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Deutsch Ossiger Sportverein steht im Kunnerwitzer Exil gut da

Vor 20 Jahren begann der Bau der neuen Sportanlage. Dieses Wochenende wird dort gefeiert.

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Von Ingo Kramer

Auf die Zahlen kann Reinhard Donhauser stolz sein. Nur 496 Einwohner hat der Görlitzer Ortsteil Kunnerwitz, doch trotzdem zählt der mittendrin ansässige Sportverein Blau-Weiß Deutsch Ossig 261 Mitglieder. „Das war nicht immer so“, sagt der Vereinschef: „Bei der Neugründung nach der Wende waren wir gerade einmal 60 Leute.“ Seither sei die Zahl langsam, aber stetig geklettert – bis 2009. Da kamen durch die Aufnahme der Abteilung Fußball des Vereins Empor Görlitz auf einen Schlag 80 Spieler hinzu. Tatsächlich in Kunnerwitz zu Hause ist nur ein Bruchteil der 261 Mitglieder. Das aber ist nichts Neues: „Schon früher, als wir noch in Deutsch Ossig waren, kamen die meisten Spieler aus Weinhübel.“

Donhauser, der als Parteiloser auf der CDU-Liste kandidiert hat und sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag sitzt, ist bei Blau-Weiß ein Urgestein. Geboren 1944 in Deutsch Ossig, ist er schon seit 1958 Mitglied im Verein und seit 1988 dessen Chef. „Ursprünglich“, sagt Donhauser, „hat sich der 1907 gegründete Verein ausschließlich dem Radsport gewidmet.“ Das aber war vor seiner Zeit: Nach dem 2. Weltkrieg war kein Geld mehr für Fahrräder da. Stattdessen bekam der Verein bei der Bodenreform Land zugesprochen, auf dem ein Sportplatz gebaut werden konnte. Nun drehte sich alles um den Fußball. Andere Sportarten kamen später hinzu: Gymnastik und Tennis sind mittlerweile wieder eingeschlafen, Kegeln und Eisstockschießen haben Bestand. „Aktuell haben wir beim Kegeln drei Mannschaften im Punktspielbetrieb und beim Fußball sogar neun“, freut sich Donhauser.

Nicht minder zufrieden sein kann er mit den Bedingungen in Kunnerwitz: Vor fast exakt 20 Jahren, im Juli 1993, erfolgte hier der erste Spatenstich für die neue Sportanlage. Zuvor hatte der Verein nicht nur seine Trainingsstätten, sondern das ganze Dorf Deutsch Ossig an den Braunkohletagebau verloren. „Das war unsere schwerste Zeit“, so Donhauser. Heute ist die Anlage in Kunnerwitz, auch dank der acht geförderten Arbeitskräfte sowie der Hilfe des städtischen Betriebshofes, perfekt in Schuss. Und weil sich der Verein immer wieder um Fördermittel bemüht, kann er auch regelmäßig investieren. Voriges Jahr kam eine Überdachung für die Zuschauer hinzu, dieses Jahr eine neue Eingangskabine und eine VIP-Loge. Irgendwann muss auch das Dach des Vereinsheimes erneuert werden. Das alles funktioniere freilich nur, weil innerhalb des Vereins alle so engagiert mitziehen. Der Chef hebt den langjährigen Trainer und Technischen Leiter Rainer Starke hervor, aber auch die heutigen Abteilungsleiter. Und am Wochenende laden sie alle gemeinsam zum 17. Sommersportfest des Vereins nach Kunnerwitz ein.

Programm (Auszüge): Freitag, 17 Uhr, Fußball; 20.15 Uhr, Fassbieranstich; Sonnabend, 14 Uhr, Familientag und Fußball; 20 Uhr, Party im Festzelt; Sonntag, 10 Uhr, Würfel- und Volleyballturniere; Eintritt an allen drei Tagen frei