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Die Spuren der Bronzezeit

Beim Bau des Radweges an der B 96 zwischen Caminau und Wartha sind Bauarbeiter auf Scherben gestoßen. Dahinter verbirgt sich spannende Geschichte.

© A. Hoppel

Von Kerstin Fiedler

Caminau. Was war das für eine Überraschung, als die Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie aus Dresden nach Caminau gerufen wurden. Auf einer Fläche von rund drei Kilometern stießen die Archäologen auf Funde aus der Bronzezeit. Dass es dort etwas gibt, wusste man in Dresden. Dass es sich hier aber um eine so umfangreiche Bestattungsfläche handelte, war eine große Überraschung. Der Leiter des Amtes, Dr. Christoph Heiermann, weiß, dass die Auswertung aller Funde noch eine Weile dauern wird.

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Die Gesamtfläche der Grabung betrug 11 500 Quadratmeter. An der Grabung waren bis zu fünf Personen beteiligt, darunter auch ehrenamtliche Helfer, um die Sache zu beschleunigen, sagt Heiermann. Die bedeutsamsten Funde stammen aus einem Urnengräberfeld, das in der Trasse auf einer Länge von 125 Metern erfasst wurde.

Faszinierende Vielfalt der Gefäße

Heiermann kommt richtig ins Schwärmen, wenn er über die Funde spricht. „So eine komplette bronzezeitliche Bestattung hatten wir bisher eher selten“, sagt er. Jedes einzelne Grab wurde angefasst, freigelegt und präpariert. Teilweise wurden die Urnen, nachdem Asche darin gefunden wurde, wieder verschlossen und eingegipst, damit sie nicht kaputt gehen. „Wir haben sie dann röntgen lassen, um zu sehen, ob sich in der Urne Metallteile befinden“, sagt Heiermann.

In der Bronzezeit wurden die Toten alle verbrannt, es gab keine Skelett-Funde. Und um die Urnen, die sich in Grabgruben befanden, herum befanden sich viele Gefäße. „Faszinierend ist die Vielfalt dieser Gefäße, die wahrscheinlich alle gefüllt waren“, sagt Christoph Heiermann. Das alles war wahrscheinlich, so der Archäologe, Ausdruck eines Rituals, das schwer zu durchschauen ist. „Aus den Beigaben kann man schließen, dass die Menschen damals eine lebhafte Vorstellung von einem Jenseits hatten. Da hat richtig was stattgefunden“, sagt Heiermann. Es gab eine ausgeprägte Verehrung der Ahnen. Das habe man im Raum Bautzen schon öfter entdeckt, so zum Beispiel in Niederkaina, wo tausende Darstellungen vom Jenseits und der Totenverehrung entdeckt wurden.

Entdeckt wurde zum Beispiel eine Urne, an der eine Bronzenadel angebracht war. Die Fachleute vermuten, dass die Urne eingewickelt war mit etwas, das der Verstorbene getragen hat. Die Nadel hat den Stoff zusammengehalten. So könnte das den Menschen symbolisieren, der hier beerdigt wurde. Die gefundene Asche sei auch nicht wie heute pulverisiert, sondern enthält zerbröselte Knochen. Die wiederum waren in der Urne so eingelagert, als ob der Mensch stehen würde – also in aufrechter Position. „Warum das so gemacht wurde, wissen wir noch nicht. Aber wir wissen, dass die Toten sehr geschätzt wurden und ein riesiger Aufwand zur Beerdigung betrieben wurde“, sagt Christoph Heiermann. Ideell und wissenschaftlich gesehen haben also diese Funde eine große Bedeutung, schätzt er ein.

Reste von Siedlungsspuren

Insgesamt wurden dort 68 Gräber aus der Jungbronzezeit (etwa 1350 bis 750 v. Chr.) und der Frühen Eisenzeit (etwa 750 bis 500 v. Chr.) dokumentiert und geborgen. Zahlreiche der Bestattungen waren durch die Wurzeln der nahe gelegenen Aufforstungen beschädigt und zerscherbt. Im nördlichen Abschnitt der Grabung konnten die Archäologen auch Reste von Siedlungsspuren aus der Belegungszeit des Gräberfeldes entdecken, darunter Pfostengruben, die wahrscheinlich zu einem Haus gehört haben.

Die Arbeiten der Archäologen fand zwischen August und Dezember 2017 statt. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das für den Bau des neuen Radwegs zwischen Caminau und Wartha zuständig war, sowie die Baubetriebe, die zum Teil in Zeitverzug gerieten, durften die Information über die Grabungen nicht weitergeben. „Wir haben leider schlechte Erfahrungen gemacht mit Hobby-Archäologen“, sagt Christoph Heiermann. Zudem gebe es immer „Schatzsucher“, die dann mit Metalldetektoren über die Fläche laufen und dann alle Funde zerstört wären. Jetzt, nach Übergabe des Radwegs, präsentiert das Landesamt gern die Ergebnisse.