merken
PLUS

Die Maschenfängerin

Angela Löschigk lässt ein altes Handwerk in Eckartsberg wieder aufleben – das Repassieren. Die gebürtige Thüringerin rückt den Laufmaschen zu Leibe.

Von Tina Soltysiak

Angela Löschigk blickt durch eine große, runde Lupe, die Augen fest auf eine Laufmasche gerichtet. Mit geschickten Fingern schwingt sie die Repassiernadel, um die Kompressionsstrumpfhose zu reparieren. Auf dieses Handwerk hat sie sich spezialisiert. Gestern hat sie in Eckartsberg offiziell ihre eigene, kleine Werkstatt eröffnet. Die ersten Aufträge hat sie aber schon entgegengenommen und abgearbeitet. Bereits seit Juni läuft das Geschäft über das Internet. Das hat sich schon über die Grenzen von Eckartsberg hinaus rumgesprochen.

Anzeige
Die besten Arbeiten aus 2021
Die besten Arbeiten aus 2021

Maler, Tischler und Raumausstatter zeigen in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks ihr ganzes Können: kreativ, innovativ und meisterhaft.

Angela Löschigk übt in Eckartsberg das filigrane Traditionshandwerk des Repassierens aus: Sie repariert Laufmaschen in Stützstrumpfhosen. Foto: Matthias Weber
Angela Löschigk übt in Eckartsberg das filigrane Traditionshandwerk des Repassierens aus: Sie repariert Laufmaschen in Stützstrumpfhosen. Foto: Matthias Weber

Das traditionelle Handwerk des Repassierens ist eine filigrane Arbeit. „Geduld ist dabei ein Muss“, sagt die 53-Jährige. Repassieren bedeutet „Laufmaschen aufnehmen“. Nicht nur ein scharfes Auge, sondern auch ein ruhiges Händchen braucht Frau Löschigk dabei. Das Öhr der Repassiernadel ist nur so wenige Millimeter breit, dass man sich die Nadel schon ganz nah vors Auge halten muss, um es überhaupt zu erkennen. Doch in ihrer Heimat Thüringen hat sie dieses Handwerk 20 Jahre lang ausgeübt. In Zeulenroda hat sie bei einer Firma gearbeitet, die unter anderem medizinische Kompressionsstrümpfe herstellt. „Da manchmal bereits im Produktionsprozess Laufmaschen entstanden sind, haben wir nach Möglichkeiten gesucht, wie wir die Abfallquote gering halten können“, erzählt Frau Löschigk. Sie hätten sich auf das in der DDR bekannte Repassierhandwerk besonnen. Vor zwei Jahren ist die gebürtige Geraerin nach Eckartsberg gezogen – der Liebe wegen. „Das war schon ein großer Schritt und ich habe die Firma mit einem weinenden Auge verlassen“, gibt sie zu. Bei einem Gläschen Rotwein, das sie eines Abends gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Andreas Jauernig getrunken hatte, sei die Idee geboren, das Reparieren der medizinischen Strumpfhosen in der Oberlausitz aufleben zu lassen, sagt Frau Löschigk. Sie hat damit eine Marktlücke aufgetan. Das glaubt auch Gudrun Laufer von der Industrie- und Handelskammer, Geschäftsstelle Zittau. Sie war gestern ebenfalls zur Werkstatteröffnung in die Geschwister-Scholl-Straße 5b gekommen. „Es ist eine Existenzgründung, die von den üblichen abweicht“, sagt sie. Mit „Üblichen“ meint sie Ladeneröffnungen in den Bereichen Handel und Gastronomie. Dass Angela Löschigk mit ihrem Konzept Erfolg haben wird, davon ist sie überzeugt: „So, wie ich sie als Person bisher kennengelernt habe, hat sie einen guten Umgang mit den Kunden und sie beherrscht ihr Handwerk.“ Außerdem sei ihr nicht bekannt, dass in Zittau oder Umgebung jemand solch einen Service anbietet. Dies kann Anett Stadlbauer von der Kreishandwerkerschaft Görlitz bestätigen: „Auch ich wüsste nicht, dass es im Landkreis so etwas noch einmal gibt.“ Sie ist ganz angetan von diesem alten Handwerk. Sie kann sich noch daran erinnern, dass es zu DDR-Zeiten in Zittau ein Geschäft gab, in das die Frauen ihre Strümpfe und Strumpfhosen zur Reparatur brachten. Damals waren diese nämlich noch verhältnismäßig teuer. „Billigware“ aus dem Supermarkt repariert Angela Löschigk freilich nicht, sagt sie. Bei ihr kommen Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen auf den Tisch. Frauen wie Männern, die auf diese medizinische Ware angewiesen sind, haben zweimal im Jahr einen Anspruch darauf, neue Strumpfhosen verschrieben zu bekommen, denn mit 50 bis 100 Euro sind diese ziemlich teuer. „Die Leute müssen zwar zwischen fünf und zehn Euro zuzahlen, aber es ist trotzdem ärgerlich, wenn so ein Strumpf kaputt geht“, sagt Sabine Hilsberg. Sie arbeitet in Zittau in der Herzapotheke und passt dort den Kunden die Kompressionsware an. Die junge Frau selbst trägt ebenfalls diese Spezialstrumpfhosen. Deshalb freue es sie ganz besonders, dass Frau Löschigk diesen Service anbietet. Sie hat auch direkt einen löchrigen Kompressionsstrumpf dabei, um ihn reparieren zu lassen.

Über das Internet sei das Geschäft schon gut angelaufen, berichtet Angela Löschigk. „Die älteste Kundin, die mich über die Internetseite gefunden hat, ist 83“, erzählt sie lächelnd. Sie hofft, dass sich ihr Angebot weiter herumspricht, denn sie hat Freude am Repassieren und will ihre Arbeit so lang wie möglich ausüben.

www.maschenfänger.de