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Die Mehrheit tickt anders

Fans des Chemnitzer FC gedachten am Samstag des verstorbenen Gründers der Organisation Hooligans-Nazis-Rassisten. Ein Kommentar von Thilo Alexe.

Thilo Alexe.
Thilo Alexe. © dpa/Montage: SZ-Bildstelle

Als dem abgestürzten Traditionsverein Energie Cottbus vor knapp einem Jahr der Wiederaufstieg in den Profifußball gelang, feierten Vermummte auf ihre Weise: mit Symbol und spitzen Kapuzen des rassistischen Ku-Klux-Clan. Aggressive Fans von Lok Leipzig skandierten am Wochenende rechte Parolen und demolierten Autos. Die Polizei setzte rund 100 Beamte ein, um 150 Anhänger am Bahnhof zu kontrollieren. In Chemnitz gedachte die Südkurve eines verstorbenen Fans, der in den 1990er-Jahren die Gruppierung „Hoonara“ gegründet hat – Hooligans, Nazis, Rassisten.

Wie rechts ist die Kurve? Rassismus auf den Rängen und übrigens auch dem Rasen ist kein neues Phänomen. Genau so wenig wie die Gegenbewegung von bunten, vielfältigen Fanblocks. Frappierend aber ist der Anspruch, mit dem rechte, radikale Fans auftreten.

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In Cottbus üben sie ihre Dominanz mittlerweile auf der Nordtribüne aus. In Chemnitz ging es nicht in erster Linie um nachvollziehbare Trauer um einen verstorbenen Menschen. Die Aktion vor Spielbeginn war eine Demonstration von Macht und Gesinnung.

Der Aufschwung neurechter Strömungen im Land wirkt sich auch in Stadien aus. Besonders stark dort, wo es Anknüpfungspunkte gibt. Rechtsextremistische Fußballanhänger, so heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht, machen eine relativ große Gruppe unter den subkulturell geprägten Rechtsextremisten aus. Aktiv sind sie vor allen in Dresden, Leipzig und Chemnitz.

Die Szene agiert nur scheinbar spontan. Ihre Aktionen sind meist geplant, Strukturen bilden sich heraus. In Chemnitz etwa mobilisierten im vergangenen Jahr auch Fußballfans zur ersten von mehreren Demonstrationen, nachdem ein 35-Jähriger am Rande des Stadtfestes mutmaßlich von Ausländern tödlich verletzt worden war.

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Vereine geben sich oft hilflos und überfordert. In Chemnitz haben rechte Fans offenbar sogar Druck auf den Klub aufgebaut. Fußball spiegelt die Gesellschaft, heißt es oft. Stimmt. Die Mehrheit der Gesellschaft tickt nicht wie eine radikale Kurve. Sie ist gefordert, es zu zeigen.

E-Mail an Thilo Alexe.