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Die Partymacher

Die Campusparty in Dresden ist erwachsen geworden, ihre Organisatoren nicht. Die Probleme ihrer Vorgänger kennen sie trotzdem - und geben der Studentenfeier deshalb neue Maßstäbe.

© Eric Münch

Von Annechristin Kleppisch

Der Laptop ist aufgeklappt, das Handy am Ohr, der Kaffee auf dem Tisch dampft, Christian Gottschild hat Stress. Nicht für die Uni. Dort studiert der 26-Jährige Betriebswirtschaft. Der Student ist Partymacher. Sein Stressmacher heißt Campusparty. Die findet am Mittwoch zum 19. Mal auf dem Campus der TU Dresden statt. Bühnen und DJ-Türme stehen dann rund um das Hörsaalzentrum und 7.000 Gäste feiern die ganze Nacht hindurch. Die frühen Vorlesungen am nächsten Tag müssen warten.

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Christian Gottschild organisiert zusammen mit Tony Wittiber die Party. Der künftige Wirtschaftsinformatiker studiert ebenfalls an der TU Dresden. Die beiden Studenten unterstützen das vierköpfige Team, zu dem auch ein Dresdner Anwalt und ein Eventmanager gehören. Dass Studenten bei der kommerziellen Party mitbestimmen dürfen, hat Tradition. Auch wenn sich heute niemand mehr so richtig an die Anfänge erinnern will. Christian jedenfalls zuckt mit den Schultern. Er ist erst seit einem Jahr dabei. „Das ist wie bei allen studentischen Dingen. Die Historie wird prinzipiell nicht dokumentiert“, sagt er.

Trotzdem wollen die Macher jetzt zurück zu den Wurzeln. Was einst als kleine Party der Wirtschaftswissenschaftler begann, später Kult wurde und bis zu 10.000 junge Menschen zum Feiern in die Südvorstadt zog, soll nun wieder kleiner werden. Vorbei ist der Anspruch, Sachsens größte Studentenparty sein zu wollen. „Wir wollen nicht die Größten sein, sondern die Geilsten“, sagt Christian Gottschild. Authentischer soll es sein. Und fair für den Geldbeutel der Studenten. Die mussten im vergangenen Jahr 18 Euro für das Ticket bezahlen. „Das ist einfach zu viel“, sagt Tony Wittiber. Das dachten wohl auch die Besucher. Richtig voll wurde es jedenfalls nicht auf dem Partygelände. Dieses Jahr zahlen Gäste sieben Euro weniger.

„Wir müssen trotzdem wirtschaftlich sein“, sagt Christian Gottschild. Diese Theorie lernt er schon im Studium. Die Party ist nicht nur Spaß, sondern auch finanzielles Risiko. Ob die Rechnung in den vergangenen Jahren immer aufgegangen ist, darüber will der künftige Wirtschaftler nicht sprechen. Jetzt wird jedenfalls bei der Campusparty gespart.

Große Bands sind zu teuer

Richtig große Bands wie in den vergangenen Jahren spielen dieses Mal nicht in Dresden. Mia, Juli, Madsen, Silbermond und Revolverheld sind schlicht zu teuer geworden. Im oberen fünfstelligen Bereich liegen die Gagen für die Künstler, mussten die Organisatoren erfahren. Dazu kommen ähnlich hohe Kosten für die Bühnentechnik. Über das Eintrittsgeld bekommen die Organisatoren das nicht mehr rein. Es wird schwieriger für Partymacher in Dresden. Auch weil das Angebot für Studenten immer größer wird.

Christian Gottschild und Tony Wittiber setzen daher auf eine neue Strategie. Die Veranstaltungsfläche ist jetzt kleiner, es gibt eine neue Sport-Freizeit-Fläche mit Partyspielen und eine Shisha-Lounge. Dazu treten unbekanntere Bands und Acts auf, darunter zwei aus der Region. Auch die DJs kommen hauptsächlich aus Dresden. Um die kulinarische Versorgung kümmern sich studentische Vereine und Initiativen, die sich so noch etwas für die eigenen Projekte dazu verdienen. Kein reines Konzertevent soll es sein, sondern eine richtige Studentenparty.

Und das Studium? Das muss in den Wochen vor der Party warten. Die beiden Partymacher haben ordentlich zu tun. Christian Gottschild kümmert sich bis zu acht Stunden um die Planung. Nebenbei verdient er sein Geld mit seiner mobilen Cocktailbar in einem umgebauten Trabi. Vorlesungen besucht er kaum noch. Sein Studium wolle er künftig als Fernlehre weitermachen, sagt er. Sein mobiles Büro, bestehend aus Laptop und Handy, baut er auf, wo er gerade ist. Auch direkt auf dem Campus oder in der Cafeteria. Dann wird die Party geplant, Personal gesucht, werden Bands gebucht, Absprachen mit Getränkelieferanten gemacht. Der Stress geht weiter, auch während der Party. Noch zwei Tage. Dann feiert der Campus.