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Drei Generationen Musik

Bautzens Jugendblasorchester feiert 50. Geburtstag. Beim Jubiläumskonzert sollen auch Ehemalige mitspielen.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

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Eigentlich ist jetzt der Trompetenunterricht für Maria Timm. Aber wenn drei Generationen Jugendblasorchester zusammenkommen, dann gibt es immer etwas zu erzählen. Ihr Lehrer Jens-Uwe Mürner spielte im Ensemble zwischen 1982 und 1987. Die gute Seele in der Geschäftsstelle, Anja Hähnel, vervollständigte den musikalischen Freundeskreis ab 1992 für neun Jahre. Die Geschichte der jungen Bläser beginnt allerdings bereits 1965. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens werden nun für die beiden Jubiläumkonzerte am 29. März alte Mitstreiter gesucht.

Maria Timm hört gespannt bei den Erzählungen über die ersten zaghaften Schritte der jungen Musiker zu, während Anja Hähnel in der Chronik blättert. Im einstigen Pionierhaus auf der Wallstraße finden sich die Anfänge. Es entsteht die Idee, neben vielen anderen Angeboten ein Pionierblasorchester zu gründen. Dafür werden an den Bautzener Schulen musikalische Mädchen und Jungen ausgesucht. Ihre erste Probe unter der Leitung des langjährigen Dirigenten Werner Frenzel verbringen sie jedoch hüpfend.

Es fehlt nämlich schlicht an Musikinstrumenten. Doch Not macht erfinderisch, und Beziehungen sind in der DDR alles. Von der Volkspolizei erhalten die Macher der ersten Stunde ausrangierte Zugposaunen, Flügelhörner, Trompeten und Co. Für die Reparatur der Instrumente stellt das Kreisamt in Bautzen 2 000 Mark zur Verfügung. Mit dieser Erstausstattung können die Schüler endlich mit dem Instrumental-Unterricht beginnen.

Ihr Debüt ist am 1. Mai 1965 auf dem Platz der Roten Armee (heute Kornmarkt) in Bautzen. In der Auswertung steht: „Der Auftritt ließ von der qualitativen Seite noch viel Spielraum für Verbesserung.“ Die erste Kritik spornt die jungen Musiker an. Auf den nächsten Seiten in der Chronik folgen Urkunden über Urkunden mit den besten Prädikaten. Das Pionierblasorchester ist bei jeder Veranstaltung dabei, egal ob jährlich beim Faschingsumzug in Schirgiswalde oder bei den Zehnten Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1973 in Berlin.

Ein Initiator der ersten Stunde ist Helmut Mürner. Er ist der Großvater von Jens-Uwe Mürner. „Durch ihn kannte ich mich bestens im Pionierhaus und selbstverständlich auch im Orchester aus“, sagt der 43-Jährige. Er beginnt mit sieben Jahren seine erste musikalische Karriere an der Musikschule. Der kleine Knirps möchte Trompete spielen. Eine Auswahlkommission lenkt ihn nach zwei Jahren Klavierunterricht zum Tenorhorn um. „Damals war ich einen halben Tag am Erdboden zerstört. Dann malte ich mir in den kühnsten Träumen aus, wie wohl dieses unbekannte Musikinstrument aussieht“, sagt der ausgebildete Opernsänger. – Nach anfänglichen Berührungsängsten wird das Tenorhorn seine große Liebe. Der Musikschule kehrt Jens-Uwe Mürner mit elf Jahren dagegen den Rücken und heuert beim Pionierblasorchester an. „Es war mir zu langweilig, im stillen Kämmerlein zu üben. Ich wollte gern in der Gruppe musizieren“, sagt der Absolvent der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden.

Zuvor schlägt der Tenor noch einen anderen Weg ein. Zwischen 1991 und 1995 studiert er in Zwickau Musik und Deutsch im Lehramt. Seine beiden Professionen passen hervorragend unter den Hut des Jugendblasorchesters.

Zweite Familie

Seit 1993 unterrichtet Jens-Uwe Mürner die Blechbläser im Ensemble. Anja Hähnel nimmt den groß gewachsenen Mann seinerzeit nur aus der Ferne wahr. Die 31-Jährige hört sich mit neun Jahren ein Vorspiel der gut 40 jungen Musiker an und legt fest: Das will ich auch. „Der Dirigent fragte mich, was ich lernen möchte. Ich hätte zu jedem Instrument Ja gesagt“, erinnert sich die Bautzenerin lachend. Ihre Leidenschaft wird die Klarinette. Auf ihrem ersten Instrumentenkoffer steht noch „Eigentum der NVA“. Gleich nach der Wende holt sich nämlich das Blasorchester mal wieder ausgemusterte Instrumente, dieses Mal kommen sie von der Bundeswehr.

„Das Orchester ist für mich wie eine zweite Familie. Viele Ehemalige schicken jetzt schon ihre Kinder, andere haben sich hier kennengelernt und geheiratet“, sagt Anja Hähnel. Die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin hält gemeinsam mit einer weiteren Mitarbeiterin die Fäden in der Geschäftsstelle des Förderkreises des Jugendblasorchesters in der Juri-Gagarin-Straße 99 zusammen. Sie organisiert zum Beispiel die Fahrten ins Ausland, das jährliche Blasmusikfest oder eben das Jubiläum im März. Über 300 Mitglieder musizierten seit 1965 zusammen in dem Bautzener Klangkörper. Mit ganz so vielen früheren Mitstreitern rechnet Anja Hähnel nicht. „Wir haben schon Zusagen aus den alten Bundesländern“, sagt sie. Mitbringen sollten die einstigen Musiker ihre Instrumente. Wer sich rechtzeitig meldet, kann aus dem großen Bestand Trompete, Klarinette oder Tenorhorn leihen. Schließlich werden alle zum Jubiläumskonzert gebeten. Geprobt wird dafür am Sonnabend vor dem großen Auftritt. Maria Timm, Jens-Uwe Mürner und Anja Hähnel freuen sich schon auf dieses Treffen. Gemeinsam lässt sich viel besser in Erinnerungen schwelgen.

Ehemalige Mitglieder des Jugendblasorchesters möchten sich bitte anmelden unter Telefon 03591 272352 oder E-Mail [email protected]

Die Jubiläumskonzerte sind am Sonntag, dem 29. März, um 14 und 17 Uhr, im Theater Bautzen. Geprobt wird am 28. März. Es werden ausschließlich Kompositionen und Arrangements des langjährigen musikalischen Leiters Werner Frenzel gespielt.

www.blaorchester-bautzen.de

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