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Die Fernseh-Flüsterer

Michael Fischer machte sich vor 25 Jahren in Kamenz selbstständig. Seitdem heißt es selbst und ständig. Aber das mit viel Freude.

© René Plaul

Von Ina Förster

Die Aktionswoche läuft. Im Geschäft an der Hoyerswerdaer Straße 42 herrscht rege Betriebsamkeit am frühen Vormittag. Neue große Flachbildfernseher werden gerade aufgestellt. In den letzten Tagen nehmen die sich nur so weg aus den Regalen. Kein Wunder: TV-Fischer in Kamenz feiert sein 25. Jubiläum. Und ebenso hohe Rabatte warten auf die treue Kundschaft. Die kommt aus dem gesamten Altkreis. Tausende stehen mittlerweile in der Kunden-Kartei des rührigen Geschäftsmannes. „Darauf sind wir richtig stolz“, sagt Michael Fischer. Denn er weiß, was für harte Arbeit dahinter steckt.

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Eigentlich hatte der heute 56-Jährige früher andere Berufsvorstellungen. Aber es kam alles anders. Heute fühlt sich der Bernbrucher wohl in seinem Metier. Umgeben von Fernsehern, Radios, Tablets, Receivern, Fitness-Uhren. Früher, als Michael Fischer noch die Kontaktring-Verkaufsstelle gegenüber leitete, konnte man von so etwas nur träumen. „1981 habe ich beim Konsum angefangen. Zuerst als Kraftfahrer. Und wenig später war ich plötzlich Verkaufsstellenleiter im Fernsehladen. Der Chef ging in Rente, man brauchte jemanden.“ Als gelernter Elektromonteur hatte Michael Fischer dafür gute Voraussetzungen. Auch wenn er gerade mal 25 Jahre alt war. Und sich natürlich weiterbilden musste.

Kamenzer wollten nach der Wende einen West-Fernseher

Als später die Mauer im Land fiel, machte der Konsum weiter. Der Handel mit elektronischen Unterhaltungsgeräten boomte. Auch die meisten Kamenzer wollten endlich einen West-Fernseher daheim stehen haben. Weil die Einnahmen Klasse waren, gab der Konsum dem jungen Mann aber kein grünes Licht für die beantragte Übernahme des Ladens in die Selbstständigkeit. Erst 1992, als der Konsum als Handelsorganisation immer mehr zerbröselte, öffnete sich das neue Fenster in die Zukunft – ganz genau am 24. September 1992. Auf nur 55 Quadratmetern plus klitzekleinem Lager ging es los. Der große Traum vom eigenen Geschäft wurde endlich wahr. „Wir mussten bei null anfangen, der Konsum hatte uns nicht eine einzige Schraube drin gelassen“, sagt Michael Fischer. Heute ist er stolz drauf, es aus eigener Kraft und ohne Hilfe geschafft zu haben. In der Lessingstadt kennt ihn fast jeder. Aus dem einstigen Elektromonteur ist längst ein anerkannter TV-Flüsterer geworden. Einer der Letzten, die noch vor Kurzem alte Röhrenfernseher reparieren konnten. „Die Produktion davon wurde allerdings vor 13 Jahren eingestellt. Nun lohnt es sich wirklich nicht mehr, da Hand anzulegen“, sagt der 56-Jährige. Dafür ist man immer noch oft für andere Reparaturen, Einrichtungen und Beratungen unterwegs. „Das Wichtigste ist, dass man immer noch viel Spaß an der Arbeit hat. Und das haben wir alle!“

Längst ist der Geschäftsmann mit seinem Team umgezogen. Allerdings nur auf die andere Straßenseite. Kamenz-Nord als Standort hat sich für Michael Fischer hundertprozentig bewährt. Auch wenn man schon manchmal über andere Orte nachgedacht hat. Und der Start im Jahr 2000 im neuen Geschäft mehr als schwierig war. Bereits nach zehn Tagen sorgte ein großes Unwetter in Kamenz nämlich gleich für einen vollgelaufenen Keller. Immerhin 20000 D-Mark Schaden standen damals zu Buche. „Die Wassermassen kamen wenige Tage nach der Neueröffnung“, erinnert er sich. „Kurz vor der Renovierung 2012 wurden wir erneut vom Wasser heimgesucht.“ Zwei große und ein kleineres Gewitter haben die Fischers also an der Hoyerswerdaer überlebt. Mit größeren und kleineren Verlusten. Seitdem die Goethestraße saniert ist, wurde es besser mit den Problemen aus der Kanalisation. „Aber hier am jetzigen Standort liegen wir genau richtig“, so Michael Fischer. Parkplätze in der Nähe, gute Anliefermöglichkeiten fürs Lager. Und bei Rot schauen die wartenden Autofahrer gern in sein Schaufenster. Längst ist man Mitglied bei Euronics, einer großen Einkaufskooperation. Auch das hat sich bewährt.

Mit drei Vollkräften und seiner lieben Frau Sabine an der Seite, die seit Beginn die Büroarbeit erledigt und den Rücken frei hält, geht es weiter Richtung Erfolg. Auch viele junge Kunden finden den Weg täglich ins Geschäft. „Kamenz ist in Sachen Einkauf manchmal besser als sein Ruf“, sagt der 56-Jährige, der sich seit Jahren in der City-Initiative starkmacht. Mit dem richtigen Konzept, Kundenfreundlichkeit sowie Service läuft’s rund.

Die Aktionswoche zum Jubiläum mit vielen Rabatten geht noch bis Sonnabend, den 23. September.