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Hier liegt die grüne Lunge in Zittaus Osten

Die Weinau nahm ihre Anfänge vor rund 155 Jahren. Über die Zeit wuchs das Areal und bietet bis heute einige Besonderheiten.

Beliebtes Postkartenmotiv, heute wie vor 100 Jahren: der Weinauteich mit der Gaststätte.
Beliebtes Postkartenmotiv, heute wie vor 100 Jahren: der Weinauteich mit der Gaststätte. © Sammlung Heike Schwalbe

Mit der ersten warmen Märzsonne hat der Weinaupark wieder die ersten Besucher mit Frühlingssehnsucht angelockt. Aber wie entstand diese beliebte grüne Lunge Zittaus und welche Geschichte hat sie im Lauf der Jahrhunderte geschrieben?

1250 ließen sich östlich von Zittau Johanniter eines geistlichen Ritterordens nieder. Sie bewirtschafteten auch die Weinau, deren Name von drei Weinbergen stammt, die von den Eckartsberger Höhen bis zur Weinau reichten. Als das Ende des Zittauer Johanniterordens kam, wie fast überall in Sachsen, durch die Reformation, verkauften sie ihr Land im Jahre 1570 der Stadt, die es parzellierte.

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Pläne zur Umgestaltung der Weinau in einen Park wurden recht spät umgesetzt. Ein erstes Zeichen war die Errichtung des Körnerdenkmals 1813. In den 1820er Jahren fand man in der Weinau Quellen, sodass 1849 in einem kleinen Kurpark eine Badeanstalt mit Restaurant eröffnet wurde, die allerdings wieder verfiel.

Ein entscheidender Schritt Richtung Park erfolgte vor rund 155 Jahren. Damals stiftete der Herausgeber der „Zittauer Nachrichten“ einen Betrag für ein Schulfest aller Zittauer Schulen in der Weinau. Im Stiftungsjahr entstand dadurch die Körnerwiese, die Körnereiche wurde gesetzt.

Ihr heutiges Erscheinungsbild nahm die Weinau ab 1876 mit der Neuanlage eines Teiches an. Daneben entstand 1882 das Weinaurestaurant mit rundem Pavillon. Edle Gehölze wurden angepflanzt und Wege angelegt. Der nunmehr 45 Hektar große Park, umschlossen durch die Ring- und Mietzschallee, wurde zu einem beliebten Naherholungsgebiet.

Das Areal bot sich für die sportliche Betätigung an. Ein Stadion wurde gebaut, das 1894 mit einer 400 Meter langen Radrennbahn eröffnet wurde. Später wurde es auch für Fußball und Leichtathletik genutzt. Ebenfalls vor 125 Jahren legte man die einen Kilometer lange schnurgerade Bismarckallee (heute Weinauallee) vom Lutherplatz bis zum Körnerdenkmal an. Im Park entstanden das erste Rehgehege und eine Waldvogelvoliere.

Ihre größte Zeit erlebte die Weinau, als Zittau 1902 hier die Oberlausitzer Gewerbe- und Industrieausstellung ausrichten konnte, wofür sogar eine viertelstündlich verkehrende Ausstellungsbahn erbaut wurde. Für eine gute Erreichbarkeit des Parks sorgte von 1909 bis 1919 die rote Linie der Straßenbahn, die Zittau einst besessen hat. In dieser Zeit begann die Nutzung des Weinauteiches, ein Bootsbetrieb wurde eingerichtet.

Das Stadion erhielt 1903 eine Tribüne. Sie ist mittlerweile die älteste Deutschlands und steht unter Denkmalschutz. Die Rennbahn wurde zwar 1908 abgerissen, doch sieben Jahre später entstand an dieser Stelle eine moderne Sportstätte für 10.000 Besucher. Auch Tennis, bis dahin verboten, gewann zunehmend an Beliebtheit, 1904 entstanden an der Mietzschallee die ersten Anlagen. 

Sogar DDR-Liga-Fußballer spielten

In der DDR wurde das Stadion 1954 durch das Nationale Aufbauwerk instandgesetzt und im Jahr darauf als „Willi-Gall-Stadion“ wiedereröffnet. Eines der größten Zittauer Sportereignisse fand hier 1965 statt, als die 3. Etappe der 18. Internationalen Friedensfahrt endete und Alexej Petrow (UdSSR) gewann. Nicht unerwähnt dürfen die Fußballer der BSG Motor Robur Zittau bleiben, die es 1978/79 für eine Saison sogar in die DDR-Liga schafften und für volle Zuschauerränge sorgten.

1990 wurde die Sportstätte in „Weinaupark-Stadion“ umbenannt. 2012 war hier die Leichtathletik-Europameisterschaft der Senioren zu erleben. Zuvor waren die Aschenbahn durch eine Kunststoffbahn ersetzt und die historische Tribüne saniert und erweitert worden.

Am Eingang zur Weinau befand sich in den 1960er Jahren die Stadtbushaltestelle. Auf dem fast schnurgerade verlaufenden Grohmannweg, benannt nach einem Zittauer Zeitungsverleger, konnte man zur Gaststätte spazieren, vorbei an Wildgehegen und Blumenrabatten. Ein kleiner Schwenk zum Parkwächterhaus, wo es weitere Tiergehege und Vogelvolieren gab, gehörte fast immer zu einem Besuch dazu. Das Rhesusaffengehege war meist dicht umlagert. Doch mit diesem durchgehenden Weg war 1967 Schluss, als das sieben Hektar große Gelände eingezäunt und zu einem Tierpark umgestaltet wurde.

In dieser Zeit fanden viele Feste im östlichsten Park Zittaus statt. Eigens für die 9. Arbeiterfestspiele wurden eine Freilichtbühne und eine Freitanzfläche gebaut. Auch später fanden auf der Bühne Auftritte von Künstlern und Kulturgruppen statt.

Womit wir in der jüngeren Gegenwart angekommen wären. Eine neue Stadtbushaltestelle entstand an der Mietzschallee, der Tierpark bekam einen neuen Eingangsbereich. Das Zittauer Bürgerbräu, das heute in Eibau entsteht, wurde fünf Jahre lang in der Weinaugaststätte gebraut. Und seit 2003 finden auf der Freilichtbühne die „Zittauer Filmnächte“ statt.

Um die Folgen des schlimmen Hochwassers vom 7. August 2010 zu beseitigen, waren viele Arbeiten im gesamten Weinaupark notwendig. Besonders arg hatte es damals den Tierpark getroffen. Doch auch das wurde bewältigt. Nun kann eine weitere Saison in diesem beliebten Park starten.

Das Denkmal zur Erinnerung an Theodor Körner war ein Ausgangspunkt für die Gestaltung des Parkes.
Das Denkmal zur Erinnerung an Theodor Körner war ein Ausgangspunkt für die Gestaltung des Parkes. © Sammlung Heike Schwalbe
Im Winter tummelten sich auf dem Weinauteich um 1900 gern die Schlittschuhläufer.
Im Winter tummelten sich auf dem Weinauteich um 1900 gern die Schlittschuhläufer. © Sammlung Heike Schwalbe
Eine historische Aufnahme des Stadions, das zwar oft den Namen änderte, aber immer Magnet blieb.
Eine historische Aufnahme des Stadions, das zwar oft den Namen änderte, aber immer Magnet blieb. © Sammlung Heike Schwalbe

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