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Die meisten Autos werden in Dresden gestohlen

Die Landeshauptstadt bleibt bei Autodieben beliebt. Innenminister Ulbig fordert von den Herstellern sicherere Technik.

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Von Karin Schlottmann

Dresden. Zwei Minuten und 20 Sekunden benötigt ein professioneller Autodieb, um ein Fahrzeug der neuen Generation aufzubrechen. Für Innenminister Markus Ulbig (CDU) ist dies ein Beleg dafür, dass es nicht allein Sache der Polizei ist, Diebstähle zu verhindern. Auch die Autoindustrie sollte ein Interesse haben, durch technische Aufrüstung der Fahrzeuge die Diebstahlsquote zu senken, sagte Ulbig gestern bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2012.

Diese Statistik ist eindeutig: Die Zahl aller registrierten Straftaten ist landesweit um 6,3 Prozent gestiegen. Die Zunahme betrifft insbesondere Autodiebstähle (plus 5,6 Prozent). Regionaler Schwerpunkt ist mit großem Abstand Dresden, gefolgt von Leipzig und Chemnitz. Ulbig sagte, in Dresden sei die Auswahl an begehrenswerten Objekten am größten. Zudem ist die Landeshauptstadt die letzte Großstadt auf dem Weg zur Grenze.

Mit großem Abstand folgen Görlitz, Zittau, Bautzen, Zwickau und Weißwasser. Die Landeshauptstadt hat nicht nur die meisten Diebstähle, sondern auch die geringste Aufklärungsquote (16 Prozent). Der finanzielle Schaden durch Autodiebstähle betrug nach Angaben von Landespolizeipräsident Rainer Kann 32 Millionen Euro.

Landesweite Fahndungstage mit großem Personalaufgebot gegen Autodiebe soll es nicht mehr geben, sagte Minister Ulbig. Der Nutzen von solchen aufwendigen Polizeiaktionen sei zu gering. Statt dessen werde er prüfen, ob sich mit Videoüberwachung ein größerer Effekt erzielen lasse. Erfolge erhofft er sich auch von den Kfz-Erkennungsgeräten, die seit Anfang des Jahres eingesetzt werden. Sie sollen die Suche der als vermisst gemeldeten Wagen unterstützen. Landespolizeipräsident Kann plädiert außerdem dafür, dass die Staatsanwaltschaften spezialisierte Ermittler für Autodiebstähle einsetzen.

Drastisch zugenommen hat auch die Zahl der Fahrraddiebstähle (plus 4 625 Fälle) sowie der Kellereinbrüche (plus 1 915 Fälle). Ulbig zufolge kann Eigenvorsorge Abhilfe schaffen. Teure Fahrräder könnten mit GPS-Geräten gesichert werden.

Etwa jede zehnte Tat war 2012 eine Gewalttat. Die Zahl der vorsätzlichen leichten Körperverletzungen stieg um über sieben Prozent, die der Bedrohungen um rund 13 Prozent. Weiterer Schwerpunkt war die Rauschgiftkriminalität (plus 9,6 Prozent). Die Kriminalitätsbelastung an den sächsischen Außengrenzen hat erneut insbesondere an der Grenze zu Polen zugenommen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sowie die Opposition machten die Neuorganisation der Polizei für den Anstieg der Kriminalität verantwortlich. Sachsen gehöre nicht mehr zu den sichersten Bundesländern, kritisierte GdP-Chef Hagen Husgen.