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Der verpackte Spiegelsaal

Das Aushängeschild des Rammenauer Schlosses wird zurzeit saniert. Das hat Folgen fürs Programm.

© Steffen Unger

Von Nicole Preuß

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Rammenau. Die Pracht ist nur zu erahnen. Die Spiegel sind durch mächtige Platten verdeckt, die Malereien schützen Folien und selbst der Kronleuchter wird von einer Plastiktüte umhüllt. Der Spiegelsaal im Barockschloss Rammenau ist zurzeit eine Baustelle. Die Spezialisten beschäftigen sich zwar nur mit dem Fußboden, doch alle anderen Schätze müssen ebenfalls geschützt werden. Die Fachleute wollen in den nächsten Wochen und Monaten die Fußbodenkonstruktion durch Stahlträger stärken und das aufgearbeitete Parkett auflegen.

Es wäre das Ende eines einjährigen Provisoriums. Im vergangenen Winter bauten Fachleute bereits das historische Parkett aus und setzten stattdessen Platten ein. Das Parkett wurde von einer Fachfirma in Kleinarbeit restauriert. Einfaches Aufarbeiten genügte nicht. „Das Parkett war in den 80er Jahren abgeschliffen worden und zu dünn“, sagt Schlossleiterin Ines Eschler. Also wurde es verstärkt. Der Maskenball, die Konzerte und auch die Hochzeiten konnten aber dank des provisorischen Fußbodens über das Jahr trotzdem in dem bekanntesten Teil des Schlosses gefeiert werden. Und nicht nur das. Das Schloss sah 2017 so viele Brautpaare wie lange nicht mehr. 62 Paare schlossen an elf Terminen den Bund fürs Leben. „Und es sieht ganz gut aus, dass es in diesem Jahr noch mehr werden“, sagt Schlossleiterin Ines Eschler.

45 500 Gäste wurden insgesamt gezählt. Sie besuchten das Schloss, die Ausstellungen, das Schlossrestaurant, den Park und die Veranstaltungen. So ist es auch zu erklären, dass 2017 gleich 3000 Gäste mehr erfasst werden konnten als noch im Jahr zuvor. Zu den Oberlausitzer Leinentagen allein kamen zum Beispiel auch wegen des guten Wetters gleich 1000 Besucher mehr.

Kinderfest statt Schlossrundfahrt

Die Rammenauer Leinentage sollen in diesem Jahr wieder am letzten Augustwochenende aufgelegt werden. „Wir wollen die Tage auf das Thema zurückführen“, sagt Ines Eschler. Wert soll auf hochwertige Produkte gelegt werden und die Modenschau. Die Schlossleiterin und ihr Team setzen aber auch darüber hinaus auf Bewährtes. So wird es zum Beispiel das Picknick in Weiß wieder geben, die Kochabende und den Gourmet-Brunch. Neu sind das musikalisch kriminelle Dinner (siehe unten) und Burgengeschichten von Stefan Jahnke. Junge Familien sollen zudem noch stärker in den Blickpunkt gerückt werden. So will das Schlossmanagement künftig zu den Konzerten im Spiegelsaal Kinderbetreuung anbieten. „Das bisherige Publikum ist überaltert, wir wollen jüngere Leute anziehen“, sagt Ines Eschler. Das Angebot soll Familien ansprechen, die gern etwas zusammen unternehmen wollen. Die Konzerte finden im Winter am Nachmittag und im Sommer am frühen Abend statt.

Ein großes Kinderfest ersetzt in diesem Jahr am 3. Juni die Schlossrundfahrt. „Wir wollen die Schlossrundfahrt nur noch aller zwei Jahre anbieten, im Wechsel mit Moritzburg“, sagt Ines Eschler. Der Reitverein Hufnagel unterstützt aber auch diese Veranstaltung, so dass Reiten und Kutschfahrten angeboten werden können.

Die Schlossgastronomie, die die größte im gesamten Sächsischen Schlösserland ist, wird weiter gestärkt. So soll nun im Küchen- und Servicebereich ausgebildet werden. „Die anderen Schlossbetriebe werden auch davon profitieren“, sagt Ines Eschler. Überhaupt will man mehr Unternehmen ins Schlossrestaurant holen, indem man Jahreskarten für 20 Euro anbietet. Unternehmer können damit mit ihren Geschäftspartnern in der Schlossgastronomie essen, normalerweise muss dafür auch Eintritt gezahlt werden.

Der Eintritt bleibt allgemein bei fünf Euro. Kinder im Klassenverband zahlen jetzt einen Euro, statt bisher 2,50 Euro. Die Schlossleitung will dafür noch mehr als bisher bieten. Der Park ist nach den Sturmschäden im vergangenen Jahr wieder zugänglich. Das Parkett im Gartensaal soll erneuert werden, der Jagdsalon wird komplett restauriert, und der Fußboden im Vasenzimmer ist schon erneuert. Der Maskenball im Winter wird in diesem Jahr wegen der Parkettarbeiten im Spiegelsaal ausfallen. Im September wird es allerdings einen Sommernachtsball geben, der auch teilweise draußen gefeiert wird. Der große Saal soll im April fertig werden. „Das muss er auch, wir haben Verträge und Hochzeitstermine“, sagt Ines Eschler. Einzig das Foyer ist dann noch nicht restauriert. Die Fachleute werden sich in dem Bereich aber Zeit lassen und die Besucher einbeziehen. Sie können den Restauratoren über die Schulter schauen und Fragen stellen.