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Der Wald muss dicht machen

Brandgefahr. Nach 19 Uhr darf in der Sächsischen Schweiz bis auf weiteres niemand mehr in den Wald. Nationalparkleiter Jürgen Stein sagt warum.

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Eine nächtliche Ausgangssperre für Waldbesucher – hat es das in der Sächsischen Schweiz je gegeben?

Es handelt sich ohne Zweifel um eine drastische Maßnahme, um die wir aber wegen der außergewöhnlich hohen Waldbrandgefahr nicht herum kommen. Nicht nur die nächtliche Sperrung ist etwas bisher nicht Dagewesenes, sondern auch die derzeitige Trockenheit.

Wie gefährlich ist die Lage?

Prekärer als im Jahrhundertsommer 2003. Nicht mal ein kurzer kräftiger Regen würde derzeit genügen, um die Situation zu entspannen. Schon der kleinste Funke kann einen Flächenbrand auslösen – wie am Wochenende im Nationalpark Böhmische Schweiz. Dort sind 25 Hektar Waldfläche Opfer der Flammen geworden.

Auf welche Bereiche der Sächsischen Schweiz genau bezieht sich die nächtliche Sperrung?

Der gesamte Wald im Nationalpark und im Landschaftsschutzgebiet ist für Besucher gemäß Waldgesetz ab sofort bis auf weiteres gesperrt – und zwar jeweils zwischen 19 Uhr und 6 Uhr am folgenden Morgen.

Das wird den Touristen und Bergsteigern nicht schmecken.

Angesichts der Sondersituation gehe ich von breitem Verständnis aus. Einen nächtlichen Waldbrand kann man nicht mehr bekämpfen und wir erleben nachts immer wieder Fälle von offenem Feuer im Nationalpark. Selbst eine Zigarette kann verheerende Folgen haben. Eigentlich müssten wir den Wald rund um die Uhr sperren, wie es anderswo in Sachsen der Fall ist. Aber wir haben uns im Interesse des Tourismus für einen Kompromiss entschieden.

Der lautet?

Tagsüber zwischen 6 und 19 Uhr bleibt der Wald für Wanderer und Touristen erlebbar. Sie dürfen sich allerdings nun auch im Landschaftsschutzgebiet nur auf Waldwegen aufhalten. Mit betroffenen Gastwirten und Betreibern anderer Einrichtungen werden wir zudem Ausnahmeregelungen treffen.

Und wer sich nicht an Wegegebot und Sperrstunden hält?

Der muss mindestens mit einem Platzverweis rechnen. Uneinsichtigen droht darüber hinaus ein Verwarnungsgeld.

Wann wird die Sperrung wieder aufgehoben?

Das hängt von der Witterung ab. Was wir brauchen ist eine deutliche Durchfeuchtung des Bodens und das geht nicht ohne länger anhaltende, flächenhafte Niederschläge.

Gespräch: Hartmut Landgraf