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Die Rückkehr der Hausbäume

Forstexperte Andreas Roloff sieht viele Vorteile durch mehr Grün vorm Fenster. Wie aber mit den Risiken umgehen?

Auf dem Hof des ehemaligen Ritterguts in Colmnitz spendet der große Baum Schatten, auch für parkende Autos.
Auf dem Hof des ehemaligen Ritterguts in Colmnitz spendet der große Baum Schatten, auch für parkende Autos. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Sommer werden immer heißer, die Stürme immer heftiger – Professor Andreas Roloff, der Chef der Professur für Forstbotanik der TU Dresden in Tharandt, sieht auch deshalb eine Renaissance der Hausbäume kommen. Die SZ sprach mit ihm über das Thema, das nicht nur positiv besetzt ist.

Früher stand in jedem Gehöft, eine Linde, eine Kastanie oder ein Nussbaum, oder zwei davon an der Toreinfahrt. Ein Gehöft ohne Hausbaum war kein Gehöft. Warum hat sich das so grundlegend geändert?

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Es stimmt, dass die großen Gehöftbäume sehr viel weniger geworden sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Bäume sehr viel weniger genutzt werden. Wenn man keinen Tee und keinen Honig von der Linde mehr braucht, weil man alles kaufen kann, dann braucht man eventuell die Linde auch nicht mehr.

Allerdings erschöpft sich der Nutzen von Bäumen für den Menschen ja nicht in dem, was sie liefern, das Holz eingeschlossen.

Natürlich nicht, Bäume haben viele weitere Funktionen, die nicht immer gleich offensichtlich sind. Sie spenden Schatten, dämpfen Geräusche, sind Sichtschutz, verbessern die Luftqualität, indem sie die Mikropartikel von Feinstäuben binden und schließlich tragen sie auch zum psychischen Wohlbefinden der Menschen bei.

Warum fällen die Leute trotzdem ihre alten Hausbäume? Weil sie durch die herunterfallenden Blätter und Zweige mehr Arbeit haben?

Es wird scheinbar lästiger, Laub wegzukehren. Manchmal denke ich, die Leute gehen ins Fitnessstudio oder machen sonstwas für Anstrengungen, um sich zu bewegen und könnten das so einfach mit Blättern und Blüten von Bäumen haben. In der SZ gab es mal einen schönen Artikel, den zeige ich immer in der Vorlesung, dass man das jährliche Laubfegen als Event mit Nachbarn gestalten kann.

Dass viele Leute trotz immer heißer werdender Sommer ihre Schattenspender fällen, ist dennoch schwer zu verstehen.

In dem Moment, da der Baum weg ist, merken die Leute, dass ihnen Schatten und Kühlung fehlen, dass die Luft schlechter ist und auch das Erlebnis der Jahreszeiten beim Blick auf den Baum fehlt. Das Bewusstsein für den Wert von etwas entsteht ja manchmal erst, wenn es fehlt. Auch wenn man einen neuen Baum pflanzt, bekommt man die Wirkung des alten ja auch nicht unter fünfzehn Jahren wieder ersetzt.

Andreas Roloff leitet seit 1994 den Lehrstuhl für Forstbotanik an der TU Dresden und ist einer der besten Baumkenner Deutschlands.
Andreas Roloff leitet seit 1994 den Lehrstuhl für Forstbotanik an der TU Dresden und ist einer der besten Baumkenner Deutschlands. © Jürgen Loesel

Ich habe neulich über einen Ruderverein geschrieben, da war gerade mit Erlaubnis der Stadt eine kerngesunde riesige Fichte gefällt worden. Auf die Frage warum, hieß es, sie hätte ja aufs Bootshaus fallen können.

Die Angst bei Stürmen hat sehr zugenommen. Das ist nach den vier starken Stürmen letzten und vorletzten Winter ja auch nachvollziehbar. Die Bahn hat immer gesagt, die Bäume sind schuld, als der gesamte Zugverkehr zum Erliegen kam. Allerdings hat sie jahrelang die Baumpflege vernachlässigt, sodass sich dieses Potenzial der Störung angesammelt hatte. Aber im Grunde genommen sind auch Wetterunbilden beherrschbar. Natürlich ist ein Baum nie hundertprozentig sicher, es kann immer einmal etwas abbrechen, im schlimmsten Falle kann er auch umfallen. Allerdings kann das Risiko durch die jährlichen Baumkontrollen erheblich minimiert werden.

Welcher Private lässt denn jedes Jahr seine Bäume kontrollieren? Das macht doch niemand.

Man kann selbst schauen und versuchen einzuschätzen, tote Äste erkennt man ja. Das Bruchrisiko bei Sturm ist allerdings schwieriger einzuschätzen und sollte einem Fachmann überlassen werden.

Will man Bäume als Windschutz anpflanzen, dann müssten sie in der Hauptwindrichtung stehen und es besteht Gefahr, dass sie aufs Haus fallen.

Man muss sich klar machen, wie groß die Baumart wird, die man pflanzt. Wenn man Arten nimmt, die zehn, fünfzehn Meter hoch werden, etwa Obstbaumarten, kann man sich schon viel Ärger sparen, indem das Risiko des Umstürzens minimiert wird. Wenn ein Baum in der Hauptwindrichtung aufwächst, passt er sich von Anfang an. Es ist unbestritten, dass Bäume am Haus für die Lebensqualität enorme Bedeutung haben.

Jetzt sagen die Leute: Wenn mir der Baum aufs Dach fällt, dann zahlt die Versicherung nicht.

Das stimmt so nicht. Bei jährlichen Kontrollen muss die Versicherung zahlen. Die werden von Baumfachleuten durchgeführt. Wenn ein völliger Laie seine Bäume kontrolliert, wird es schwierig bei der Anerkennung von Versicherungsfällen.

Wenn der Baumsachverständige sagt, der Baum ist in Ordnung und er fällt trotzdem aufs Haus?

Dann ist es ein Versicherungsfall. Bei Windstärke zwölf übrigens auch – die meisten Versicherungen sind bei einer solchen Sondersituation kulant.

Wenn jemand ein Eigenheim bauen und Bäume haben will, was würden Sie ihm empfehlen?

Da muss ein ganzer Fächer an Punkten bedacht werden. Von der Baumart über die Größe bis hin zum Wachstum. Schnellwachende Baumarten, wie etwa Pappeln, werden in der Regel auch sehr groß. Sie eignen sich sehr gut als Windschutz, aber man muss sie unter Umständen dann auch nach 30 Jahren wieder beseitigen. Und umgekehrt braucht man bei langsam wachsenden Baumarten wie Eibe oder Hainbuche dreißig Jahre erst einmal überhaupt nichts zu machen. Man sollte die Familie darüber diskutieren lassen, was angepflanzt wird, dann wird es ein Familien-, ein Hausbaum.

Schließt sich damit nicht der Kreis zum eingangs erwähnten Gehöftbaum?

In gewissem Sinne schon. So, wie die Gehöftbäume aus der Mode gekommen sind, sind es auch die Hausbäume, aber sie kommen gerade wieder. Wir haben eine Umfrage in Dresden gemacht, da ging klar hervor, dass die Leute wieder ihren Hausbaum haben wollen. Obstbäume stehen dabei hoch im Kurs. Ganz oben die Kirsche, weil sie nicht groß wird, fantastisch blüht, Früchte liefert, eine sagenhafte Herbstfärbung hat und eine schicke Rinde im Winter. So eine positive Grundeinstellung zum Thema Bäume habe ich noch nie erlebt.

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