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Die Liebe zu Dresden kam mit der Wende

Lesung. Unter der Kastanie im Ottendorfer Teichhaus las Christina von Brühl, wie sie ihre Liebe zu Dresden fand.

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Von Bernd Goldammer

Ottendorf-Okrilla. Kein Urlauber oder Neu-Zugereister muss in Dresden noch in ein „Fettnäbbel dabben“. Seit Christine von Brühl ihre „Gebrauchsanweisung für Dresden“ geschrieben hat, und darin verdeutlicht, was das sächsische Barock- Juwel so einzigartig macht, ist alles klar. Sie führt zu prachtvollen Bauten, durch Geschichte und Kultur.

Was ihr Buch so bedeutend macht, ist die Beobachtungsgabe mit der sie, durch die Gassen der Neustadt, oder über die, nach ihrem Vorfahren, Heinrich Graf von Brühl, erbaute Terrassen schlendert. Sie kennt die angesagteste Molkerei der Stadt, das Streiten um historische Details unter Fachleuten als „Stadtgeschichtefieber“, ähnlich der Malaria.

Das Beste an ihrem Buch, ist die fein geschliffene, liebende Ironie, mit der sie Dresden und seine Einwohner beschreibt. Christine von Brühl wurde im afrikanischen Accra, der Hauptstadt von Ghana geboren. Aufgewachsen ist die Diplomaten-Tochter in London, Brüssel und Warschau.

Abitur machte sie in Bonn und ging später nach Singapur. Sie hat in Mainz und Heidelberg, Lubmin und Wien Slavistik, Geschichte und Philosophie studiert. Wenn sie nach der Schreibweise ihres Namens gefragt wurde, sagte sie kurzerhand: „Brühl, wie die Stadt bei Köln“. Dresden war zu dieser Zeit weit weg...

Das sollte sich mit der Wende ändern. Nach ihrer Promotion nahm sie ein Volontariat bei der Sächsischen Zeitung an. Wenig später zog sie in die pulsierende Herzkammer Sachsens, nach Dresden.

Sie, die Weltbürgerin, sieht ihre Familiengeschichte nüchtern. Die Journalistin geht mit scharfem Intellekt, warmherziger Neugier und feinsinnigem Humor zur Sache. Aus diesen Gaben entstanden ihre Bücher...

Viele Dresdner waren zur Lesung gekommen, um Christina von Brühls Gefühle für ihre Stadt kennen zu lernen. Sie folgten ihr, in der Stollenzeit, durch die verschneiten Straßen der Stadt, auf denen die Gräfin die besten Stollenbäcker weiß. Sie fuhren mit ihr ins Moritzburger Jagdschloss und durchstreiften die herrlichen Wälder drumherum. Mit Spannung hörten sie die Fundgeschichte der königlich-sächsischen Schätze nach dem 2. Weltkrieg. Christina von Brühl vermittelt Lust, Dresden literarisch zu entdecken.

„Diese „Gebrauchsanweisung für Dresden“ hätte kein Dresdner besser schreiben können“, brachte Erika Pretzschel aus Klotzsche ihr Fazit auf den Punkt. Günter Zeeh aus Seifersdorf ist ebenso begeistert: „Ich freue mich jetzt auf ihre Buchlesung am 9. November im Seifersdorfer Schloss“, macht er deutlich. Nach ihrer Lesung beantwortet die freundliche Gräfin noch viele Fragen der Besucher. „Ich entstamme der Linie des ältesten Sohnes, vom sächsischen Premier unter August dem 3. Bei August dem Starken sei Heinrich Graf von Brühl, Minister gewesen.