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Meißen

Diese Kommunen haben die meisten Schulden

Nicht alles können die Städte und Gemeinden aus eigener Tasche bezahlen. Manche stottern deshalb hohe Kredite ab.

Straßenbau, schnelles Internet und neue Schulen - die Kommunen im Kreis haben zahlreiche Ausgaben, für die sie teils Schulden machen müssen.
Straßenbau, schnelles Internet und neue Schulen - die Kommunen im Kreis haben zahlreiche Ausgaben, für die sie teils Schulden machen müssen. © Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpa

Landkreis. In der offiziellen Statistik ist es noch gar nicht vermerkt, doch in den Unterlagen der Stadt Coswig ist die frohe Kunde bereits angekommen: Seit Anfang dieses Jahres steht die Coswiger Schuldenuhr auf null. Kurz vor Jahreswechsel hat die Stadt ihre restlichen Schulden in Höhe von 2,3 Millionen Euro beglichen. Nun ist sie eine der wenigen Kommunen im Freistaat Sachsen, die schuldenfrei sind.

Bis dieser Erfolg in der offiziellen Übersicht des Statistischen Landesamtes auftaucht, kann es aber dauern. In der Behörde rechnet man erst Mitte 2020 mit der Zusammenstellung der aktuellen Zahlen zum Schuldenstand der Kommunen. Dann wird feststehen, welche Städte und Gemeinden im Landkreis Meißen vergangenes Jahr die beste Entwicklung hingelegt haben. Doch wie steht es denn allgemein um die Verschuldung der Kommunen in der Region? Die SZ gibt einen Überblick.

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Welche Kommunen im Kreis Meißen haben die wenigsten Schulden?

Die Gemeinde Glaubitz ist in Sachen Verschuldung schon seit Jahren Spitzenreiter im Kreis Meißen. Zu Beginn des Jahres 2019 wies sie laut Statistischem Landesamt einen Schuldenstand von fünf Euro je Einwohner auf. Genau genommen ist die Gemeinde aber sogar schuldenfrei, sagt Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos). Denn die Statistik beinhalte auch noch nicht fällige Rechnungen. Offene Kredite habe die Gemeinde aber keine, so Thiemig.

Etwas hinter Glaubitz folgt die Gemeinde Priestewitz mit einem Schuldenstand von 32 Euro pro Einwohner. Nur eine weitere Gemeinde schafft es unter die 100-Euro-Grenze: In Nünchritz belief sich der Schuldenstand Anfang vergangenen Jahres auf 87 Euro je Einwohner. Laut Angaben von Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) ist der Wert mittlerweile auf unter 60 Euro je Einwohner gesunken. Das Ziel, irgendwann schuldenfrei zu werden, verfolge die Gemeinde aber nicht, so Barthold.

© SZ-Grafik

Ganz anders sieht das in Weinböhla aus. Zu Beginn des vergangenen Jahres lasteten auf der Gemeinde noch Schulden in Höhe von 178 Euro je Einwohner. Nach Angaben von Kämmerer Ronald Schindler sind es nun 21 Euro weniger geworden. Auch künftig sollen die Schulden weiter sinken: Weinböhla will keine Kredite mehr aufnehmen und Investitionen lediglich aus Eigenmitteln und investiven Zuwendungen stemmen. Der Plan sieht vor, die letzten Darlehen im Jahre 2024 abzulösen. Dann wäre Weinböhla schuldenfrei. Und damit auf einer Ebene mit der Stadt Coswig, die zu Beginn des vergangenen Jahres noch Schulden von 137 Euro je Einwohner hatte. Mittlerweile steht der Wert bei null.

Welche Städte und Gemeinden im Kreis haben die meisten Schulden?

Den mit Abstand größten Schuldenberg im Kreis Meißen hat die Stadt Riesa. Anfang vergangenen Jahres beliefen sich die Schulden der Stadt auf mehr als 35 Millionen Euro. Das macht eine Verschuldung von 1.162 Euro je Einwohner. Noch schlimmer sieht es in Strehla aus. Dort lagen die Schulden zu Beginn vergangenen Jahres bei 1.170 Euro je Einwohner. Die beiden Städte sind die einzigen Kommunen im Kreis, die eine Pro-Kopf-Verschuldung von mehr als 1.000 Euro aufweisen. Im Durchschnitt haben die Kommunen im Kreis eine Verschuldung von rund 557 Euro je Einwohner.

Nicht immer war die Stadt Strehla negativer Spitzenreiter im Kreis Meißen. Bis zum Jahr 2015 war die Verschuldung je Einwohner fast doppelt so niedrig wie heute. Doch dann nahm die Stadt Kredite für den Bau einer Abwasseranlage auf, die die Ortsteile an das zentrale System der Stadt anschloss. In Riesa dagegen baut man seit Jahren Schulden ab. Trotzdem ist der Berg noch groß. Ein Teil davon, etwa elf Millionen Euro, sind auf die spekulativen Zinswetten mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zurückzuführen, die der ehemalige Finanzbürgermeister Markus Mütsch eingefädelt hat. Stadtrat und Verwaltung haben damals die Notbremse gezogen und sind mit einem komplizierten Vergleich vorzeitig aus den Derivat-Geschäften ausgestiegen. Der wirkt sich aufgrund des Haushaltsrechts jedoch nicht auf die Pro-Kopf-Verschuldung der Riesaer aus. Denn die Schulden bei der LBBW werden in Form von Zinsen abgezahlt. Diese finden keinen Eingang in die Statistik der Pro-Kopf-Verschuldung.

Die Schulden der hiesigen Kommunen bestehen laut Angaben des Statistischen Landesamtes vor allem aus Krediten, Wertpapierschulden und offenen Rechnungen aus Dienstleistungen. (mit SZ/pz)

Hinweis: In der ursprünglichen Version dieses Textes fehlte der Hinweis, dass die Derivat-Geschäfte der Stadt Riesa sich nicht auf die Pro-Kopf-Verschuldung auswirken. Wir haben dies nachgebessert.

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