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Die Holzpantine des letzten Müllers

Im Mochauer Küsterhaus wird jetzt an die Simselwitzer Mühle erinnert. Der Platz in der Sammlung wird sehr knapp.

Säcke mit der Aufschrift der Simselwitzer Mühle, Fotos, Möbel und andere Utensilien hat Regina Bonk für das Heimatmuseum im Mochauer Küsterhaus erhalten.
Säcke mit der Aufschrift der Simselwitzer Mühle, Fotos, Möbel und andere Utensilien hat Regina Bonk für das Heimatmuseum im Mochauer Küsterhaus erhalten. © Dietmar Thomas

Döbeln. In die Mühle in Simselwitz und den Müller Herbert Lohse kann sich Regina Bonk noch erinnern. „Wir haben Ähren gelesen und sind mit dem Handwagen nach Simselwitz gefahren und haben das Getreide in Mehl und in Schrot für die Kaninchen umgetauscht“, erzählt die Chefin des Heimatmuseums im Mochauer Küsterhaus. Die Sammlung zur Geschichte hat sie jetzt um einige Stücke aus der Mühle in Simselwitz erweitern können. 

Die jetzige Besitzerin sei auf sie zugekommen, ob sie etwas aus dem Nachlass haben will, erzählte Regina Bonk. „Ich wollte eigentlich nur einen Sack für die Sammlung“, sagte Regina Bonk. Aber für die Mühle Simselwitz hatte Regina Bonk noch ein Eckchen auf dem Dachboden gefunden. „Die ist schon etwas Besonderes“, sagte sie. Auch in Mochau gab es eine Mühle. Aber die war 1981 abgerissen worden.

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Und so können jetzt die Besucher in dem Arbeitsbuch blättern, das der Müller von 1915 bis 1927 geführt hat. Fein säuberlich sind alle Kunden darin vermerkt. Die brachten ihr Getreide aus den umliegenden Ortschaften und nahmen auch mal weitere Wege in Kauf, wenn sie aus Haßlau, Naußlitz und Hermsdorf nach Simselwitz fuhren. Letzter Müller in Simselwitz war Herbert Lohse. „Nach seinem Tod 1969 hat seine Witwe Gertrud Lohse noch in kleinen Mengen Getreide als Tierfutter geschrotet“, sagte Regina Bonk.

Auch eine Holzpantine des Müllers fand sich an.
Auch eine Holzpantine des Müllers fand sich an. © Dietmar Thoams

Regina Bonk hat ein paar Möbel aus der Mühle in die Ausstellung gestellt, unter anderem den Stuhl, den der Müller an seinem Schreibtisch stehen hatte. Auch eine abgetretene Holzpantine ist in der Sammlung, die gängige Fußbekleidung der Müller. Besonders freut sie sich über ein Schellengeläut, das Pferde auf den Kopf bekamen, wenn sie im Winter vor einen Schlitten gespannt wurden. „Das kenne ich noch, das hörte man schon von weitem“, erzählt sie.

In der Sammlung im Küsterhaus ist mittlerweile kein Platz mehr für größere Stücke. Regina Bonk muss regelmäßig Spenden ablehnen. Die eine oder andere Kleinigkeit findet aber noch einen Platz. Etwa eine Ledertasche vom Sattler Werner Leichsenring, die ein Besucher mitbrachte. Sie ergänzt die Sammlung zu den vielen Gewerken, die in Mochau einmal ansässig waren.

Etwa 300 Besucher hat das Heimatmuseum jedes Jahr. Sie kommen zu den offiziellen Öffnungstagen immer am ersten Sonntag im Monat und mit angemeldeten Gruppen und Schulklassen. Im Mochauer Küsterhaus findet sich jeder wieder, meint Regina Bonk. „Ein Besucher hat in den Klassenbüchern und Karteien der Schule seinen Urgroßvater und seine Mutter gefunden.“ Das älteste Klassenbuch stammt von 1825. Sogar Regina Bonk selbst kommt im Museum vor. Auf einem Foto ist sie als junges Mädchen mit langen Zöpfen zu sehen, beim sogenannten Vogelschießen bei einem Schulfest 1952.

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