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Der Weltmeister-Besieger

Die Dresdner Schach-Legende Wolfgang Uhlmann feiert am Sonntag den 80. Geburtstag.

© dpa

Von Uta Büttner

Er gehört zu den hundert bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt Dresden und ist Synonym für das königliche Spiel im Osten Deutschlands: Wolfgang Uhlmann. Der Schach-Großmeister feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Bereits am Abend zuvor erwartet der Dresdner auf Einladung eines Privatsponsors neben zahlreichen weiteren Prominenten auch seinen Freund Eduard Geyer, den ehemaligen DDR-Nationaltrainer im Fußball. „Wir feiern in einem Restaurant in meinen Geburtstag hinein. Am Sonntag gibt es dann einen Brunch mit meinen Mannschaftskameraden und der Familie“, sagt Uhlmann.

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Tom Knobloch bleibt ein Eislöwe
Tom Knobloch bleibt ein Eislöwe

Das Personalkarussell bei den Eislöwen dreht sich weiter: Mit Tom Knobloch konnte ein weiterer Spieler in Dresden gehalten werden.

Dieses Foto zeigt den Dresdner im Jahr 1960 auf dem Amsterdamer Flughafen.
Dieses Foto zeigt den Dresdner im Jahr 1960 auf dem Amsterdamer Flughafen. © dpa

Im Alter von neun Jahren brachte ihm sein Vater das Spiel mit König, Dame, Springer und Co. bei. Nach Kriegsende erkrankte Wolfgang Uhlmann an Tuberkulose und musste ein Jahr im Sanatorium verbringen. „Die Krankheit wurde damals nur mit Essen und Liegen geheilt, Medikamente gab es keine“, erzählt er. In dieser Zeit studierte er zwei Bücher des russischen Schach-Weltmeisters Alexander Aljechin: „Ich konnte dann fast alles auswendig. Damit war ich meinen Altersgenossen natürlich ganz weit voraus und wurde nach diesem Jahr Dresdner Jugendmeister, dann Sächsischer und 1951 Deutscher Jugendmeister.“ Den ersten internationalen Erfolg feierte der Großmeister 1953 in Erfurt. 1956 wurde ihm der Titel „Internationaler Meister“ verliehen, drei Jahre später „Internationaler Großmeister“.

Der gelernte Buchdrucker widmete sich schnell seiner großen Liebe Schach. Ab 1960 bis zur politischen Wende hatte er einen Vertrag mit dem Bezirksverband Dresden. Dabei war er unter anderem mit der Schülerbetreuung beauftragt und habe natürlich dann genügend Zeit für sein Schachtraining gehabt.

Sowjets intervenierten für ihn

Der Altmeister wurde elfmal DDR-Titelträger, errang 36 internationale Turniersiege und gewann gegen fünf Weltmeister: Bobby Fischer, Michail Botwinnik, Wassili Smyslow, Viswanathan Anand und Alexander Khalifman. Seine größten Erfolge waren die Siege der Turniere 1964 in Havanna gemeinsam mit Smyslow und ein Jahr später mit Borislaw Iwkow vor dem Weltmeister Tigran Petrosjan in Zagreb. „Mein Schokoladenturnier war natürlich das Traditionsturnier im südenglischen Hastings, wo immer um die Jahreswende die Weltspitze antritt“, schwärmt er. Sechsmal trat Uhlmann an, dreimal triumphierte er. Stolz berichtet er: „Mein schlechtestes Resultat dort war der dritte Platz.“

1970 wurde er für den Wettkampf Sowjetunion gegen den „Rest der Welt“ nominiert. Damals begann bereits die Boykottierung des Schachsports und damit das Verbot zur Teilnahme an Weltmeisterschaften und Olympiaden durch die DDR-Sportführung. Erst aufgrund der sowjetischen Intervention durfte Uhlmann für die Weltauswahl antreten. Lediglich 1976 konnte der Schach-Großmeister noch einmal am Zonenturnier und anschließend am Interzonenturnier in Manila teilnehmen.

Dort infizierte sich Uhlmann mit einem Virus. „Zu Hause erkrankte ich schwer“, erzählt er. Die Lähmung eines Auges sowie der Beine waren die Folge. „Dies war natürlich nicht gerade förderlich für meine weitere Entwicklung“, fügt er hinzu.

Spezialist für die Eröffnung

Wolfgang Uhlmann gilt weltweit als Experte für die Schach-Eröffnung „Französische Verteidigung“. 1981 lud ihn deshalb Weltmeister Anatoli Karpow zur Vorbereitung auf seinen Herausforderer Kortschnoi ein.

Auch als Senior feierte Uhlmann noch Erfolge. So wurde er bei den Schach-Weltmeisterschaften der Senioren 1998 Zweiter und 1996 Vierter. 2001 sowie 2006 erkämpfte er den Deutschen Senioren-Meistertitel. Noch heute spielt der Jubilar, der vor sechs Jahren eine Krebserkrankung besiegte, höherklassig Schach – erst kürzlich in der 1. Bundesliga für die TU Dresden. „Auf Grund des Alters halte ich fünf Stunden Spielen konditionell nicht mehr durch. Natürlich ärgere ich mich dann, wenn ich verliere, aber ich kann auch verlieren“, kommentiert er seine Einsätze.

Nach wie vor liebt Uhlmann das königliche Spiel. „Leider wird dieser Sport in Deutschland etwas stiefmütterlich behandelt, obwohl es viele wichtige Eigenschaften zur Persönlichkeitsentwicklung wie Kreativität und Strategiedenken fördert.“ Ab und zu betreut der Dresdner auch heute noch Nachwuchstalente. Zwei von ihnen sind kürzlich Großmeister geworden, worauf er besonders stolz ist. Den Kontakt zu jungen Menschen genießt er besonders.

Im April wird sein neuestes Buch erscheinen. „Meine besten Partien“ ist der Titel und gleichzeitig sein Lebenswerk. „Daran habe ich über ein Jahr geschrieben. Es enthält viele Reiseberichte und Erlebnisse, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann. Unter anderem war ich 1964 in Argentinien. Dort kam als Erstes mein Gepäck abhanden, dann streikte die Post und dann auch noch der Atlantikflugverkehr. Ich war sechs Wochen weg, und meine Frau wusste nichts. Es gab noch keine E-Mail wie heutzutage“, berichtet er. Neben Analysen seiner besten Partien sind andere mitunter abenteuerliche Erlebnisse weitere lesenswerte Inhalte.