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Dicke Luft in Herrnhut

Wegen zahlreicher Umleitungen fahren mehr Fahrzeuge denn je durch die Stadt. Das wird länger so bleiben als gehofft.

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© Matthias Weber

Von Anja Beutler

Herrnhut. Manchmal kommt es ganz dicke: Auf der Löbauer Straße quetschen sich die Laster durch Herrnhuts Enge. Nur das Rotlicht der Ampel stückelt die Blechschlange immer wieder und gibt Fußgängern eine Chance, rasch auf die andere Straßenseite zu huschen. In diesem Sommer quält sich eine Autolawine durch die Stadt, wie es die Herrnhuter lange nicht mehr erlebt hatten. „Der Grund sind die vielen Baustellen vor allem um Herrnhut herum“, erklärt Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) mit einem hörbaren Seufzer. Er persönlich hat noch gut in Erinnerung, wie ein dichter Verkehrsstrom vor der Eröffnung der neuen B178n im Herbst 2013 durch die Stadt rollte. „Derzeit ist es noch ein bisschen stärker als damals“, konstatiert Riecke. Denn wie ein Trichter münden spätestens seit Ferienbeginn alle Baustellen in der Region nach Herrnhut.

Ein entscheidender Punkt, warum auch der Brummi-Verkehr wieder in die Stadt eingezogen ist, sind die Arbeiten auf der S128 durch das Oderwitzer Königsholz. Zwischen der alten und der neuen B 178 ist demnach die gesamte Strecke gesperrt – damit ist auch die Ruppersdorfer Abfahrt der Schnellstraße nicht nutzbar. Viele Fahrer nehmen deshalb die alte Route. Eine Weile wird das auch noch so bleiben – sogar noch ein bisschen länger als geplant: Denn den eigentlichen Endtermin am 11. September werden die Bauarbeiter nicht schaffen. „Auf der S128 traten Probleme mit dem alten, in den 1970er Jahren verbreiterten Straßenunterbau auf. Das war durch die Voruntersuchungen nicht zu erkennen“, erklärt die Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Isabel Siebert. Deshalb muss diese Baustelle nun bis 30. September gesperrt bleiben. „Der Asphalteinbau soll in der letzten Augustwoche beginnen, stellt sie in Aussicht.

Immerhin liegen die Arbeiten an der alten B 178, die durch Herrnhut weiter in Richtung Großhennersdorf und Oberseifersdorf geht, im Plan. Hier war auch die hubbelige Kreuzung Richtung Oderwitz und Großhennersdorf erneuert worden. „Die Restarbeiten auf der B 178 werden bis zum 15. September erledigt. Hier liefen die Arbeiten recht planmäßig ab“, bestätigt Frau Siebert.

Dennoch bleibt es in Herrnhuts Mitte nun auch weiterhin eng. Da direkt am Zinzendorfplatz und unmittelbar neben der Straße gerade auch das neue Gymnasium gebaut wird, ist kaum Platz zum Ausweichen für all die vielen Fahrzeuge. „Gerade die großen Laster fahren dann vorsichtshalber langsamer, weil sie nicht sicher sind, wie viel Platz sie haben“, sagt ein Berufskraftfahrer, der regelmäßig durch Herrnhut muss. „Schwierig wird es auch, wenn sich Busse begegnen“, schildert er. Er habe gehört, die Fahrer informierten sich gegenseitig über Funk, damit sie besser ausweichen können.

Das kann der Chef der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG), Alfons Dienel so nicht bestätigen. Eng sei es schon in Herrnhut, gibt er zu. Aber viele Kollegen kennen die Stadt von ihren Fahrten und wüssten, dass es sich auch rasch einmal stauen kann und man nur langsam vorankommt. Mit dem Schülerverkehr laufe jedoch alles gut, bestätigt Dienel. Um die Kinder nicht in Gefahr zu bringen, hatten die Verantwortlichen der Evangelischen Zinzendorfschulen vorab genaue Pläne ausgetüftelt, wo die Schüler am gefahrlosesten einsteigen und wie genau der Schulweg dann trotz Baustelle aussieht.

Dass der tägliche Weg über die Straße für viele Einwohner und Touristen derzeit aber wieder ein bisschen mehr Geduld erfordert, ist nicht zu übersehen. Denn mal eben über die Straße huschen, geht bei dem derzeitigen Verkehr im Alltag kaum. Hinzu komme, so schildert der Leiter des Kultur- und Fremdenverkehrsamtes, Konrad Fischer, dass Touristen doch ziemlich ins Schwitzen kommen, um bei all den Baustellen den richtigen Weg zu finden.

Dass bei dieser Gemengelage der Landkreis Applaus von den Anwohnern erhalten hat, als er im Juli gleich mehrfach die Geschwindigkeit auf der Straße gemessen hat, ist nicht verwunderlich. Denn trotz der Enge hielten sich nicht alle Fahrer an die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer. „Von den Anwohnern haben wir eine sehr positive Rückmeldung, dies ist ja nicht immer so“, fasst Uwe Kaiser, Sachgebietsleiter der Kreis-Bußgeldstelle zusammen. Unter den 8 953 Fahrzeugen wurden damals 551 gemessen, die zu schnell waren. Der Spitzenreiter hatte statt 30 Stundenkilometern ganze 62 auf dem Tacho.