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Die letzten Tage der Schule am Merzdorfer Park

Vom Tisch bis zur Weihnachtspyramide – alles muss raus aus der Oberschule. Viele Schüler packen mit an.

Viele alte Sachen werden entsorgt, wobei auch die Schüler mithelfen.
Viele alte Sachen werden entsorgt, wobei auch die Schüler mithelfen. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Das alte Werkzeug aus dem Werkunterricht fliegt in den Container und Teile kaputter Schultische und -stühle gleich hinterher. Ein altes Rudergerät, ein zerschlissenes Siegerpodest aus dem Sportunterricht und auch alte Fernseher und Keyboards liegen am Dienstagvormittag bereits auf dem Schulhof und warten nur darauf, von den Schülern entsorgt zu werden. 

Eine Gruppe Acht- und Neuntklässler ist dafür eingeteilt, während andere helfen, die Klassenzimmer und Fachkabinette zu räumen. Es sind die letzten Tage der Oberschule Am Merzdorfer Park, wie sie die Riesaer kennen.

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Nach der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse an diesem Freitag wird das Schulhaus den Bauarbeitern übergeben. Geplant ist laut Stadtverwaltung, das Gebäude innerhalb von knapp eineinhalb Jahren für etwa 5,9 Millionen Euro komplett zu sanieren beziehungsweise Gebäudeteile und Sportstätten neu zu bauen.

Die Oberschule Am Merzdorfer Park zieht um. 
Die Oberschule Am Merzdorfer Park zieht um.  ©  Sebastian Schultz

Schüler und Lehrer ziehen derweil in das bereits zum Teil sanierte Schulhaus Am Storchenbrunnen an der Alleestraße um. Alles mitgenommen werden kann aber nicht, sagt der Leiter der Oberschule Jürgen Gläsel. „Die Kollegen haben sich von vielen Dingen trennen müssen. Das war ein schmerzlicher Prozess“, so Jürgen Gläsel, „wir haben dort zwar mehr Zimmer, aber insgesamt weniger Quadratmeter zur Verfügung.“ 

Deshalb wurde nach der Devise aussortiert: Was man ein Jahr lang nicht brauchte, kann weggeworfen werden. Was zwei Jahre ungenutzt blieb, muss weg. Alles andere bekommt einen bunten Punkt mit seinem zukünftigen Bestimmungsort drauf. Das scheint gut zu funktionieren.

„Wir sind dem Plan sogar voraus“, sagt der Schulleiter zufrieden. Bisher verlaufe der Umzug nahezu reibungslos. Abstimmung und Kommunikation mit der Stadt klappen gut, sagt Jürgen Gläsel. Aber vor allem lobt er den großen Einsatz des gesamten Lehrerteams und der Schüler. 50 Acht- bis Zehntklässler helfen mit. „Es hatten sich aber sogar 200 Freiwillige gemeldet. Das ist die Hälfte der Schüler – wir haben hier tolle Kinder“, sagt Jürgen Gläsel. 

Für alle Helfer hat die Schule an diesem Tag eine Kartoffelsuppe zur Stärkung organisiert. Am Montag waren es Pfannkuchen. Denn die Arbeit ist ein wahrer Kraftakt. Das merke man am Abend schon in den Beinen, sagt Jürgen Gläsel lachend, vor allem weil die Schüler ein erstaunliches Tempo vorlegen. Und die sind auch nach Stunden der Arbeit noch immer gut gelaunt.

Einige Möbel stehen bereits im Übergangsquartier, weitere Umzugskartons warten noch auf den Abtransport. 
Einige Möbel stehen bereits im Übergangsquartier, weitere Umzugskartons warten noch auf den Abtransport.  ©  Sebastian Schultz

Sie quatschen miteinander und wundern sich über so manch seltsames Fundstück: „Wir haben viel Weihnachtszeug gefunden“, sagt zum Beispiel eine Gruppe von Achtklässlerinnen. Eine Holzpyramide oder auch Kerzenständer sind darunter. 

Ein Großteil davon wird wohl genauso im Container landen wie ein kaputter Plattenspieler aus DDR-Zeiten, ein paar riesige Landkarten, die bereits an vielen Stellen eingerissen sind, oder Waagen für den Physikunterricht. Mit Elan werfen die Mädchen die Unterrichtsrelikte in den übermannsgroßen Container. Dass sie hier seit 7.30 Uhr schuften und nicht, wie viele ihrer Klassenkameraden zu Hause sitzen, stört sie überhaupt nicht. 

„Wir müssen dafür nicht so viele Aufgaben zu Hause lösen“, sagen sie. Denn für die Umzugstage, an denen kein regulärer Unterricht stattfinden kann, haben die Oberschüler Selbststudienaufgaben bekommen. Und außerdem freuen sich die Mädchen bereits auf den Unterricht im neuen Haus. „Es ist gut, dass die Oberschule endlich gemacht wird“, erzählen sie. 

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Fenster und Heizung müssten dringend erneuert werden: „Es ist immer kalt.“ Und auch die Toiletten bräuchten unbedingt eine Sanierung – im Gebäude an der Alleestraße ist das bereits passiert. Trotzdem gibt es einen Wermutstropfen: Viele der jugendlichen Umzugshelfer glauben nicht, den Rückzug in das alte Schulhaus an der Merzdorfer Straße noch selbst mitzuerleben. Einige von ihnen stehen nämlich bereits kurz vor dem Schulabschluss.