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Drei Krankheiten, die unsere Obstbäume gefährden

Verdorrte Spitzen, vertrocknete Früchte, fleckige Äpfel: Die SZ-Gartendoktorin Katrin Keiner erklärt die Symptome und was hilft.

Hier ansetzen: SZ-Gartendoktorin Katrin Keiner erklärt Hobbygärtner Mario Hofmann aus Dresden, wie weit der von Monilia befallene Ast abgeschnitten werden muss.
Hier ansetzen: SZ-Gartendoktorin Katrin Keiner erklärt Hobbygärtner Mario Hofmann aus Dresden, wie weit der von Monilia befallene Ast abgeschnitten werden muss. © Arvid Müller

Braune, dürre Zweigspitzen, ein Ast abgestorben: Renate Fleischer, Vorsitzende des Kleingartenvereins Frohe Stunde in Dresden, gefällt der Apfelbaum von Mario Hofmann gar nicht. Die Trockenheit allein kann nicht die Ursache sein, dann wäre der gesamte Baum eingegangen. Ist es etwa der gefürchtete Feuerbrand?

Die Bakterienkrankheit trifft vor allem Kernobst wie Apfel, Birne und Quitte, aber auch Weiß- oder Feuerdorn. Sie kann sich schnell ausbreiten. Ist eine Pflanze befallen, muss das ans Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gemeldet werden. Denn den Erreger zu bekämpfen, ist nicht möglich. Betroffene Bäume müssen gefällt und verbrannt werden.

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Gartenbesitzer Hofmann möchte den über 40 Jahre alten Baum, auf dem verschiedene alte Apfelsorten reifen, unbedingt erhalten. Doch auch im gegenüberliegenden Garten zeigen sich an einigen Stellen dürre Spitzen im Apfelbaum.

1. Monilia: Braune, dürre Blätter, so zeigt sich die Krankheit an Obstbäumen.
1. Monilia: Braune, dürre Blätter, so zeigt sich die Krankheit an Obstbäumen. © Arvid Müller

Katrin Keiner, die für die Sächsische Zeitung Gärten besucht, gibt Entwarnung. „Das ist Monilia oder Spitzendürre, die sogenannte Monilia laxa – eine von drei Arten der Monilia Erkrankung“, sagt die Fachberaterin vom Stadtverband der Dresdner Gartenfreunde. Allerdings sei das tatsächlich leicht zu verwechseln, weil sich auch Feuerbrand mit dürren Baumspitzen und welken Blättern zeigt. Milchig weiße Schleimtropfen verfärben sich erst später rotbraun. In einem frühen Stadium können selbst Gartenfachleute die Krankheit kaum identifizieren. Gewissheit bringt oft erst eine Laborprobe. Solche Untersuchungen finden zum Beispiel in der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft, einer Außenstelle des Landesamtes, in Nossen statt.

Monilia ist nicht meldepflichtig und kann durch Auswahl resistenter Sorten sowie vorbeugende Behandlungen bekämpft werden. „Betroffene Stellen müssen bis einige Zentimeter ins gesunde Holz abgeschnitten werden“, erklärt Katrin Keiner. Ganz wichtig sei es, gerade Kernobst-Bäume zu pflegen. Das heißt nicht nur ein regelmäßiger Schnitt für eine aufgelockerte Baumkrone, sondern auch, beschädigtes Holz und Fruchtmumien rechtzeitig zu entfernen. Bleibt all das am Baum, könnten die Krankheitsherde im nächsten Frühjahr eine Neuinfektion über die Blüte auslösen. 

2. Feuerbrand: Milchig weiße Schleimtropfen sind typisch.
2. Feuerbrand: Milchig weiße Schleimtropfen sind typisch. © dpa/Hendrik Schmidt

Kleingärtner Mario Hofmann holt mit Unterstützung von Katrin Keiner Versäumtes nach, schneidet dürre Spitzen aus und bricht zur Pflege hochwachsende Zweige aus, sogenannte Wasserschosser. „Die Pflege ist wichtig, weil der Pilz am Holz und an eingeschrumpften Früchten überwintert. Von dort aus beginnt im Frühjahr die Verbreitung“, sagt Karin Bernhardt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie. Infiziert wird der Baum durch feuchte Witterung zum Zeitpunkt der Blüte. Genau das lässt sich bei den Aufzeichnungen des Landesamtes für dieses Jahr nachweisen: „Zweimal starker Regen nach Blühbeginn am 26. und 29. April und lange feuchte Bedingungen mit wenig Wind und relativ hoher Luftfeuchte können schon die Auslöser für Monilia gewesen sein“, sagt Bernhardt.

SZ-Gartendoktor Katrin Keiner beobachtet eine Zunahme der Pilzerkrankungen in den letzten Jahren. „Das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Bäume durch extreme Wettersituationen wie die Menschen Stress haben und weniger widerstandsfähig sind. „Insofern sollten Obstbäume ruhig ab und zu etwas Kompost an die Baumscheibe bekommen oder eine Extraportion Wasser“, sagt Keiner. Auch ein sonniger, luftiger Ort und ein entsprechender Schnitt der Krone könne für weniger Befall sorgen.

3. Apfelschorf, zu erkennen an braunen Flecken an Obst und Blatt.
3. Apfelschorf, zu erkennen an braunen Flecken an Obst und Blatt. © C. Kröling, LfULG

Gleiches gilt für die Pilzerkrankung Apfelschorf. Auch hier löst feuchte Witterung im Frühjahr die ersten Infektionen aus. Der Pilz überwintert in befallenen Blättern am Boden. Um weitere Ansteckungen des Baumes zu verhindern, sollte das Laub deshalb in den Hausmüll wandern. Gerade bei Apfelschorf gibt es laut Bernhardt weniger anfällige Sorten wie Albrechtsapfel, James Grieve, aber auch anfällige wie Cox Orange und Berlepsch. Das heißt, auch hier ist die richtige Sortenauswahl entscheidend. „Bei sehr anfälligen Sorten könnten unter strikter Einhaltung der Gebrauchsanleitung sowie gesetzlicher Bestimmungen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden“, sagt Bernhardt.

Der Dresdner Kleingärtner Mario Hofmann will die Pflegetipps umsetzen und seinen Apfelbaum restlos vom Moniliabefall säubern. Noch reicht ihm dafür seine Gartenschere.

Hier wird Ihnen geholfen

• Der Verdacht auf Feuerbrand ist dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zu melden: per Mail an [email protected] oder telefonisch an 035242 6319333. 

Die Fachleute geben eine Anleitung zur Entnahme der Proben oder nehmen die Beprobung in kritischen Fällen (Nähe zu Obstbau oder Baumschulen) auch selbst vor. Kosten entstehen keine. Vom Amt angeordnete Maßnahmen müssen aber umgesetzt werden.

• Welche Apfelsorten geeignet und resistent sind, das erfahren Kleingärtner aus der Broschüre „Apfelanbau im Garten“ des Landesamtes. Es werden robuste Neuzüchtungen und bewährte Lieblingssorten für den Kleingarten vorgestellt.

• Über zugelassene Pflanzenschutzmittel informiert das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 

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