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Die Zukunft der Scheune ist ungewiss

Weil das Kulthaus in der Neustadt ab 2021 saniert wird, suchen die Betreiber nach einer zweiten Bleibe – auch in anderen Dresdner Stadtteilen.

Er hofft, dass bis zum Jahresende ein Plan steht: Magnus Hecht, Vorstand des Scheune-Vereins, könnte sich mit einem neuen Standort anfreunden.
Er hofft, dass bis zum Jahresende ein Plan steht: Magnus Hecht, Vorstand des Scheune-Vereins, könnte sich mit einem neuen Standort anfreunden. © Christian Juppe

Die Zeit läuft. Bis zum Jahresende muss ein Plan stehen. „Sonst werden wir ehrlich nervös. Und wahrscheinlich sogar ein bisschen panisch“, sagt Magnus Hecht. Ein Kulturhaus wie die Scheune lässt sich schließlich nicht in ein paar Tagen abwickeln. Wobei abwickeln zu sehr nach Abschied klingt. Vielmehr muss eine gut durchdachte Zwischenlösung für das Neustädter Traditionshaus gefunden werden, das ab 2021 umfassend saniert werden soll. 

Zwei Jahre sind für die Bauarbeiten angesetzt, mindestens so lange muss das Haus komplett schließen. „Das ist für jeden Veranstalter ein enormes Risiko“, sagt der Vorsitzende des Scheune-Vereins. Die Angst, dass die Marke über die lange Sanierungsphase Schaden nimmt, ist groß.

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„Wir könnten vergessen werden, andere könnten unsere Lücke besetzen und wenn wir wiederkommen, funktioniert unsere Idee nicht mehr, sind wir einfach nicht mehr gefragt. Deswegen müssen wir jetzt dringend verschiedene Szenarien durchdenken. Wir sind in der heißen Phase“, zählt Hecht alle Eventualitäten auf. 

Mehrere Optionen sind für den Fortbestand der Scheune denkbar. Im Gespräch ist ein Interimsstandort – eine Herausforderung angesichts der Tatsache, dass die komplexe Logistik rund um 300 Veranstaltungen im Jahr ausgelagert werden muss. Das Amt für Liegenschaften spricht dazu mit der Scheune-Geschäftsführung. Über konkrete Optionen will sich Hecht nicht äußern. Nur so viel verrät er: Mit der alten Postkantine auf der Königsbrücker Straße wird geliebäugelt. „Aber ob das Gebäude die Anforderungen an Lärm- und Brandschutz erfüllen könnte, sei erst einmal dahingestellt.“

In der Neustadt zu bleiben – das wäre die sicherste Variante, um das Kulturhaus am Leben zu erhalten. Doch geht es nach Hecht, auch Mitglied im Stadtvorstand der Linken, wäre ein Experiment in einem anderen Stadtteil durchaus reizvoll: in Löbtau, Gorbitz oder Prohlis. „Als wir mit der Scheune angefangen haben, hat unsere Kulturarbeit den Stadtteil beflügelt. Um uns herum sind neue Einrichtungen, Klubs, Kulturhäuser entstanden. Eben all das, wofür man die Neustadt heute noch schätzt. Es wäre verlockend, diese Geschichte woanders zu wiederholen und als Impulsgeber ein Viertel mit zu entwickeln. Gerade vor dem Hintergrund der Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025, in der es ja schwerpunktmäßig, um die Stadtentwicklung durch Kulturarbeit geht.“

Dafür braucht es die Unterstützung der Stadtverwaltung. „Nur das Liegenschaftsamt weiß, wo es noch freie Gebäude gibt oder welche 2020 frei werden“, sagt er. Ein Veranstaltungssaal für mindestens 200 Leute – das ist die eine Anforderung, die Hecht an das Interimshaus stellt. Etwas anderes kommt hinzu: „Es muss in einem guten Zustand sein. Wir können nicht noch jede Menge Geld investieren, um es überhaupt bespielen zu können.“

Parallel dazu braucht es einen Plan für den Scheune-Vorplatz. Weil sich die Freifläche vor dem Kulturhaus als Kriminalitätsschwerpunkt herauskristallisiert hat und von der Polizei als gefährlicher Ort definiert wird, hat die Scheune eine Art Patenschaft für den Platz übernommen. Das Ziel: Mit Kulturveranstaltungen soll die Fläche belebt und quasi umgewidmet werden. 

Dieser Prozess sei gerade erst angestoßen worden, meint Hecht. Es sei noch Luft nach oben und neue Ideen jederzeit willkommen. „Wenn wir im nächsten Jahr die Umzugskartons packen, müssen wir auch überlegen, was das für den Vorplatz heißt“, so Hecht. Eine ständige Präsenz ist in seinen Augen nötig. Die Scheune könnte ähnlich wie die Neustadt-Kümmerin in einem Baucontainer ein improvisiertes Büro beziehen. „Mit einer oder zwei Personen, die sich um Veranstaltungen kümmern.“

Sollte die Interimsidee platzen, bliebe noch eine Lösung: Die Scheune würde mobil arbeiten und mit anderen Klubs kooperieren, in die sie sich für Veranstaltungen einmietet. Zusätzlich könnte ein mobiler Wagen ortsunabhängig Programm machen. Das sei laut Hecht nicht die erste Wahl, aber eine mögliche Zukunftsoption. Fest steht eins: „Es wäre verheerend, wenn das Haus für mehrere Millionen Euro saniert wird, aber das Konzept danach nicht mehr funktioniert. Wir müssen vorsorgen. Und vor allem müssen wir bald zu ersten Ergebnissen kommen.“