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Die Hausbäckerei ist ein Auslaufmodell

Mückaer Hausfrauen und die Landbäckerei Gerber halten an der Tradition der Hausbäckerei fest.

Von Bernhard Donke

In dieser Woche war in der Landbäckerei Claus Gerber in Förstgen Hausbäckertag angesagt. Bäckermeister Uwe Kopke erwartete die Mückaer Hausfrauen Johanna Weise und Hannelore Nowotny mit ihrem Stollenteig. Stollenteig, den die beiden zu Hause vorbereitet hatten und nun in der Bäckerei abbacken lassen wollten.

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Pünktlich um 10.30 Uhr erschienen die beiden Frauen mit ihrem Teig. Er lag in Wannen und war gegen Auskühlung mit Tüchern abgedeckt. Nach kurzer Prüfung durch den Bäckermeister wurden von einem Gesellen dreipfündige Teiglingen abgewogen und aufgearbeitet. Das heißt die dreipfündigen Teigstücke wurde in Stollenform gebracht – geschlagen, wie der Bäcker sagt – und anschließend abgebacken. „Das Schlagen des Stollens ist uns wichtig, denn wir wollen ihn so haben, in der traditionellen Christstollenform“, sagten die beiden Hausfrauen. Anschließend wurden die Stollen gebacken. Nach gut einer Stunde Backzeit und insgesamt zwei Stunden waren die leckeren Stollen fertig. Nach kurzer Abkühlzeit konnten sie von den Frauen mit nach Hause genommen werden.

Von Mutter übernommen

„Früher, als ich noch in die Lehre ging, war die Hausbäckerei sehr viel mehr verbreitet. Da brachten viele Hausfrauen ihren selbstgefertigten Teig zum Bäcker, um ihn dann bei ihm backen zu lassen. Das war noch Tradition und nicht nur Stollenbäckerei“, sagt Uwe Kopke.

„Wir haben das auch nur von unseren Müttern und Großmüttern übernommen, die stets den Teig zu Hause anfertigten und ihn dann zur Mückaer Bäckerei brachten“, sagte Johanna Weise. „Die Bäckerei gibt es nicht mehr. Daher freut es uns, dass der Förstgener Bäcker das Backen für uns erledigt,“ Woher die Tradition der Hausbäckerei kommt kann sich Bäckermeister Uwe Kopke nur so erklären: „Früher gab es auch gute Zutaten, aber sie waren teuer, und die Leute hatten bekanntlich wenig Geld. Da war die Hausfrau bedacht darauf, dass nichts verloren geht und dass keine andere Hausfrau ihr Rezept erfuhr. Denn jede wollte ja den besten Stollen haben. Ein Vorteil der Hausbäckerei war auch der, dass der Stollen bedeutend preiswerter war als der gekaufte.“

Körperliche Arbeit schreckt ab

Heute werde diese Art der Stollenbäckerei nur noch von Hausfrauen gepflegt, deren Geburtsdatum vor dem Zweiten Weltkrieg liege, oder die in den Nachkriegsjahren gebacken hätten. Junge Frauen scheuten heute diese Arbeit, denn Stollenteig zubereiten sei eine schwere körperliche Arbeit, wenn man keine entsprechende Technik zu Hilfe nehmen kann. „Und das will sich heute keine junge Hausfrau mehr zumuten“, fügt der Bäcker noch hinzu.