merken
PLUS

Die Rockröhre von Oberlichtenau

Micha F. Müller wollte nie etwas anderes als Musiker werden. Jetzt gibt es sein erstes Soloalbum.

Von Constanze Knappe

Eine Erkältung wäre das Letzte, was Micha F. Müller jetzt gebrauchen könnte. Der Oberlichtenauer sitzt quasi auf gepacktem Koffer. In den nächsten Tagen wird er in einem Studio in der Nähe von Hamburg mit „The Rattles“ einige Titel für deren neues Album einsingen. Die Rockband, die auch eine Fangruppe in Bautzen hat, gehörte in den 1960er- und 70er-Jahren zu den Besten, was Deutschland in dieser Richtung zu bieten hatte, sie spielte sogar mit den Beatles und den Stones. Und wie die ganz großen Bands der Szene werden auch „The Rattles“ mit dem Alter offenbar noch ein Stück besser. Micha F. Müller freut sich auf das Wiedersehen. „Mit den Leuten zu arbeiten, ist sehr professionell. Es macht Spaß und die Atmosphäre in dem alten, mit Holz verkleideten Studio aus den Siebzigern ist einfach toll“, schwärmt er.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Nicht zum ersten Mal kreuzen sich ihre Wege. Kennengelernt haben sich der Oberlichtenauer und Rattles-Chef Herbert Hildebrandt in Spanien. Auf dem Album „Rattles 50“ sang Micha F. Müller bereits einen Titel ein. Rattles-Gitarrist Manne Kraski produzierte das erste Soloalbum von Micha F. Müller. Der hat bis auf einen alle Songs komponiert, auch einige Texte selbst geschrieben. Die anderen stammen aus der Feder von Matthias Moschke. Begleitet wird Micha F. bei einigen Songs von Thomas Müller (Keyboard/nicht mit ihm verwandt) und Stephanie Anders (Saxophon). Das Album ist ihm wichtig. Nicht etwa, weil es nach etlichen Jahren Bandkarriere an der Zeit gewesen wäre. Der Oberlichtenauer ist vor allem Cover-Musiker, und als solcher fühlt er sich zu einem gewissen Teil als Schauspieler. In sein Album „Sehnsucht“ hat der Popsänger eigene Gefühle und Erfahrungen gepackt, wie in den Dresden-Song zum Beispiel.

Michael Müller wollte nie etwas anderes werden als Musiker. Womöglich sei er durch den Großvater vorbelastet, sagt er. Der spielte Geige und Mandoline, war in den 1950er-Jahren im Spielmannszug. Mit Freunden, einer davon Matthias Moschke, gründete der Enkel damals die Schülerband „Rocket“. Sogar eigene Songs haben sie gespielt. Die Theorie und was man als Bandmusiker beherrschen sollte, brachte ihnen Lothar Böck bei, bei dem sie zweimal die Woche probten. Bis heute ist Micha F. dem Reichenauer dafür dankbar.

Gelernt hat er Elektronik-Facharbeiter. Dann wurde er Berufsmusiker, spielte bis zur Wende in mehreren Bands englische Hits nach, nahm auch Gesangsunterricht. Parallel dazu brachten er und Bruder Ronny Kinderprogramme auf die Bühne. Die Veranstaltungen in Kamenz und anderen Städten der Region waren restlos ausverkauft. Doch mit der Wende war Schluss, erst recht mit den Bandauftritten. „Die Leute wollten endlich die Originale sehen“, sagt Micha F. Müller. Also ging er Geld verdienen und betrieb die Musik nur noch nebenbei. Irgendwann fand sich die Band „Rocket“ wieder zusammen und begann, durchs Land zu tingeln. Die persönliche Wende kam für Micha F. mit der Cottbuser Rockband „Plattform“, die einen Sänger für härtere Sachen wie Led Zeppelin oder Queen suchte. Von da an hatte der Musiker aus der Westlausitz wieder gut zu tun. Er stand sogar gemeinsam mit seinen Band-Idolen Slade oder Sweet auf der Bühne. Irgendwann bekam er eine Anfrage aus England, ganz bei Slade zu spielen. „Das hätte aber bedeutet, nach Birmingham zu gehen und hier alles aufzugeben“, sagt er.

Das kam für ihn nicht infrage. Zumal er seit 2004 erfolgreich mit der Müller-Mugge unterwegs ist. Erst als Duo mit Thomas Müller, später schloss sich Schlagzeuger Ulli Ulbrich an. Verstärkung bekommen sie mitunter von Stephanie Anders (Saxophon). Die Partyband spielt auf vielen Dorf- und Stadtfesten im Osten Deutschlands, in diesem Jahr zum Beispiel bei 650 Jahre Häslich und zweimal im Jahr in der Kulturmühle Bischheim. Zu hören sind da Cover-Songs und eigene Titel von Micha F. Müller. Gern würde er mal auf Solotour gehen. Vorher aber singt er mit den Rattles. Und ganz nebenbei sammelt er Ideen für ein zweites Soloprojekt.

Das Album „Sehnsucht“ ist in der Genuss-Welt Pulsnitz zu haben oder über die Website. www.müllermugge.de