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Die Rückkehr nicht bereut

Toni Züchner ist ein Jahr Kino-Chef in Hoyerswerda. Dafür kam der 27-Jährige gern in seine Heimatstadt zurück.

© Hagen Linke

Von Hagen Linke

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Hoyerswerda. Genau zwei Jahrzehnte wird es im Herbst her sein, dass die Ära des „Filmecks“ in Hoyerswerda nach 35 Jahren zu Ende ging. Als sich am Abend des 21. Oktober 1998 rund 50 Besucher zu „Dr. Dolittle“ im einzigen Saal mit 323 Sitzplätzen verloren, war der damals achtjährige Toni Züchner nicht dabei. An das Filmeck erinnert sich der heute 27-Jährige aber schon noch und auch an seinen ersten Film: Disneys „König der Löwen“.

Mittlerweile hat Toni Züchner einiges mehr gesehen und kennt das 1999 an gleicher Stelle eröffnete Theater mit vier Sälen und 900 Plätzen bestens. Vor einem Jahr hat er dessen Leitung übernommen. Nach Peter Mütze und Gerd Sprecher ist der 27-Jährige der dritte Kino-Chef. Und mit Abstand der jüngste. Nach Abitur am Lessing-Gymnasium Hoyerswerda, Kultur- und Management-Studium in Görlitz und dreijähriger Theaterleitung in Pirna war es ein Glücksfall, dass in seiner Heimatstadt die Stelle frei wurde.

Ein Jahr später kann er sagen: „Ich habe die Rückkehr in keinster Weise bereut.“ Von der Betreibergesellschaft CineMotion in Hamburg sei er gut aufgenommen und eingearbeitet worden. Gleiches gilt für das Team vor Ort mit Vorgänger Gerd Sprecher, der weiter auf Mini-Job-Basis im Kino arbeitet und mit dem Toni Züchner freundschaftlich verbunden ist. „Es ist immer gut, wenn man jemanden hat, der das Haus so gut kennt.“

Chef verkauft auch mal Popcorn

Auf sein Team muss sich der Leiter auch verlassen können. Sechs Festangestellte und einige Aushilfen gehören dazu. Den Chef findet man auch an der Kino-Kasse und beim Popcorn-Verkauf. Geöffnet hat das CineMotion 365 Tage im Jahr, und am Wochenende ist von 11 Uhr bis zwei Uhr nachts zu tun. „Das sind schon heftige Schichten“, sagt Toni Züchner, der von einem „durchwachsenen“ Kinojahr 2017 spricht. Sein Wunschziel an Besuchern hat er nicht ganz erreicht. „Ich hätte es gern sechsstellig gehabt“. So lag die Besucherzahl aber etwas unter 100 000. Es gab im zurückliegenden Jahr gute Filme, die für großen Zuspruch gesorgt haben. Der dritte Teil der Komödie „Fack Ju Göhte“ zählt dazu, das Märchen „Die Schöne und das Biest“ oder gegen Ende des Jahres der achte Teil der Science-Fiction-Serie „Star Wars“. Besser als erwartet lief auch die Neuverfilmung des Horror-Klassikers „Es“ von Stephen King.

2018 wird sicher kein einfaches Jahr. Es ist immerhin Fußball-WM, und da haben es Kinos immer schwer mitzuhalten. Aber das Kino-Jahr verspricht einiges: „Es kommen ein paar gute Action-Blockbuster“, blickt Toni Züchner voraus. Und voll wird es sicher nicht nur am 7. Februar, wenn „Befreite Lust“, der 3. Teil der Erotikfilm-Reihe „Fifty Shades of Grey“, eine Woche vor dem offiziellen Filmstart als Preview gleich in zwei Sälen zu sehen sein wird.

Neue Saalbestuhlung geplant
Vielleicht bietet sich die Zeit der Fußball-WM im Sommer auch an, um Umbauten im Haus vorzunehmen. Die Saalbestuhlung müsste erneuert werden. Und am Parkplatz heben sich immer wieder Steine, sodass grundlegend repariert werden muss. „Ich hoffe, dass das in diesem Jahr passieren kann.“

In seinem ersten Jahr als Kino-Chef hat Toni Züchner auch eigene Akzente gesetzt. Konzertübertragungen von Rammstein oder dem Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmore seien gut angenommen worden. Aber auch Klassisches wurde und wird weitergeführt: Die Übertragungen aus der MET-Opera in New York finden Zuspruch. Nächste Aufführung ist Puccinis „La Boheme“ am 24. Februar.

Und dann steht dieses Jahr noch im Zeichen eines Liedermachers, dessen Todestag sich im Juni zum 20. Mal jährt. Die Kulturfabrik Hoyerswerda hat 2018 zum Gerhard-Gundermann-Jahr erklärt und eine Reihe von Aktionen auf den Weg gebracht, unter anderem entsteht mit der „Schaltzentrale Gundermann“ ein Auskunfts- und Informationsdienst. Und im August soll der Gundermann-Film von Andreas Dresen in die Kinos kommen. Die Dreharbeiten sind abgeschlossen. Wenn der Film dann in Hoyerswerda gezeigt wird, kann sich Toni Züchner gut vorstellen, dass Kufa und Kino irgendwie zusammenkommen. Als Konkurrenz sieht er CineMotion und das Kufa-Programm-Kino überhaupt nicht. „Es ist schon ein anderes Publikum“. Züchner ist Kufa-Fan, seine Mutter arbeitet dort. Und wenn er mal keinen Dienst in „seinem“ Kino hat, schaut er sich auch gern ein paar Meter weiter einen Film an.