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Die Neiße erobert ihr Flussbett zurück

Die Hochwassersanierung unterhalb der Rothenburger Straße endet bald. Auch die Stadtwerke nutzten diese Chance.

Von Ralph Schermann

Noch ein bis zwei Wochen, dann hat die Neiße ihr Bett unterhalb der Stützmauer an der Rothenburger Straße wieder. Im Juni hatten Bauarbeiter dort eine Straße ins Wasser gesetzt, worauf sich so mancher Autofahrer oben am Abhang wunderte: Wird das ein neuer Grenzübergang oder gar ein Bootsanleger? Alles falsch – die Straße war nötig, um von ihr aus das Ufer zu befestigen. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen hatte diesen 385 000 Euro teuren Hochwasserschutz zwischen dem Pontekanal-Auslauf nahe der Hotherstraße und der Pegelmessstelle hinter der Hirschwinkel-Turnhalle in Auftrag gegeben.

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Durch die Hochwasser der vergangenen Jahre war es dort zu starken Erosionen gekommen. Um weitere Abbrüche zu vermeiden, wurden die Böschung und die Gewässersohle am Ufer auf 700 Meter Länge mit einer Steinpackung befestigt. Außerdem wurden auf 150 Meter Länge abgelagerter Sand und Geröll beseitigt. Solche Ablagerungen behindern nämlich den Hochwasserabfluss, jetzt also kann die Neiße an dieser Stelle wieder viel besser abfließen. Dass alle Arbeiten ein wenig länger dauerten als geplant, hatte einen einfachen Grund: „Durch die erneuten Hochwasser in diesem Jahr kam es zu Verzögerungen“, sagt Britta Andreas von der Landestalsperrenverwaltung. In den nächsten Tagen werden nun die letzten 100 Meter der Baustraße aus dem Fluss zurück- und die Steine am Ufer mit eingebaut. In knapp zwei Wochen soll die Baustelle dann komplett beräumt sein. „Dann fehlen auf dem letzten Teilabschnitt nur noch der Mutterboden und die Raseneinsaat. Das kann aber erst im kommenden Frühjahr erledigt werden“, ergänzt Verwaltungssprecherin Andreas.

Der Hochwasserschutzbau der Landestalsperrenverwaltung hatte unerwartet auch den Görlitzer Stadtwerken (SWG) Arbeit beschert. Lange schon war eine Sanierung der beiden Schmutzwasserkanäle von je 60 Zentimeter Durchmesser unterhalb der Böschung an der Stützwand der Rothenburger Straße vorgesehen, die mit dem in den kommenden Jahren geplanten Mauer- und Straßenbau zusammengelegt werden sollte. Die Baustraße in der Neiße gab kurzfristig der SWG Gelegenheit, diese Arbeiten schon jetzt auszuführen. Natürlich nutzten die Stadtwerker diese Chance. „Eine Durchführung während des Straßenbauprojektes wäre technologisch und zeitlich wesentlich komplizierter geworden“, bestätigt SWG-Sprecherin Belinda Brüchner. Dank der provisorischen Straße kamen die Mitarbeiter wesentlich einfacher zu einer Inlinersanierung. So heißt es korrekt, wenn in einen bestehenden Kanal ein Kunststoffschlauch eingezogen wird.

Diese Sanierung am Schmutzwasserkanal erfolgte auf einer Länge von insgesamt 355 Metern und war in der Mitte der vorigen Woche beendet. Und es wurde schon vorbeugend gearbeitet: „Wir haben bereits neue Kanäle für die Schmutzwasser- und für die Regenentwässerung bis an die Rothenburger Straße gebaut“, sagt Belinda Brüchner. Das sind Rohre für die Wasserableitung aus dem vielleicht 2015 erwarteten Straßenneubau. Wenn dann gebaut wird, sind vom Neißeufer aus keine Stadtwerkearbeiten mehr nötig. Bei der Gelegenheit jetzt konnten die Stadtwerker auch den Auslauf des Pontekanals besichtigen. Diese Regenentwässerung kann etwa ab Höhe des Nikolaiturmes mannshoch unter der Erde begangen werden. Letztlich mündet sie in Verlängerung des Nikolaigrabens direkt in die Neiße, ist dort aber schwer einsehbar – weil sie sich unterhalb der Wasseroberfläche befindet und an dieser Stelle auch ständig wasserführend ist. Jetzt ergab eine Kontrolle Schäden am Bauwerk. Festgestellt wurden Risse und Ausspülungen. „Da die Baustraße der Landestalsperrenverwaltung für die Böschungssanierung bis kurz vor den Auslauf reichte, konnten wir den Ponteauslauf mit einer Spundbohlenwand sichern“, erklärt die SWG-Sprecherin. Noch bleibt aber die Sanierung der Auslaufsohle: „Das ist für später vorgesehen, da läuft noch der Fördermittelantrag beim Freistaat.“