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Der schmerzhafte Görlitzer Schilderwald

Seit Monaten stoßen sich Bürger den Kopf an einem Verkehrsschild ein. Es hängt einfach zu tief. Dabei gibt es dafür eine Bundesvorschrift.

So sah es auf der Krölstraße aus. Der Stein des Anstoßes: Das Verkehrsschild "Vorsicht, Radfahrer kreuzen die Straße".
So sah es auf der Krölstraße aus. Der Stein des Anstoßes: Das Verkehrsschild "Vorsicht, Radfahrer kreuzen die Straße". © Sebastian Beutler

Görlitz ist eine sehens- und bestaunenswerte Stadt. Wer wüsste das nicht. Die Scharen von Touristen, die ihre Köpfe in der Altstadt in den Himmel strecken, um auch noch das letzte Detail einer Fassade zu erkennen, haben schon des Öfteren für Aufsehen gesorgt. Meist umkurven die Einheimischen die Gäste freundlicherweise - als kleine Geste fürs Kommen und das Interesse oder weil es einfach schneller geht.

Andernorts in der Stadt sollte man nicht ganz so gedankenverloren durch die Straßen ziehen. Die haufenweise verteilten Hinterlassenschaften der Hunde machen das Gehen vor allem in der Gründerzeitstadt zum echten Hindernis-Parcours. Seit Jahren.

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Doch seit einigen Monaten gab es eine weitere Hürde zu meistern. Während die Hundehaufen eine eklige und stinkige Angelegenheit sind, ist diese Hürde eher von schmerzhafter Natur.

Als ein neues Straßenschild für den Kreisverkehr an der Bahnhofstraße/Krölstraße genau gegenüber der Görlitzer Berufsfeuerwehr auf der Krölstraße aufgestellt wurde, musste ein anderes weichen: Vorsicht, Radfahrer kreuzen die Straße, lautet es. Doch es gab keinen geeigneten Mast in der Umgebung, so wurde das Schild einfach unter das große Kreisel-Schild angebracht. Die Folge: Für Normalbürger hängt das Schild in Kopfhöhe. 

Und wer nun tief in Gedanken versunken ging oder einfach mit den Augen das Trottoir nach dem nächsten Hundehaufen absuchte, der - ja der machte mit dem Blech seine schmerzhafte Begegnung. Und je nach gegenseitiger Beschaffenheit klang das ungeplante Aufeinandertreffen mal eher hell oder eher dumpf.

Das dürfte eigentlich gar nicht sein. Denn nach einer speziellen, bundesweit einheitlich geltenden Verwaltungsvorschrift  müssen zwischen der Unterkante des Schildes und dem Gehweg 2,20 Meter Abstand sein. Dadurch sollen Verletzungen verhindert werden. Zugleich ist das Straßenschild auch nur in einer gewissen Höhe für die Verkehrsteilnehmer gut zu erkennen. Mit anderen Worten: Nur dann erfüllt es seinen Zweck.

Das aber ist hier nicht der Fall, weswegen auch den verträumten Bürgern gar kein Vorwurf zu machen ist. Von wegen: Das Schild ist groß genug, da müsst Ihr halt aufpassen. Das sollten sie sowieso, aber in dem Fall ist das Rathaus am Zug.

Und das hat die Stadt auf eine Anfrage der SZ hin nun auch ohne Wenn und Aber eingeräumt und will handeln. "Die falsche Aufstellung wird umgehend korrigiert", erklärte eine Sprecherin gegenüber der SZ. Und zeigt damit Größe: Die Stadt macht ihren Fehler wieder gut. Nun können sich die Fußgänger auf der Krölstraße wieder ganz und gar auf die Hundehaufen konzentrieren. Denn dagegen ist - trotz aller Bemühungen - nicht so schnell ein Kraut gewachsen.

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