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Die 3D-Macher

In der Unibibliothek können Studenten Lasercutter und 3D-Drucker nutzen – zum Beispiel für Architekturmodelle.

© Ronald Bonß

Von Anna Hoben

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Als die Dresdner Frauenkirche zum ersten Mal gebaut wurde, dauerte dies 17 Jahre. Der Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war innerhalb von acht Jahren perfekt. Und an der TU Dresden wird das Gotteshaus gerade zum dritten Mal gebaut. Zeitpunkt der Fertigstellung: offen. Seit drei Jahren arbeitet der Maschinenbaustudent Franz Bilkenroth in seiner Freizeit an einer Miniaturausgabe der Frauenkirche. Ein 3D-Modell im Internet hatte ihn auf die Idee gebracht. „Ich habe schon mehrere Hundert Arbeitsstunden reingesteckt“, sagt der 25-Jährige. Wenn das Modell fertig ist, will er es seinen Eltern schenken, als Adventskalender.

Dass er sein Projekt so umsetzen kann, hat er dem 3D-Labor der Universität zu verdanken. Daniel Lordick, Architekt und heute Professor am Institut für Geometrie, hat es vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Wenn er angehende Architekten und Bauingenieure unterrichtete, störte ihn immer, dass der Weg in die Wirklichkeit nicht stattfand. Dass also Modelle nur im Computer dreidimensional waren, auf Papier aber zweidimensional. Also schaffte er einen 3D-Drucker an, für damals 40 000 Euro, außerdem einen Lasercutter. Nun konnten die Studenten ihre Modelle plastisch werden lassen – ohne stundenlang zu basteln, zu bauen und zu kleben. „Wenn Architekturstudenten ein Umgebungsmodell bauen, vertrödeln sie zum Beispiel furchtbar viel Zeit damit, mit einem Cuttermesser aus Pappe Bäume auszuschneiden“, sagt Lordick. „Dabei kann man das doch auch den Lasercutter machen lassen und währenddessen einen Kaffee trinken gehen.“ Die Studenten sahen das ähnlich. „Das Labor kam wahnsinnig gut an.“

3D-Druck gibt es schon seit drei Jahrzehnten. Doch erst als 2009 beim Drucken mit Kunststoff ein entscheidendes Patent auslief, ist dieses Verfahren zum Massenphänomen geworden – und ein Kunststoffdrucker inzwischen schon für rund 3 000 Euro zu haben. Jetzt hat Daniel Lordick, 48, eine Vision: „3D-Drucken soll für jedermann verfügbar werden, wie das gewöhnliche Drucken auf Papier.“ In der Küche fällt der Wasserkocher zu Boden, der Henkel ist ab. Statt sich zu ärgern und im Laden einen neuen Wasserkocher zu kaufen, besucht man die Webseite des Herstellers, druckt den Plan für das fehlende Teil aus und geht damit in den Copyshop. Dort druckt der freundliche Mitarbeiter mal eben den neuen Henkel aus.

Noch ist es nicht ganz so weit. Aber es werden immer mehr Schritte in diese Richtung gemacht. Einer ist der brandneue Makerspace in der Sächsischen Landes- und Unibibliothek (Slub). Makerspace – ein Ort für Macher. Der Keller am Institut für Geometrie war schlicht zu klein geworden für das 3D-Labor. Also stellte die Bibliothek einen Raum zur Verfügung. Am kommenden Freitag wird der Makerspace offiziell eingeweiht. Nach und nach sollen dafür noch mehr neue Geräte angeschafft werden, etwa eine Fräse und eine Tiefziehmaschine, mit der man Joghurtbecher und andere Verpackungen herstellen kann.

„Es ist etwas ganz Besonderes, dass eine Unibibliothek die Initiative ergreift und so etwas aufbaut“, sagt Lordick. Manche seien zunächst vielleicht irritiert: Was macht so ein Labor zwischen all den Büchern? Dabei ergebe das durchaus Sinn. Eine Bibliothek führt Wissen, und das brauchen nicht nur Juristen, Literatur- oder Wirtschaftswissenschaftler, sondern auch Maschinenbauer. „Sie haben ein anderes Wissen, eines, das vom Machen kommt“, so Lordick.

Wer den 3D-Drucker im Makerspace benutzt, der weiß zum Beispiel, dass er vom Prinzip her ganz ähnlich funktioniert wie ein herkömmlicher Tintenstrahldrucker. Nur dass das Wunschobjekt eben dreidimensional aus einem Gipspulver aufgebaut wird, Schicht für Schicht. Statt Tinte sprüht der Druckkopf ein Bindemittel auf das Pulver, es sorgt dafür, dass alles zusammenhält. Dann legt man das fertige Objekt frei, „wie ein Archäologe sein Fundstück freilegt“, erklärt Lordick. Weil die Drucke trotz des Bindemittels bei der sanftesten Berührung bröckeln, werden sie mit einem Kunstharz besprüht.

Bei seinem Frauenkirchen-Modell hat Franz Bilkenroth zum Beispiel die Außenwände per 3D-Druck hergestellt. Das Grundgerüst besteht aus einer Holzfaserpappe und kommt aus dem Lasercutter. Der Student hat noch einiges zu tun, bis sein Liebhaberstück fertig ist. Nebenan im Makerspace bauen ein paar Tüftler schon an der nächsten abgefahrenen Sache: einem 3D-Drucker, der Teile für einen 3D-Drucker herstellt. Das wird ein philosophisches Spiel aus dem Ganzen – die Maschine, die sich selbst baut. Von wegen, Ingenieure denken nur technisch.

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