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Dresden

Verdunklungsgefahr: Schwarzbau im Hof

Ein Eigentümer hat in Dresden eine Terrasse ohne Genehmigung errichtet. Nun behauptet er, das sei eine Rankhilfe. Er muss mit einem hohen Bußgeld rechnen.

In diesem Hinterhof in der Dresdner Neustadt hat ein Eigentümer eine Terrasse bauen lassen - zum Unmut der Mieter und ohne Genehmigung. Ein Fall fürs Gericht.
In diesem Hinterhof in der Dresdner Neustadt hat ein Eigentümer eine Terrasse bauen lassen - zum Unmut der Mieter und ohne Genehmigung. Ein Fall fürs Gericht. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Die Mieter wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, die Baubehörde offenbar gar nicht informiert. Erst das rigide Einschreiten der Stadtverwaltung verhinderte eine skurrile Terrasse im Innenhof eines ansonsten schicken Wohnensembles in der Martin-Luther-Straße in der Dresdner Neustadt. 

Im vergangenen Jahr haben Handwerker dort eine etwa 20 Quadratmeter große, metallene Plattform in den engen Innenhof gebaut und, nebenbei, die knappe Hälfte der Fläche einschließlich der angrenzenden Fenster verdunkelt. Noch heute prangt an der Fassade des Hinterhauses eine halbe Treppe, die in etwa 1,30 Meter Höhe beginnt und an der Mieter regelmäßig hängenbleiben, wenn sie ihr Rad aus dem Keller tragen.

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Der Schwarzbau ist ein Fall fürs Amtsgericht Dresden. Weil der Eigentümer Franz P., ein heute 79-jähriger Rentner aus Bayern, die rätselhafte Konstruktion ohne Genehmigung habe errichten lassen, erhielt er ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen die sächsische Bauordnung. Es geht um viel Geld. 8.000 Euro sollte der betagte Mann zahlen – er kämpft dagegen an.

Seine Mieter erfuhren aus der Verhandlung manche Neuigkeit. So sei die Konstruktion nie als Balkon oder Terrasse geplant gewesen, sondern als „Rankhilfe für Pflanzen“, sagte der Anwalt des Rentners vor Gericht. Eigentümer P. selbst war entschuldigt. Der Prozess sei ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht zuzumuten. Im Herbst 2018 habe der ehemalige Bauingenieur, der in Dresden eine ganze Reihe weiterer Immobilien besitzt, einen Herzinfarkt erlitten, hieß es in einem Attest.

Rankhilfe und Schattenspender

P.s Anwalt lief zu Höchstformen auf. Die „Rankhilfe“ sollte zudem eine Fotovoltaik-Anlage tragen und als Dach einer Sitzgruppe für die Mieter dienen. Die Plattform habe aus „Verkehrssicherungspflicht“ auch ein Geländer bekommen, damit niemand herunterfällt. Richter Jochen Meißner stellte entlarvende Fragen. 20.000 bis 30.000 Euro für eine Rankhilfe? „Ist das nicht ein bisschen viel?“ Der Anwalt erwiderte, sein Mandant wolle eben „etwas Anderes, Hochwertiges“.

Für die Hausgemeinschaft ist klar, dass Franz P. versucht habe, mit der Terrasse Fakten zu schaffen, um die Miete anheben zu können. Ein Bewohner berichtete als Zeuge, im September 2018 habe der Eigentümer mit einer Firma die Wände vermessen. Aus Fenstern sollten offenbar Balkontüren werden. Im Dezember sei eine Stütze betoniert worden, im März 2019 die Stahlkonstruktion entstanden. Es sollte „definitiv eine Terrasse werden, sonst macht die Treppe vor den Fenstern gar keinen Sinn“.

Zweimal war die Baubehörde da, um das Metall-Ungetüm zu verhindern. Doch erst Brandschutzbedenken der Feuerwehr führten dazu, dass P. den Stahl wieder abnehmen ließ. Auf Satellitenfotos wie etwa bei Google Maps ist der Schwarzbau noch gut zu erkennen. Richter Meißner forderte den Anwalt und den Zeugen auf, ihm weitere Zeugen zu nennen, darunter den Hausverwalter, die Metallbaufirma und eine Mieterin, die angeblich wegen dieses Terrassenbaus aus ihrer WG ausgezogen sein soll. Der Prozess wird fortgesetzt.

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