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Die Welt als Ersatzteillager

Von der Algenzucht bis zum Energiepark – Projekte zur Wiederbelebung des Schlachthof-Areals

Von Udo Lemke

Der Himmel ist grau, eben ist die Sonne in den Wolken verschwunden, kein Mensch ist auf dem Riesenareal zu sehen, nur die Seile an irgendwelchen Fahnenmasten klingeln im Wind. „Immer schön positiv denken“, sagt Martin Bittner. Und das ist angesichts des ehemaligen Naunhofer Schlachthofs auch dringend vonnöten. Anfang der 1990er Jahre wurden 180 Millionen D-Mark, umgerechnet 90 Millionen Euro, investiert, um hier täglich bis zu 10 000 Rinder und Schweine zu schlachten. Ende 1999 war Schluss, seitdem kann Naunhof für sich in Anspruch nehmen, eine der größten Investruinen Deutschlands, in die auch 28 Millionen D-Mark Fördergelder versenkt worden sind, zu verfügen.

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Vom vorerst letzten Projekt zur Wiederbelebung des Schlachthof-Areals zeugt dieses große Werbeschild am Eingang. Ziel war es, einen Energiepark zu gründen.
Vom vorerst letzten Projekt zur Wiederbelebung des Schlachthof-Areals zeugt dieses große Werbeschild am Eingang. Ziel war es, einen Energiepark zu gründen.

Für Martin Bittner spielt diese Vergangenheit nur insofern eine Rolle, als sie ihm Zukunft ermöglicht. Denn der 32-Jährige hat auf dem Schlachthofgelände die einstige 350 Quadratmeter große Lkw-Waschanlage gepachtet und dort das Lager für seinen Ersatzteilhandel eingerichtet. In langen Regalen stapeln sich Teile für Mopeds und Motorräder, „alles in allem dürften es etwa 30 000 Stück sein“, so Martin Bittner. Eigentlich ist er ja gelernter Bäcker, aber weil er keine Lust mehr hatte, sich ausbeuten zu lassen, wie er sagt, ist er zum „Zweiradmessie“ geworden. Unter diesem Namen findet man seine Unternehmung im Internet. Und auf seiner Visitenkarte ist zu lesen „DERMOPEDAUSDEMWESTENZURÜCKHOLER“. Damit ist sein Geschäftsmodell beschrieben: „Ich hole die Teile europaweit mit meinem Bus.“ Vor allem aber aus dem Westen Deutschlands, wohin es nach der Wende unzählige Mopeds und Motorräder aus DDR-Produktion verschlagen hatte. Martin Bittner kauft sie dort auf, zerlegt sie in Naunhof und verkauft die Einzelteile via Internet oder direkt vor Ort. Die Preisdifferenz ist sein Gewinn. Und der kann beträchtlich sein. Er bekommt schon mal eine Kiste mit 30 Ersatzteilen für zehn Euro, verkauft aber selbst keines der Teile unter zehn Euro. Allerdings ist bei dieser Rechnung seine Leistung beim Aufarbeiten der Teile nicht mit eingerechnet.

Da Martin Bittner keine Mitarbeiter beschäftigt und keine Familie zu versorgen hat, kann er über seine Arbeitszeit völlig frei verfügen. Hat er keine Lust, arbeitet er nicht, hat er Lust, arbeitet er. Letzteres dürfte deutlich überwiegen. „Ich mache das gern, es ist mein Hobby, und ich arbeite auch schon mal sonntags.“

Der Zweiradteile-Handel ist eines der Unternehmen, die derzeit auf dem Gelände des Schlachthofes angesiedelt sind. Seit vergangenem Jahr gibt es einen Handel mit Teakholzmöbeln und seit September hat der Army-Shop Dresden hier ein Lager. Demnächst will die Firma Orthopädie-Technik Sanitätshaus Lenk GmbH aus Meißen Lagerfläche anmieten. Allerdings verfügte der Schlachthof über eine Produktionsfläche von 20 000 Quadratmetern – es ist also noch viel Platz auf dem Areal.