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Die verschwundenen Rebhühner

Vor zehn Jahren hatten Jäger bei Wehlen mehrere Hundert Tiere ausgewildert. Jetzt gibt es eine schlechte Nachricht.

Von Heike Wendt

Von Weitem wirken sie eintönig grau, aus der Nähe ist der rötliche Kopf zu erkennen. Rebhühner kommen in mehreren Märchen vor, am bekanntesten ist wohl das vom gestiefelten Kater. Der schlaue Strippenzieher fängt sie in einem Sack, überlässt diese dem König des Landes als ein Geschenk seines Herrn, und wird dafür mit Gold belohnt. Was sich schon in Kindertagen aus dem Märchen der Gebrüder Grimm in den Köpfen festgesetzt hat, wirft heute Fragen auf. Wie sehen eigentlich Rebhühner aus? Wo leben sie? Was fressen sie? Und darf man sie jagen?

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Die Jäger um Hans-Gerald Beyer vom Hegering Bastei verbindet eine besondere Sympathie mit den Hühnervögeln. „Sie gehören hier in die Landschaft“, sagt der Jägerchef aus Waltersdorf. Vor über zehn Jahren hatten er und seine Kollegen versucht, die mittlerweile vom Aussterben bedrohten Vögel wieder anzusiedeln. In Deutschland wird das Rebhuhn als stark gefährdet eingestuft. Allein zwischen 1995 und 2005 sind die Rebhuhnbestände in Sachsen um 90 Prozent wegen fehlender Nahrung zurückgegangen. Höchste Zeit zum Handeln.

Als „Vorarbeit“ pflanzten Jäger und Naturfreunde im auserkorenen Lebensraum an der Harthe zwischen Dorf Wehlen und Mockethal verschiedene Gehölze in Heckenstreifen. Mehrere Biotope wurden angelegt, einige Sandhügel für die Hühner stehen gelassen. „Die Agrarproduktion Lohmen, die umliegende Flächen bewirtschaftet, hat uns dabei unterstützt“, sagt der Jäger. Drei Jahre später kamen die ersten Jungtiere aus Pritzwalk. Dort werden im Hainholz, einer Naturschutzstation, Rebhühner für die Auswilderung aufgezogen. „Das machen wir noch heute“, sagt Vereinsvorsitzender Ingo Sonnenberg von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Regionalverband Prignitz. Allerdings sind in letzter Zeit keine nach Sachsen geliefert worden. „Das Schwierige“, erklärt der Experte, „sind die ersten Lebenswochen der Küken.“ Die Steppentiere brauchen freie Flächen und genügend Nahrung wie Insekten. Die finden sie an Blühpflanzen – diese allerdings fehlen in landwirtschaftlich genutzten Flächen oft. Von den etwa 400 ausgewilderten Rebhühnern lebt noch eine einzige Familie in der Harthe bei Wehlen. Einige suchten auf Bauernhöfen die Nähe der Menschen. Dort waren sie leichte Beute für Katzen und Marder. „Was noch da ist, ist viel zu wenig“, findet Hans-Gerald Beyer. Einen der Hauptfeinde, den Fuchs, hatten die Jäger rechtzeitig bejagt. Auch Wilfried Große aus Mutzschen im Raum Leipzig hat sich der Rebhühner angenommen. Der erfahrene Rassegeflügelzüchter nimmt seit zwei Jahren an einem landesweiten Projekt teil, das Bodenbrütern wie dem Rebhuhn bessere Chancen geben soll. Vier Hektar seiner Flächen lässt er als Naturschutzbrache, insgesamt zehn hat er den Rebhühnern mit Heckenstreifen und Blühpflanzen vorbehalten. Bis zu 70 Eier haben seine Rebhuhnpärchen gelegt, normal sind 10 bis 20. „Wir haben es mit Wachteln als Glucken versucht, das funktioniert ganz gut“, verrät er. Der Rebhuhnnachwuchs sollte lernen, wie man sich Futter sucht und vor Feinden flüchtet. Insgesamt 150 Tiere hat Wilfried Große inzwischen ausgesetzt. Sein Problem: Die Tiere kommen auf seinen Hof zurück, suchen dort nach Futter. „Sie sind zu zahm. Besser wäre, sie suchten sich in der Landschaft ihr Revier.“