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Die neue Ladenbesitzerin

Gulhanim Yilmaz und ihre Familie wollen am Bischofswerdaer Altmarkt orientalische Lebensmittel verkaufen. Bald geht es los.

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© Steffen Unger

Von Constanze Knappe und Gabriele Nass

Bischofswerda. Türkische Bohnen in Salz eingelegt und gebraten, das kocht Gulhanim Yilmaz gern für ihre Familie. Doch weder die Bohnen noch andere Zutaten für die orientalische Küche gibt es hier. Frau Yilmaz und ihre Familie brauchten auch deswegen nicht lange zu überlegen, was sie aus dem Laden machen, der zu ihrem neuen Haus am Altmarkt in Bischofswerda gehört.

Das Objekt kaufte Gulhanim Yilmaz im Mai. Und sofort machte sich in Bischofswerda die Befürchtung breit, dass nun im Stadtzentrum der nächste Döner-Laden nicht lange würde auf sich warten lassen. Aber Familie Yilmaz hat etwas anderes vor. Die neue Eigentümerin (61) und ihre Schwiegertochter Kadriye (34) wollen orientalische Lebensmittel verkaufen. Er esse zwar selber gerne Döner, doch seine Familie werde so ein Geschäft nicht betreiben. „Es gibt schon zu viele in der Stadt“, sagt Fatih Yilmaz, der Sohn der Eigentümerin.

Anlaufpunkt für Türken der Oberlausitz

Mutter und Schwiegertochter haben schon konkrete Pläne mit dem Lebensmittelladen. Sie wollen zum Beispiel die türkische Knoblauchwurst Sucuk verkaufen und Salami ohne Schweinefleisch. Dazu soll es abgepacktes türkisches Weißbrot geben, Reis, Bohnen und Erbsen aus der Türkei, die anders aussehen und auch anders schmecken als hiesige Produkte. Oliven sollen im Angebot sein, orientalische Gewürze, türkische Getränke, Tee und Baklava, die bekannte türkische Süßspeise. Der Großteil der Ware kommt aus der Türkei und wird über Bekannte bezogen, die in Berlin einen Großhandel betreiben, sagt Gulhanim Yilmaz. Ob sie ergänzend Waren des täglichen Bedarfs wie Milch oder Butter anbietet, ist noch nicht entschieden. So etwas fehlt im Angebot der Innenstadt weitgehend. „Aber mit dem Preis im Supermarkt können wir nicht mithalten“, sagt Fatih Yilmaz. Er könne sich aber Honig oder Marmeladen aus der Region in seinen Regalen vorstellen. Der 36-Jährige, der für seine Mutter die Verhandlungen zum Hauskauf führte, ist zuversichtlich, was den Laden angeht. Türkische Familien aus Ostsachsen müssten zum Einkaufen ihrer Lebensmittel nicht mehr bis nach Dresden oder gar Berlin fahren. Er sieht zudem Interesse unter den Deutschen. Das Dresdner Geschäft mit orientalischen Waren, das Familie Yilmaz bisher selbst nutzt, habe rund 60 Prozent deutsche Kunden. „Wer orientalisch kochen will, für den wird unser Laden eine Alternative sein“, sagt Yilmaz.

Kaufpreis ist bezahlt

Nachdem die Stadt Bischofswerda auf ihr Vorkaufsrecht für das Gebäude verzichtete, bekam die türkische Familie das Haus, das eine Bischofswerdaer Familie verkauft hat. Auf Anfrage hieß es am Montag, der Kaufpreis sei bezahlt. Jetzt warte die Familie darauf, dass Gulhanim Yilmaz als Eigentümerin ins Grundbuch eingetragen wird. Das könne noch zwei Wochen dauern, danach soll es mit dem Laden losgehen. Zuerst muss modernisiert und einiges umgebaut werden. Zuletzt war der Laden Friseurgeschäft und auch die neue Eigentümerin dort Kundin. Jetzt werden die Wasseranschlüsse verblendet, die Elektrik erneuert, die Holzdecken überarbeitet und neue Lampen aufgehängt. Die Wohnung über dem Laden soll saniert werden. Aber schon vorher sei die Fassade dran, „damit es schöner aussieht“, sagt Fatih Yilmaz. Vieles will er selber machen. Er arbeitet seit 15 Jahren auf dem Bau.

Seit Jahren in Bischofswerda

Familie Yilmaz wohnt in Bischofswerda. Ein Haus an der Bautzener Straße bauten sie zum Wohnen aus. Fathih Yilmaz’ Vater hat Erfahrung im Bau von Autobahnbrücken, er arbeitete für eine Berliner Firma. Kurz nach der Wende war er für sieben Monate in der Region beschäftigt und blieb. Neben „Pfennigfuchser“ eröffnete er den ersten Dönerladen in Bischofswerda. Zwei Jahre später kamen Frau und Kinder nach. „Wir haben es nie bereut“, sagt seine Frau Gulhanim. Sie erzählt vom Garten hinterm Haus, wo sie Tomaten, Knoblauch und Kräuter anbaut. „Hier ist es ruhig. Es gibt wenig Verkehr“, sagt sie. Im Vergleich zu Berlin kennt ihr Sohn, dessen Töchter zwei und ein Jahr alt sind, noch andere Vorteile der Kleinstadt. Zum Beispiel den, dass die Familie nicht lange auf einen Kita-Platz warten musste. Der zwölfjährige Sohn spielt Fußball beim BFV 08. Da schaut er manchmal zu. Selber habe er geboxt, erst in Berlin, dann in Bischofswerda. Jetzt bleibe ihm wenig Zeit für ein Hobby. Bischofswerda ist Familie Yilmaz zur Heimat geworden. Unter ihren Freunden sind mehr Deutsche als Türken, sagen sie.