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Die Tischlerei Loschke möbelt auf

In Oppach wird eine neue Produktionshalle gebaut. Obwohl dort bald ein Roboter arbeitet, entstehen neue Arbeitsplätze.

© Rafael Sampedro

Von Gabriela Lachnit

Oppach. So geht das nicht weiter. Die Tischlerei platzt aus allen Nähten, wir müssen bauen. Das hat Tobias Loschke vor etwa vier Jahren beschlossen. Er ist seit 2005 der Geschäftsführer der Tischlerei Loschke in Oppach. In dritter Generation führt der 46-jährige Tischlermeister den Betrieb, der im vergangenen Jahr sein 85-jähriges Bestehen gefeiert hat. In dieser Zeit gab es immer wieder An- und Umbauten an der Tischlerei. Das wiederum hatte zur Folge, dass Material und Werkstücke häufig von einer Maschine zur nächsten transportiert werden müssen. Das ist uneffektiv und bringt die 22 Mitarbeiter oft ans Limit. Denn die Auftragsbücher sind ziemlich voll. Lagerflächen hat die Tischlerei Loschke anderswo anmieten müssen. Die Transportwege sind dementsprechend lang.

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Das wird demnächst ein Ende haben. Tobias Loschke baut eine neue Produktionshalle. 70 mal 30 Meter misst sie in ihrer Ausdehnung. Die Halle wird nicht nur eine sehr große neue Maschine beherbergen, sondern auch Platz bieten für andere Maschinen zur Holzbearbeitung, für Sozialräume und Sanitäranlagen für die Mitarbeiter und für Lagerflächen. Rund drei Millionen Euro investiert die Tischlerei in dieses Projekt. 40 Prozent davon sind Fördermittel. „Der Neubau und die Erweiterung unserer Produktionsflächen und -kapazitäten sind in der Geschichte der Tischlerei bisher das größte Vorhaben“, sagt der Tischlermeister. Ehefrau Ines, die im Unternehmen als kaufmännische Angestellte tätig ist, ergänzt: „Zwischen der ersten Idee und dem Richtfest lagen vier Jahre, die wir gebraucht haben, um das Vorhaben vorzubereiten.“ Neben der Planung für die Erweiterung waren Fördermittel zu beantragen, Grundstücksankäufe zu regeln, die Fläche für die neue Halle vorzubereiten und vieles mehr. Etliche Hürden mussten genommen werden. Unter anderem die mit dem Bauen im Landschaftsschutzgebiet. Ein großer Teil der neuen Halle steht in einem minderwertigen Landschaftsschutzgebiet, das früher eine Müllhalde war. Für den Neubau hat die Tischlerei eine Sondergenehmigung erhalten.

Die lange und gründliche Vorbereitung zahlt sich jetzt aus. Der Bau läuft gut. Im Oktober soll die neue Produktionshalle bezogen werden. Dort findet dann auch neue Technik ihren Platz, darunter eine Materialplattenaufteilsäge mit automatischem Lager. So lang wie der Name dieser CNC-Maschine ist, so groß ist sie auch. „Und wird nur von einem Mitarbeiter bedient – Technik, die begeistert“, sagt der Tischlermeister. Außerdem finden in der Halle die Lackiererei mit Reinstraumbedingungen und zwei neue Bearbeitungszentren ihren Platz. Mit diesen Zentren werden zum Beispiel in einem Durchgang zehn bis 15 Arbeitsschritte gleichzeitig und in sehr hoher Präzision ausgeführt.

Mitte des nächsten Jahres soll die Produktion in der neuen Halle laufen. Trotz der neuen Technik, die viele Arbeitsgänge rationeller erledigt, werden vier neue Mitarbeiter benötigt. Denn über mangelnde Aufträge kann sich die Tischlerei nicht beschweren. „Das ist gut so, denn sonst hätte ich die große Investition nicht machen können“, sagt der Geschäftsführer. Mittlerweile stattet die Tischlerei Loschke das 19. Kreuzfahrtschiff aus. „Alles, was krumm und buckelig und aus Holz ist, machen wir. Gerade kann jeder“, sagt Loschke mit leuchtenden Augen und erzählt weiter von Möbeln und Einrichtungen, die die Tischlerei gefertigt hat, unter anderem für das Haus der Presse in Dresden. Demnächst realisiert die Tischlerei für eine kleine Neubau-Villa in der Region den kompletten Innenausbau mit Möbeln und Einbauschränken. Das seien dann die Aufträge, an denen sich Tobias Loschke und seine Mitarbeiter kreativ „austoben“ können, anders als bei den Aufträgen für die Schiffe, die meistens exakt vorgegeben sind. „Das macht dann richtig Spaß“, sagt der Chef und denkt an den Fleischerladen Ganske auf dem Obermarkt in Neusalza-Spremberg zurück. Dort hat er sich ein Konzept ausgedacht, das dem Fleischermeister so gut gefallen hat, dass er gleich noch den Laden in Wilthen von der Firma Loschke ausbauen ließ.

Ines Loschke ergänzt, dass die Firma aber auch Werkstoffe wie Glas, Leder, Edelstahl und Kunststoffe verarbeitet. Sogar feinste englische Tapeten haben die Mitarbeiter in Schiffskabinen schon angebracht. Nur etwa drei Prozent des Umsatzes realisiert die Firma im Landkreis Görlitz, 30 Prozent in Sachsen und den „Rest“ in aller Welt. Dass das so bleibt, dafür engagieren sich die Mitarbeiter, von denen viele länger als zehn Jahre in der Firma tätig sind. Obwohl Tobias Loschke mit seinen 46 Jahren noch viele Arbeitsjahre vor sich hat, freut er sich, dass mit Sohn Kevin, der in Rosenheim Innenausbau studiert, die vierte Generation in den Startlöchern steht. Der junge Mann kommt nächstes Jahr zurück nach Oppach und arbeitet in der Tischlerei mit.