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Döbelner Kinderärzte kürzen Bereitschaftszeit

Am Wochenende sind die Ärzte nur noch zwei Stunden erreichbar. Ab Frühjahr 2021 dann gar nicht mehr.

Bisher hatte die Praxis von Dr. Margit Richter in Döbeln am Wochenende sowie an Feiertagen sowohl vormittags als auch nachmittags mit einer Notsprechstunde für Patienten geöffnet. Ab Montag gelten neue Zeiten.
Bisher hatte die Praxis von Dr. Margit Richter in Döbeln am Wochenende sowie an Feiertagen sowohl vormittags als auch nachmittags mit einer Notsprechstunde für Patienten geöffnet. Ab Montag gelten neue Zeiten. © Dietmar Thomas

Döbeln. Fieber, Ohren- oder Halsschmerzen, Atemwegsinfekte – wenn Kinder am Wochenende leiden, sind Eltern oft verunsichert. Wirklich beruhigen kann da oft nur der Kinderarzt. Der hat aber am Wochenende eigentlich, wie andere Ärzte auch, zu. In der Region Döbeln gibt es jedoch einen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst. Doch dieser wird voraussichtlich ab April 2021 wegfallen. Und bis dahin deutlich eingeschränkt werden.

Den Bereitschaftsdienst in der Region teilen sich derzeit die Praxisgemeinschaft von Dr. Eckhardt Erdmann und Susann Bley, Dr. Margit Richter sowie Antje Wiederanders, deren Praxis als Zweigstelle des Helios-MVZ Rochlitz betrieben wird. Neben der Rufbereitschaft an den Wochenenden von 7 bis 19 Uhr sind die Mediziner laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen (KVS) bisher mittwochs und freitags von 14 bis 19 Uhr sowie am Wochenende und feiertags von 9 bis 11 Uhr und von 17 bis 18 Uhr in ihren Praxen zu erreichen.

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„Die Dienstgruppe der Kinderärzte Döbeln besteht aber nur aus vier Ärzten. Dadurch ist die individuelle Dienstbelastung neben der Tätigkeit in der eigenen Praxis sehr hoch“, heißt es in einer Erklärung der KVS zu dem Thema. Um die Situation für alle Ärzte zu entspannen, wurde daher eine Reduzierung der Zeiten abgestimmt. Ab Montag gelten die neuen Zeiten.

Dann ist der zuständige Arzt laut KVS mittwochs von 16 bis 18 Uhr sowie freitags von 14 bis 16 Uhr in der Praxis, am Wochenende sowie an Feiertagen nur noch von 10 bis 12 Uhr. Parallel dazu stehe den Patienten jedoch der allgemeinärztliche Notdienst in Form von Hausbesuchen zur Verfügung. „Dem Patienten steht es grundsätzlich frei, welchen Arzt er für eine Behandlung im Bedarfsfall aufsucht“, so KVS-Sprecherin Katharina Bachmann-Bux. Sie schränkt aber ein, dass Patienten unter 18 Jahren – soweit verfügbar – auf den kinderärztlichen Dienst zurückgreifen sollten.

Außerhalb der Bereitschaftsdienstzeiten können sich die Eltern an die Kliniken wenden. „Wir bedauern die Entscheidung, den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst einzuschränken. Natürlich sind wir als Kinderklinik aber jederzeit auf die Behandlung akuter Erkrankungen sowie Notfälle bei Kindern vorbereitet und sind für die Eltern und Kinder als Ansprechpartner da. Das gilt sowohl während als auch außerhalb der regulären Sprechzeiten von Praxen oder des Bereitschaftsdienstes“, äußerte sich Juliane Dylus, die Sprecherin der Helios-Klinik. Zwar könne die Klinik es noch nicht abschließend beurteilen, aber es werde davon ausgegangen, dass in den Zeiten, an denen kein ärztlicher Bereitschaftsdienst zur Verfügung steht, mehr Patienten versorgt werden müssten.

Aber zur Entlastung der Kliniken sollten sich die Eltern trotzdem in erster Linie an die Kinderärzte vor Ort wenden und wirklich nur im Notfall an die Klinik, betont Margit Richter. In zwei Stunden könnten auch einige Patienten behandelt werden. Dennoch begrüßen weder sie noch Eckhardt Erdmann die Entwicklung. Doch bei der Einschränkung der Dienste wird es nicht bleiben. Sie ist nur eine Übergangslösung, bevor die Reform des Bereitschaftsdienstes in der Region umgesetzt wird.

Portalpraxen kommen im April 2021

Im Zuge derer werden die kinderärztlichen Bereitschaftsdienste in Döbeln ganz wegfallen. Ansprechpartner für Eltern und Patienten soll dann eine Portalpraxis am Klinikum in Mittweida sein, wie Margit Richter sagt. Seitens der KVS Sachsen wird das bestätigt. Ursprünglich war die Praxis bereits für den 1. Oktober 2020 geplant. Doch aufgrund der Pandemie-Situation ist deren Eröffnung auf den 1. April 2021 verschoben worden, informierte die KVS-Sprecherin. Im Rahmen der Reform werden die bisher fünf Bereitschaftsdienstbereiche in den Regionen Döbeln und Mittweida zu einem gemeinsamen Bereich Döbeln/Mittweida zusammengelegt. An beiden Kliniken werden allgemeinärztliche Bereitschaftspraxen entstehen. In Mittweida werde zusätzlich ein kinderärztlicher Bereitschaftsdienst angeboten, so Bachmann-Bux.

„Mit der Lösung sind wir nicht glücklich. Wir finden das sehr schade“, sagt Margit Richter, die seit einigen Jahren für die Einteilung der Bereitschaftsdienste der Kinderärzte in der Region zuständig ist. Sie habe auch versucht, diese Entwicklung zu verhindern. Doch das sei ihr nicht gelungen. Die Regierung habe diesbezüglich Gesetze beschlossen, die nun umgesetzt werden. Hintergrund sei, dass allgemein viele Kollegen nicht mehr bereit seien, die Dienste in dem Umfang zu übernehmen. „Aber auf Herrn Dr. Erdmann und mich trifft das nicht zu. Wir hätten das gern so weiter gemacht“, betont Richter.

Etwa 50 Patienten am Wochenende

In den vergangenen Wochen sei die Auslastung des Bereitschaftsdienstes auch aufgrund der Corona-Krise nur sehr gering gewesen. „Während der Infektstoßzeit ist die Frequenz sehr viel höher“, sagt Richter über die Auslastung der Notsprechstunden. Zwischen 30 und 50 Patienten sind dann mitunter in der Praxis. Die Rufbereitschaft werde nur wenig in Anspruch genommen.

Florian Claus, der Geschäftsführer der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH, freut sich auf die geplante Zusammenarbeit, welche die Notfallbehandlung im Landkreis zukünftig deutlich effektivieren werde. Schon jetzt stehe die pädiatrische Notaufnahme und Notfallambulanz an 365 Tagen und Nächten den Patienten zur Verfügung. „Dies ist natürlich auch der Fall für die Zeiten, in denen der kinderärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung nicht zur Verfügung steht. Wir verzeichnen in diesen, genau wie beispielsweise bei der Notfallambulanz für Erwachsene, erhöhte Inanspruchnahmen an Wochenenden und Feiertagen“, erklärte der Geschäftsführer.

Personelle Auswirkungen auf das Klinikum werde die Einschränkung der Bereitschaftsdienste der Kinderärzte in Döbeln nicht haben. „Wir halten bereits jetzt ausreichend Personal für die Versorgung kinderärztlicher Notfälle vor. Auch für unsere Geburtshilfe steht immer ein Kinderarzt zur Verfügung“, meinte Claus.

Hintergrund der Änderungen des Notdienstes ist die Gesundheitsreform von 2015. Diese verpflichtet die KVS dazu, den Dienst auch durch Kooperation und organisatorische Verknüpfung mit den zugelassenen Kliniken sicherzustellen. Hinzu kamen weitere Faktoren, wie der demografische Wandel bei Ärzten. Dies führte zur 2017 für Sachsen beschlossenen Reform des Bereitschaftsdienstes. 

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Ziel sei es damit unter anderem, die Notdienstbereiche von 95 auf 23 zu reduzieren und die Dienstfrequenz gering beziehungsweise in vertretbarem Rahmen zu halten. Auswahlkriterien für die Kliniken mit Portalpraxen waren unter anderem die gute Erreichbarkeit für die Patienten, möglichst viele ambulante Fälle außerhalb der Praxisöffnungszeiten, um die Notaufnahmen zu entlasten, sowie das Vorhandensein entsprechender Fachabteilungen. Mitte 2018 eröffneten die ersten Praxen in Sachsen. Bis Ende 2021 soll der Prozess abgeschlossen sein.

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