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Der Retter des Vogelschießens

Vogelbauer Michael Vetter in Reinersdorf ist nun in Rente. Würde ein Blochwitzer sein Werk nicht weitermachen, würde der Spaß vielerorts ausfallen.

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Mirko Fiedler (35) hat in Blochwitz den Bau der Vögel fürs Vogelschießen übernommen. Die Saison geht bis in den September.
Mirko Fiedler (35) hat in Blochwitz den Bau der Vögel fürs Vogelschießen übernommen. Die Saison geht bis in den September. ©  Anne Hübschmann

Blochwitz. Auch in Blochwitz ist das Vogelschießen alljährlich ein dörfliches Gaudi. Vor zwei Jahren schon hörte Mirko Fiedler vom Blochwitzer Gesellschaftsverein, dass Vogelbauer Michael Vetter in Rente geht. Wer sollte das Bauen der bunten Holztiere aus 48 Teilen fortsetzen? 

Mirko Fiedler als gelernter Konstruktionsmechaniker hatte Lust dazu. Als sich der Reinersdorfer Vogelbauer zu Jahresbeginn mit 65 Jahren tatsächlich in den Ruhestand verabschiedete, rief der Blochwitzer an und meldete sich als Nachfolger. Mittlerweile baute der Vater zweier Kinder schon neun Holz-Vögel.

Ganz baugleich sind Fiedlers Tiere zu den Reinersdorfern allerdings nicht. Sie haben oben sechs Federn statt sieben. Auch das Wappen ist nicht ganz so geschwungen wie das von Vetter. „Es wird von Stobadruck in Lampertswalde hergestellt“, sagt Mirko Fiedler. Auch Zepter und Reichsapfel weisen einen eigenen Stil auf. Während Flügel, Schwanz und Hals aus Fichten- oder Tannenholz gefertigt sind, bestehen Wappenbrett, Beine, Zepter und Apfel aus Kiefernholz. Das Material dafür besorgt sich Mirko Fiedler aus dem Baumarkt.

Der Blochwitzer, der aus gesundheitlichen Gründen seine jetzige Arbeit als Busfahrer aufgeben musste, hat nicht nur ein Nebengewerbe für den Vogelbau angemeldet. Er musste sich auch sämtliche Werkzeuge neu zulegen: Bandsäge und Tischkreissäge, Dickenhobel und Verleimpresse. 

„Das Teuerste aber waren die Armbrüste“, sagt Mirko Fiedler. Während Michael Vetter selbstgebaute Waffen mit auslieferte – und das nun nicht mehr tut – hat sich der Blochwitzer neue Armbrüste als Sportgeräte zugelegt, neun zum manuellen Spannen und zwei mit Spannautomaten. 

„Der Schießstandsachverständige von Sachsen war bei mir und hat extra alle Armbrüste abgenommen“, erklärt der Vogelbauer. Sie seien sicherer als die alten, weil sich nach dem Spannen sofort ein Mechanismus einschaltet, der vor dem Schießen manuell ausgeschaltet werden muss. 

Geschossen werden signalrote 19-Millimeter Bolzen statt Pfeilen wie bei Michael Vetter. Deshalb liegt die vorgeschriebene Entfernung der Schützen mit Fiedlers Armbrüsten nun auch bei 16 Metern. Vorher waren es neun bis zwölf Meter. „Das ist noch nichts für Kinder, aber ich arbeite daran“, so Fiedler.

155 Euro Ausleihgebühr verlangt der neue Vogelbauer. Plus fünf Euro für die Armbrust. Das Geld verwendet der Blochwitzer dafür, dass nach drei Ausleihen eine neue Sehne in die Armbrust eingezogen werden kann. Alle, die Vogel und Armbrüste bei ihm abholen, lässt Mirko Fiedler einen Probeschuss absolvieren – sicherheitshalber. Und er gibt zu, dass das Bruststück, dessen Abschuss den Schützenkönig bestimmt, eine Sollbruchstelle hat, damit es tatsächlich auch zu Bruch geht. Mindestens drei Stunden soll das Herunterholen der 48 Einzelteile aber dauern.

Neun Vögel hat Mirko Fiedler schon gebaut, unter anderem auch für Weixdorf, Langebrück oder Steinbach. „Viele bestellen gleich wieder fürs nächste Jahr“, weiß der Blochwitzer. Sie freuen sich, dass die Tradition fortgesetzt wird. In Reinersdorf waren drei Generationen mit dem Vogelbau beschäftigt. Auch für September stehen noch 12 Tiere in Fiedlers Kalender. Pro Jahr können es bis zu 150 Aufträge werden.

Kontakt: 0172 2432643