merken
PLUS

Der Requisiten-Tischler

André Hauswald aus Frankenthal werkelt mit Kindern – gerade für eine Musicalaufführung. Er holt dabei auch Versäumtes nach.

© Regina Berger

Von Constanze Knappe

Von klein auf wollte André Hauswald Tischler werden – und nur das. Heute kann er im Traumjob nicht mehr arbeiten. Heute bringt er im Ehrenamt Frankenthaler Grundschülern bei, was man aus Holz so alles machen kann. Gerade baute er mit ihnen Kulissen für ein Weihnachtsstück. Holz fasziniert André Hauswald schon immer. Sein Großvater war Zimmermann, baute Treppen. So kam der Enkel beizeiten mit Holz in Berührung und wurde Tischler. Seine Liebe zum Holz gibt der 50-Jährige im Ganztagsangebot „Kleine Handwerker“ an der Evangelischen Grundschule weiter. Was es den Kindern und ihm selbst bringt, erzählt er im SZ-Gespräch.

Anzeige
Ihre Berufserfahrungen sichtbar machen
Ihre Berufserfahrungen sichtbar machen

Der neue „ValiKom Transfer“ - Alle Verfahren der IHK Dresden und Handwerkskammer Dresden wurden bisher erfolgreich beendet!

Hallo Herr Hauswald, wie geht’s?

Mal so, mal so. Nach einer schweren Krebserkrankung und deren Folgen bin ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen. Da ist nicht jeder Tag wie der andere.

Und dennoch leiten Sie die kleinen Handwerker in der Grundschule Frankenthal an. Wie kam es denn dazu?

Es hat sich wohl im Dorf herumgesprochen, dass ich in meiner Werkstatt zu Hause für Verwandte und Freunde Schwibbögen und Dekorationsartikel baue. Die Horterzieherin Sylke Boden sprach mich im Sommer an, ob ich nicht Lust hätte, die „kleinen Handwerker“ anzuleiten.

Offenbar hatten Sie Lust?

Ja, obwohl es neu für mich ist. Ich habe in meinem Berufsleben Möbel gebaut und hatte auch als Bautischler auf Baustellen zu tun. Aber Kindern die Arbeit mit Holz beizubringen, das ist dann doch etwas ganz anderes. Ich war neugierig und habe mich darauf eingelassen. Seit Beginn des Schuljahres war ich jeden Donnerstagnachmittag mit 13 Kindern der zweiten bis vierten Klasse im Werkraum. Es macht mir Spaß und ich komme wieder unter Leute. Denn arbeiten gehen kann ich nicht mehr.

Demnach vermissen Sie Ihren Job?

Sehr sogar. Ich würde lieber den ganzen Tag in der Tischlerei an der Maschine stehen oder in Handarbeit herumfriemeln. Aber aus gesundheitlichen Gründen ist das einfach nicht mehr möglich.

Was haben Sie mit den Kindern gebaut?

Zuerst einen Serviettenstern als Tischdekoration. Das ist von den Kindern gut zu bewältigen. Sie kriegen dabei ein Gefühl für das Laubsägen. Mit Pauschpapier und Schablonen haben sie die Konturen auf das Holz übertragen und die Teile dann ausgesägt. Die Rohlinge habe ich zu Hause geschliffen, damit die Kinder nicht die Geduld verlieren. Andere Teile wie eine Ampel, die man ins Fenster hängen kann, haben die Kinder dann noch angemalt.

Wer ist geschickter, Jungen oder Mädchen?

Das kann man nicht sagen. Manche Kinder sind sehr geschickt, anderen fällt es schwerer. Man merkt, wenn jemand zu Hause mit Vati oder Opa in der Werkstatt hantiert. Diese Kinder kennen schon die Werkzeuge. Die Mädchen arbeiten mit der Laubsäge gewissenhafter. Jungs würden am liebsten nur Schwerter bauen oder Schiffe mit Kanonen. Das geht natürlich nicht.

Aber Sie haben doch Schwerter gebaut?

Ja, drei Stück und einige Messer. Gedacht sind sie als Requisiten für das Weihnachtsmusical. Deshalb haben wir auch noch Schilde, Laternen und Steckenpferde gebaut. Extra dafür hatten sich einige Kinder gemeldet, die sonst nicht in der AG mitmachen. Wir haben alle Teile ausgesägt, geschliffen und bemalt. Einige Pferde haben goldene Mähnen. Mit den Requisiten sind wir rechtzeitig fertig geworden. Seit Wochen wird in der Schule für das Musical geprobt. Die Kinder sind schon ziemlich aufgeregt vor der Aufführung am Mittwoch.

Welches Material nutzen Sie?

Pappelsperrholz, das ist weich und lässt sich leicht bearbeiten. Da müssen sich die Kinder nicht gar so anstrengen.

Wie kommt das Ganztagsangebot „Kleine Handwerker“ bei den Kindern an?

Den meisten gefällt es, weil sie selber ausprobieren können, wie man dieses oder jenes herstellt. Einige helfen anschließend beim Aufräumen. Das ist aber nicht für alle Kinder selbstverständlich.

Wie fühlen Sie sich in Ihrem Ehrenamt?

Den Kindern zu zeigen, wie dieses und jenes in der Tischlerei funktioniert, das ist nicht schlecht. Aber ehrlich gesagt, Pädagoge möchte ich nicht sein. Es ist anstrengend, alle Kinder unter einen Hut zu bringen. Nicht immer arbeiten alle konzentriert mit. Mir macht es aber Spaß, weil man sieht, was man geschafft hat.

Jetzt pausieren die kleinen Handwerker. Welche Pläne gibt es für 2014?

Wir haben ein Spielhaus von zwei Mal zwei Metern für die Schule angefangen. Außerdem wollen wir kleine Holzengel und Dekoherzen aus Holz basteln.

Haben Sie mit Ihren eigenen Kindern auch so gewerkelt?

Leider nicht. Als meine Kinder in dem Alter waren, war ich auf Montage, habe zum Beispiel auf Regierungsbaustellen in Berlin gearbeitet. Da blieb einfach keine Zeit, zu Hause mit den Kindern in der Werkstatt etwas zu bauen. Das bedaure ich.

Konnten Sie ihnen wenigstens das Interesse für Holz weitergeben?

Beide haben nichts mit Holz zu tun, gehen ihren Weg. Darauf sind meine Frau und ich sehr stolz.