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Deutschland ist Weltmeister!

Nach einem Jahrzehnt tanzt sich wieder eine deutsche Formation zum Sieg. Eine Premiere voller Illusionen für Riesa.

Von Kevin Schwarzbach

Seit Samstagabend 23.21 Uhr blickt Deutschland wieder voller Stolz nach Limburg. Statt dem römisch-katholischen Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst ist nun die Showtanzformation „Ragazzi“ in aller Munde – zumindest in der Welt der Showtänzer. Denn sie ist Weltmeister. „Dieser Sieg ist überwältigend. Man sieht den Tänzern richtig an, wie viel ihnen der Titel bedeutet. Sie bekommen ja kaum ein Wort heraus“, freut sich auch Ralf Josat, Inhaber des Limburger Tanz-Centrum Josat-Dörr, in dem „Ragazzi“ trainiert, mit Blick auf die tränenverschmierten Gesichter der Tänzer. „Bereits bei der Deutschen Meisterschaft vor drei Wochen in Limburg konnte ich einige Späße in die Moderation einbauen. Mit diesem Sieg erfährt Limburg natürlich erst recht Aufwind“, witzelt Josat.

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Die kleine deutsche Gruppe „Accelerando“ stellt bei ihrer Aufführung lebhaft das Temperament eines bunten Vogels dar.
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Am vergangenen Samstagabend wurde die Showtanz-Weltmeisterschaftswoche in Riesa wie jedes Jahr mit einem eindrucksvollen Finale in der Erdgasarena abgerundet. Die besten Tänzer aus 34 Nationen rangen in den sechs Kategorien Solo männlich und weiblich, weibliches und gemischtes Duo und in den kleinen Gruppen sowie bei den Formationen um den Weltmeistertitel. Der Zuschauerandrang und die Begeisterung auf der Tribüne waren wieder einmal enorm.

„Unter der Woche durften wir bereits zahlreiche Zuschauer begrüßen, die sich die Vorrunden und Halbfinals angesehen haben“, erklärt Marko Drasdo, Pressesprecher der städtischen Förder- und Verwaltungsgesellschaft (FVG). Das Finale setzt jedoch noch einen drauf. „Die Erdgasarena ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. 4 000 Zuschauer sind zum Finale gekommen“, so Drasdo. „Das ist die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“, meint Michael Wendt, Vizepräsident der International Dance Organization (IDO) und Veranstalter der Tanz-WM, als er mit einem Quad in die Arena gefahren kommt. Und weil Wendt es hasst, Tänzer zu enttäuschen, schenkt er der russischen Gruppe Optima – die er durch einen Computerfehler am Vortag fälschlicherweise als Finalist verkündet hatte – vor Beginn der Finals noch einen Auftritt außerhalb der Wertung, damit die Tänzer wenigstens noch einmal die unglaubliche Atmosphäre vor dem Riesaer Publikum spüren.

Die kennt Coralle Versfeld aus Südafrika nur zu gut. Seit Jahren tanzt sie ganz oben in der Weltelite mit und tritt deswegen nicht zum ersten Mal auf der Riesaer Bühne auf. Doch in diesem Jahr gelingt ihr, was ihr letztes Jahr verwehrt blieb: Mit ihrem nachdenklichen Spiel der Gedanken erringt sie den Weltmeistertitel im weiblichen Solo. Es soll an diesem Abend nicht ihr letzter Titel bleiben. Sowohl mit der kleinen Gruppe der Südafrikaner als auch im gemischten Duo mit Bradley Peter ertanzt sie sich den Weltmeistertitel – ein traumhafter Abend für die junge Südafrikanerin. Doch als bereits die Vermutung aufkommt, dass diese Weltmeisterschaft komplett nach Südafrika geht, kommt der Italiener Antonio Sisca daher und verteidigt seinen Titel im männlichen Solo. Einen Titel gibt es auch für das weibliche Duo Toby Rubb und Emily Rodriguez aus Kanada. „Die Auftritte, die wir hier geboten bekommen, sind unglaublich beeindruckend. Ich bin immer wieder davon fasziniert, was die Tänzer leisten“, sagt Jørn Storbråten, Präsident der IDO. „Ich danke jedoch auch dem fantastischen Publikum. Was sie den Tänzern zurückgeben, ist wunderschön“, so Storbråten.

Was dann folgt, ist eine Show der Extraklasse. Die sechs Formationen tanzen ein Finale, bei dem es die Zuschauer nicht mehr in ihren Sitzen hält. Die Arena bebt. Im Mittelpunkt die Auftritte der deutschen Formationen „Ragazzi“ und „Jazz-Lights“ – die kurioserweise das gleiche Motto haben: Illusionen. Beide bieten eine impulsive Zaubershow dar, bei der den Zuschauern nicht nur einmal der Mund offen stehen bleibt. Gleich drei der sechs Finalisten kommen aus Deutschland. „Dass wir drei Formationen im Finale haben, die dann auch noch Erster, Zweiter und Vierter werden, ist wirklich eine Sternstunde für uns“, erklärt Ralf Josat, der auch Vorsitzender der deutschen Tanzorganisation TAF ist.

Nächstes Jahr fährt „Ragazzi“ dann als Titelverteidiger zur WM – nach Riesa. „Diese Veranstaltung ist einzigartig. Wir wollen die Tänzer auch in Zukunft wieder und wieder und wieder begrüßen“, so Marco Müller, Aufsichtsratvorsitzender der FVG.