merken
PLUS

Der schwache Dritte hat das Nachsehen

SZ-Redakteurin Juliane Richter über die Rolle der Ostrale im Ostragehege

© Thomas Lehmann, Sven Ellger

Die Entscheidung von Dynamo Dresden, das Trainingsgelände im Ostragehege zu bauen, war eine positive Initialzündung für das gesamte Gebiet. Einerseits sind die Flächen nun offenbar attraktiver für andere Investoren, andererseits gab es hier trotz knapper werdender Flächen im Dresdner Stadtgebiet noch Potenzial. Unternehmer Thomas Bohn hat das erkannt und die Fettschmelze, den Amtsschlachthof, das „Gelbe Haus“, ein kleines Gebäude sowie große Freiflächen erworben. Dass Bohn die Häuser denkmalgerecht sanieren will, ist für das Ostragehege, das lange in einem Dornröschenschlaf gefangen war, ein Glücksfall.

Weiterführende Artikel

Das passiert jetzt alles im Dresdner Ostragehege

Das passiert jetzt alles im Dresdner Ostragehege

Dynamo-Trainingszentrum, Messeerweiterung, neue Eventlocation. Wer‘s macht und wer dahintersteckt.

Kritisch ist jedoch der von Bohn unterschriebene Kaufvertrag für die Futterställe zu betrachten. Einstimmig hatte sich der Stadtrat im November 2016 dafür ausgesprochen, dass die Ostrale weiterhin dort ausgerichtet werden soll. Das geforderte Konzept wurde erarbeitet. Doch seitdem ist nichts passiert. Die Fraktionen haben es versäumt, den Millionenbetrag für die notwendige Sanierung in einen der Doppelhaushalte einzuplanen. Die Verwaltung scheint das Problem seit Jahren auszusitzen. Vielleicht liegt es daran, dass die Ostrale oft als unbequemer Gesprächspartner daherkommt. Oder auch, weil sie das Gelände seit mehr als einem Jahr nutzt, obwohl sie keinen gültigen Mietvertrag mehr hat und nichts dafür zahlt. Der Stadtratsbeschluss von 2016 ist dennoch gültig. Nach ihm muss sich die Verwaltung richten. Durch den Kaufvertrag für die Futterställe wird jetzt Druck aufgebaut – und werden womöglich bald Tatsachen geschaffen. Die Ostrale-Macher haben nun einmal eine schwache Verhandlungsposition. Sie dürfen aber nicht das Nachsehen haben, wenn eine demokratisch getroffene Entscheidung einfach vergessen wird.

Mail an SZ-Redakteurin Juliane Richter