merken
PLUS

Der Traum vom Eigenheim

Wie Hans-Georg Seeber in Zittau wollen viele ins eigene Haus. Wenig bebaute Gebiete füllen sich, neue sind geplant.

© www.foto-sampedro.de

Von Jan Lange

Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Hans-Georg Seeber fühlt sich wohl in seinem Eigenheim. Bereits vor zehn Jahren entschied sich der heute 69-Jährige, sein eigenes Haus in der Siedlung „An der Mandau“ zu bauen. Nach dem Abriss des früheren Textilwerks sind nur wenige Einfamilienhäuser errichtet worden, der Standort befand sich jahrelang in einer Art „Dornröschenschlaf“. Inzwischen hat ein regelrechter Bauboom eingesetzt. Auch wenn auf der riesigen Infotafel am Eingang zu der Zittauer Eigenheimsiedlung noch mit großen Buchstaben „Zu verkaufen“ steht, gibt es gar nicht mehr so viele freie Grundstücke. Aktuell sind nur noch fünf Parzellen frei, wie Steffen Hallmann, Geschäftsführer der Eureka Grundbesitz GmbH, mitteilt. Seit der Übernahme des Standorts durch Eureka im Juni 2014 sind laut Hallmann etwa 22 Baugrundstücke verkauft worden. Neu gebaut wurden mittlerweile gut ein Dutzend Häuser. „Weitere werden in diesem Jahr sicher fertiggestellt beziehungsweise begonnen“, ist sich der Geschäftsführer des Leipziger Immobilienunternehmens sicher.

Auf einer Infotafel wirbt der Eigentümer immer noch für den Verkauf von Flächen.
Auf einer Infotafel wirbt der Eigentümer immer noch für den Verkauf von Flächen. © Matthias Weber

Die Nähe zum Zittauer Stadtzentrum sei einer der Gründe gewesen, sich für die Eigenheimsiedlung an der Weststraße zu entscheiden, berichtet Hans-Georg Seeber. Er habe sich auch andere Standorte angesehen – unter anderem in Eichgraben. Hier sei aber die Verkehrsverbindung in die Stadt schlechter gewesen.

Beim aktuellen Eigenheim-Boom scheint das kein Argument mehr zu sein. Denn auch Eichgraben profitiert von dem positiven Trend. Zwischen den Jahren 2000 und 2017 sind gerade mal sechs Eigenheime auf den insgesamt 22 Grundstücken errichtet worden. Auf den freien Flächen wucherte jahrelang das Gras. Aber nicht mehr lange. Bereits im Vorjahr ist ein neues Eigenheim gebaut worden, dieses Jahr sollen weitere folgen. Und damit ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. „Zwei Parzellen sind gegenwärtig durch Kaufvertrag beziehungsweise durch den Stadtratsbeschluss gebunden“, sagt Zittaus Stadtsprecher Kai Grebasch. Eine weitere konkrete Anfrage gebe es nach seinen Worten seit der letzten Beschlussfassung. „Die bereits länger angefragten zwei Grundstücke sind noch nicht in dem Stadium des Verkaufes, da die Interessenten sich zum Beispiel auch noch nach anderen Alternativen umsehen“, fügt Grebasch hinzu.

Der Trend nach oben ist aber nicht nur den derzeit niedrigen Zinsen geschuldet. Die Stadt Zittau sorgt mit der Lockerung von Gestaltungsvorgaben selbst für eine größere Nachfrage nach bisher eher leeren Eigenheimstandorten. Nachdem beispielsweise in Eichgraben die Vorschriften zur Dachform oder Hausgröße verändert wurden, interessieren sich vermehrt Häuslebauer für den Standort. Ähnliches erhofft sich die Stadt auch für die Eigenheimsiedlung „Untere Dorfstraße“ in Hartau, für die ebenfalls die Gestaltungsvorgaben gelockert wurden. Und auch für den Standort Weststraße ist eine Änderung des bestehenden Bebauungsplans vorgesehen, wie Grebasch bestätigt. Der Technische und Verwaltungsausschuss hat bereits im April vorigen Jahres beschlossen, für aktuelle Bauvorhaben Befreiungen von den Festsetzungen im Bebauungsplan zu erteilen.

Der Eigenheim-Boom ist aber nicht nur in Zittau zu spüren. Auch umliegende Gemeinden profitieren davon. So wurde auch in Oderwitz im Jahr 2017 verstärkt nach Eigenheimstandorten nachgefragt, wie Bürgermeisterin Adelheid Engel mitteilt. Dabei haben die potenziellen Häuslebauer unter anderem für Flächen im Gebiet „Eurostern“ neben dem Autohaus Körner Interesse gezeigt. „Deshalb plant die Gemeinde derzeit, eine Änderung des Bebauungsplanes für einzelne Flächen in diesem Mischgebiet für Wohnzwecke herbeizuführen“, sagt Frau Engel. 2017 wurden laut Oderwitzer Bürgermeisterin ebenfalls Wohnbauflächen an der Scheringer Straße erschlossen. Dort gebe es noch freie Baufelder.

Aber nicht nur bisher wenig bebaute Eigenheimsiedlungen füllen sich zunehmend, auch auf einzelnen Freiflächen entstehen immer wieder Einfamilienhäuser. So auch in Oderwitz. Diese Lückenbebauungen im Ort können aus planerischer Sicht als wertvoll bezeichnet werden, meint Frau Engel.

Auch in der Stadt Seifhennersdorf sind in den vergangenen Monaten gleich mehrere Bauanträge gestellt worden. „Boom würden wir das hier noch nicht nennen wollen“, sagt Bürgermeister Karin Berndt. „Aber man freut sich schon, wenn nach jahrelanger Stagnation, geprägt von Leerstand und Abriss – höchstens ein Hausneubau aller zwei Jahre – endlich wieder mehrere Bauanträge auf den Tisch kommen.“ Es seien alles Lückenbebauungen auf Flächen, die sich die Bauherren selber ausgesucht haben. Ein Haus auf der Warnsdorfer Straße befindet sich im Bau, vier weiteren Eigenheimanträgen wurde von der Stadt das gemeindliche Einvernehmen erteilt. „Uns freut, dass ein gestiegenes Interesse zu verzeichnen ist und hier steht auch noch viel Bauland zur Verfügung“, wirbt die Rathauschefin der Oberlandstadt. „Wir haben lange auf Zuzüge und Bauwillige gewartet und hoffen nun auf eine einsetzende Großstadtflucht.“

Der Eigenheim-Boom sorgt sogar dafür, dass wieder neue Baustandorte geplant werden. So hat der Schlegler Klaus Reepen Flächen des früheren Ritterguts im Ort ersteigert und will diese für den Bau von Einfamilienhäusern anbieten.

Hans-Georg Seeber findet es nicht schlecht, neue Nachbarn zu bekommen. Das Zusammenleben funktioniere gut, sagt der 69-Jährige, auch wenn der Kontakt jener Bewohner, die wie er schon vor Jahren an der Weststraße ihr Eigenheim gebaut haben, natürlich intensiver sei.