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Drachenbahn fährt für Tschechen ab

Die Heintzes sind ein Urgestein auf dem Gierschdurfer Schissn. Die Achterbahnbesitzer sind neben den Inhabern des Autoscooter- und des Breakdance-Fahrgeschäfts die treuesten Schausteller des traditionellen Jacobimarktes.

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Von Madeleine Friedrich

Die Heintzes sind ein Urgestein auf dem Gierschdurfer Schissn. Die Achterbahnbesitzer sind neben den Inhabern des Autoscooter- und des Breakdance-Fahrgeschäfts die treuesten Schausteller des traditionellen Jacobimarktes. „Mein Vater hat in den 60er Jahren mit meiner Mutter als Schausteller mit Schaukel und Schießbude begonnen“, erklärt der 47-Jährige Oderwitzer. 1977 kam ein Eisstand dazu, den Heintze noch heute mit Softeis betreibt. Statt einer Schaukel ist Heintze seit 1992 stolzer Besitzer der Drachenbahn.

Steffen Heintze ist mittlerweile Teil einer Schaustellerdynastie: Seine Frau und sein Sohn Robert sowie dessen Freundin bereisen inzwischen zusammen mit Fahrgeschäft und Wohnwagen ganz Sachsen und Teile Brandenburgs.

Der Jacobimarkt ist für Familie Heintze etwas ganz besonders: Deshalb freuen sie sich, dass das Fest wachsen soll: Marktmeister René Linke hat tüchtig die Werbetrommel gerüht, sogar in Tschechien. „Werbung war bisher jenseits der Grenze immer schwierig zu organisieren, da Plakatieren in Tschechien verboten ist“, erklärt er. Durch neue Kontakte, die er mit seiner tschechischen Veranstaltungsfirma knüpfen konnte, hat er ein Unternehmen gefunden, das Postwurfsendungen mit Werbung für den Jacobimarkt organisiert. „Über 100000 Wurfsendungen haben wir einwerfen lassen“, erklärt er. Diese würden sogar inhaltlich an die Empfänger angepasst: Zum Beispiel an Besucher mittleren Alters, die erfahrungsgemäß oft in Umgebindehäusern wohnen. Die Besucher von Heintzes Drachenbahn sind dagegen eher Familien mit Kindern, die jenseits der Grenze oft in Neubauwohnungen leben. Mit dieser Werbestrategie und Veröffentlichungen in zwei Radiosendern könnten dieses Jahr doppelt so viele tschechische Besucher auf das Schissn kommen wie im letzten Jahr. Damals waren rund fünf Prozent der 250 000 Besucher Tschechen. „Bevor die Grenze eingerichtet wurde, war der Jacobimarkt ein Fest auf dem Deutsche und Tschechen gemeinsam gefeiert haben. Das möchten ich gern wieder so einrichten“, erklärt Linke.

Damit auf dem Markt Raum für weitere Besucher ist, will Linke zusätzliche ungenutzte Flächen in der Nähe des Eiskellers mieten. Offiziell soll die Verpachtung von zwei Stellplätzen (ehemaliger Truckerplatz) heute Abend im Sonderstadtrat im Grundschulzentrum „J. G. Fichte“ in Neugersdorf beschlossen werden. „Ich möchte schließlich auch die Kinderecke vergrößern, als ruhigeren Rückzugspunkt für Familien“, erklärt René Linke.

Während einige Gäste für die Zeit des Jacobimarktes extra Urlaub einreichen, ist der Zeitraum für Familie Heintze der Höhepunkt des Arbeitsjahres: Gestern waren sie mit ihrer Bahn noch auf dem Großschönauer Schissn, heute beginnen sie bereits den Aufbau in Neugersdorf. Alles muss stimmen, schließlich sparen einigen Besucher sogar auf das Fest. Für ihr Fahrgeschäft erledigt die Familie alle Arbeiten möglichst selbstständig. „Mein Sohn Robert hat Schlosser gelernt. Der kennt sich mit der Fahrzeugreparatur aus“, so Senior-Chef Heintze. Auch Elektro- und Malerarbeiten werden in den ruhigen Wintermonaten eigenhändig ausgeführt.

Neue Homepage: www.jacobimarkt.de

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