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Die Mädels übernehmen

Drei Azubinen trotzen den Klischees der Männerdomäne und packen bei Fahrzeugbau Hempelt kräftig mit an.

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Die Azubis Anna Kretzschmar (19), Nikol Kraft (23) und Jasmin Stier (17) machen die gleichen Aufgaben, wie ihre männlichen Kollegen.
Die Azubis Anna Kretzschmar (19), Nikol Kraft (23) und Jasmin Stier (17) machen die gleichen Aufgaben, wie ihre männlichen Kollegen. © Claudia Hübschmann

Von Sophie Förster

Meißen. Sportliche Karosserien werden auf Hochglanz poliert. Der Familienwagen schwebt auf der Hebebühne. Überall stehen die verschiedensten Autos, bereit für die Untersuchung oder die neue Lackierung. Es wird gehämmert und gewerkelt. Alles wirkt nach einem wahrgewordenen Männertraum. Oder nicht?

Mitten im Getümmel stehen die drei Azubinen der Hempelt Karosserie- und Fahrzeugbau Werkstatt, im Blaumann. Mit etwas Öl auf der Hose, legen sie ihre Werkzeuge für einen Moment beiseite. Stolz stellt der Werkstattinhaber Holger Hempelt seine Mädels vor. Die 23-jährige Nikol Kraft und die 17-jährige Jasmin Stier absolvieren eine Ausbildung zur Mechanikerin in der Karosserieinstandsetzung und im Fahrzeugbau. Die 19-jährige Anna Kretzschmar ist im dritten Lehrjahr als Lackiererin. 

Drei Mädels von insgesamt vier Azubis in der Kfz-Werkstatt sind doch wirklich etwas Besonderes. Die jungen Frauen finden das nicht, denn eins haben die vier gemeinsam, und zwar die Leidenschaft zu Autos.

„Schon von klein auf habe ich meinem Vater immer zugesehen, wenn er an seinem Auto geschraubt hat. Mit 13 habe ich dann mitgeholfen und gewusst, dass es das Richtige ist“, erinnert sich Jasmin. Auch Anna waren die Stereotypen egal. Sie wollte unbedingt etwas im Handwerk machen und hat mithilfe von einem Praktikum und einem Ferienjob im Betrieb ihren Weg gefunden. 

„Nicht jeder hat das Talent zum Lackierer, doch Anna ist ein Naturtalent. Mädels sind doch manchmal etwas kreativer“, erzählt Holger Hempelt. Die Klassenbeste Nikol Kraft stand nach ihrem Abitur erst mal vor der Frage, die viele junge Menschen nach ihrem Abschluss plagt. Wo will ich hin und was will ich machen? 

Sie besuchte eine Ausbildungsmesse und lernte den Ausbilder Holger Hempelt kennen, der ihr mehr über sein Unternehmen erzählte. „Ich brauchte erst ein bisschen Zeit, um reinzukommen, aber jetzt fühle ich mich sehr wohl“, so Nikol. 

Schnell hat sie gemerkt, dass in einer Ausbildung vor allem Fleiß der Schlüssel zum Erfolg ist, und das nicht nur in der Werkstatt. „Die Theorie aus der Berufsschule hilft mir, die praktischen Dinge besser zu verstehen und anzuwenden.“

Zur Veranstaltung „Schau rein! – Die Woche der offenen Unternehmen in Sachsen“ öffnete auch Hempelt seine Türen und ließ die interessierten Schüler der siebten bis neunten Klasse mit anpacken. Es gab verschiedene Stationen, um eine Handyhalterung fürs Auto anzufertigen. Sie durften das Material abkanten, bohren, nieten und schweißen. 

„Das kam sehr gut an. Ich habe schon erste Praktikumsbewerbungen erhalten“, so Hempelt. Die Firma präsentiert sich gern auf Messen in Meißen, Großenhain, Riesa und Radebeul. „Viele junge Menschen wissen gar nicht, was in ihrer Region überhaupt angeboten wird“, erklärt der Inhaber.

1994 hat er seine Firma gegründet und bildet seit über 30 Jahren aus. „Den Jugendlichen wird immer mehr abverlangt. Wer sich unsicher ist, was er später einmal machen will, soll sich in einem Praktikum oder Ferienjob einen ersten Eindruck verschaffen.“ 

Nikol fügt hinzu, dass Mädels, die Interesse haben, keine Scheu haben sollen, sich zu bewerben. „Egal ob Junge oder Mädchen, wir begegnen uns hier alle auf Augenhöhe. Vorurteile gibt es nicht!“