Weißeritztalbahn fahren wir sehr oft, mit dem Osterhasenexpress sind wir aber noch nie mitgefahren“, sagt die 54-Jährige. Das habe sich noch nicht ergeben. Das musste nachgeholt werden. Denn die Rolles, aber auch die Großeltern sind echte Eisenbahnfans, sie engagieren sich im Lohmener Feldbahnverein. Als die Frau im Kostüm zusteigt, schaut Jana Rolles Sohn Adrian etwas überrascht auf. Schüchtern pirscht er sich heran und bekommt von Ines Heinrich ein Stück Schokolade.

Seine Schwester Lena steht noch bisschen abseits, gesellt sich etwas später auch dazu. Jana Rolle holt den Fotoapparat raus und drückt ab. „Kleine Kinder haben meist keine Angst, wenn ich im Hasenkostüm vor ihnen stehe“, sagt Frau Heinrich. Auch die Großen haben keine Scheu. Nur bei den Drei- bis Vierjährigen kann das etwas anders sein. Die sind froh, dass die Eltern in der Nähe sind. Die kleine Elisa aus Hänichen macht da eine Ausnahme. Sie winkt dem Osterhasen zu, als sie ihn im Nachbarwagen sieht. „Ich habe heute Geburtstag, ich bin drei Jahre alt geworden“, verrät sie. Ein Grund mehr für Ines Heinrich, beim nächsten Stopp den Waggon zu wechseln. Elisa sitzt erwartungsfroh auf der Bank. „Hallo Osterhase“, sagt sie mit einem einnehmenden Lächeln. Auf dem Kopf trägt sie eine Mütze, die auch dem Osterhasen gefällt. „Sieht aus wie eine Erdbeere, stimmt‘s?“, sagt die Kleine. Und der Osterhase nickt. Elisas Omas und Opas sitzen in den Nachbarbänken und verfolgen das Geschehen. Auch ihre Mutter, Claudia Richter, lächelt und ist stolz auf ihr aufgewecktes Töchterchen.

Ines Heinrich ist zur nächsten Familie weitergegangen. Auch hier freuen sich die Kinder über den Besuch. Der fünfjährige Jannick steht plötzlich auf und umarmt den Osterhasen. Seine Eltern und Großeltern staunen, Ines Heinrich auch. „Na, der hat seinen ganzen Mut zusammengenommen“, sagt sie später beim Stopp in Seifersdorf. Zwei Minuten später fährt der Zug aus Dipps ein. Auch dort steigt ein Osterhase aus. Ines Heinrich läuft auf ihn zu, begrüßt ihn. Einige sind schnell und fotografieren das Osterhasentreffen. „Das ist meine Nachbarin Janett Reuter“, sagt Ines Heinrich später. „Vor ein paar Jahren habe ich sie gefragt, ob sie aushelfen kann.“ Konnte sie. Seither sind beide Frauen als Osterhasen unterwegs. „Die Arbeit mit Kindern macht mir Freude“, sagt Ines Heinrich. Deshalb hat sie auch kein Problem, am Feiertag zu arbeiten. „Für eine Eisenbahnerin ist das kein Thema“, sagt sie.