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Zweiter Tiefflug über dem Elbtal

Die Luftaufsicht ermittelt in einem weiteren Fall. Handelte es sich um denselben Piloten?

Ein Youtube-Video zeigt, wie tief der Flieger am Sonnabend über Dresden flog.
Ein Youtube-Video zeigt, wie tief der Flieger am Sonnabend über Dresden flog. © Screenshot: youtube

Nach Spaß war Patrick Klyscz am Sonnabend nicht zumute. Gegen 20 Uhr donnerte ein Jet in nur 100 Metern Flughöhe durch das Dresdner Elbtal. „Ich fand die Aktion nicht so prickelnd“, schreibt er bei Sächsische.de auf Facebook. „Das Flugzeug schoss in krasser Schräglage und eben ziemlich tief über uns hinweg, sodass man eigentlich nur noch auf den Absturz im Wohngebiet gewartet hat.“ Inzwischen ermittelt die Luftaufsichtsbehörde aber nicht nur zu diesem Tiefflug.

Ein ganz ähnliches Manöver ist bereits am 25. Mai über der Region Wilsdruff geflogen worden. In niedriger Höhe donnerte an jenem Sonnabendnachmittag ein Cessna Citationjet über Wohnhäuser und Gärten hinweg. Und das dreimal, schildert Mathias Porstendörfer aus dem Wilsdruffer Ortsteil Grumbach die Aktion, die er auf Video festhielt und als riskant bezeichnet. Laut dem Portal Flightradar24, das die Position von Flugzeugen in Echtzeit ins Internet überträgt, war die Maschine während des Überflugs mit rund 350 Kilometern pro Stunde unterwegs.

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Die Luftaufsicht, für die die Landesdirektion Sachsen zuständig ist, bestätigt Ermittlungen in diesem Fall. Es gebe eine Anzeige, sagte Sprecher Gunter Gerick am Donnerstag der Sächsischen Zeitung. Er sprach von zwei ähnlichen Ereignissen. Sollte sich herausstellen, dass es sich um ein und denselben Piloten gehandelt hat, würden beide Verfahren zusammengefasst. Nähere Angaben konnte er aber zunächst nicht machen. Beide Fälle würden derzeit geprüft.

Zumindest gibt es zwischen den Tiefflügen vom Sonnabend über Dresden und vom Mai über Wilsdruff einige Parallelen. In beiden Fällen flog der Pilot steile Kurven und das ziemlich tief. Außerdem handelte es sich beide Male um eine Cessna Citation, einen zweistrahligen, kleinen Jet. Glaubt man den Daten von Flightradar24, waren es aber nicht dieselben Flugzeuge.

Die Maschine vom Wochenende ist in Deutschland registriert. Auf einem Foto, das den Jet im Juni dieses Jahres zeigt, ist das Firmensymbol eines Unternehmens zu sehen, das in der Region angesiedelt ist. Dessen Geschäftsführer waren am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Unklar ist, ob sie im Flieger saßen oder der Flieger in ihrem Auftrag unterwegs war. Fest steht dagegen, dass der Jet am Sonnabend aus Paris kam.

Sehen Sie hier das Video vom 25. Mai aus der Region Wilsdruff:

Dagegen kreiste über der Region Wils-druff eine Maschine, die eine US-amerikanische Kennung trägt und einer Leasingfirma in Florida gehören soll. Sie kam aus Brandenburg, führte bereits südlich von Magdeburg einen Tiefflug durch und absolvierte später auf dem Flughafen Leipzig/Halle einen sogenannten Tiefanflug. Mit diesem Verfahren werden normalerweise Fehlanflüge geübt. Anschließend machte sich der Pilot auf in Richtung Dresden. Nach seinem Rundflug über Wilsdruff führte er auch in Klotzsche das Tiefanflug-Verfahren durch.

Egal ob die beiden Tiefflüge miteinander zusammenhängen, für den oder die Piloten dürften die Manöver teuer werden. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat bereits die Radardaten an die Landesdirektion weitergegeben. Dort wird jetzt geprüft, ob Regeln bezüglich der Mindestflughöhe und des Sichtflugs verletzt wurden.

Strafe bis zu 30.000 Euro droht

In der Europäischen Union gilt, dass Flugzeuge über Städten und anderen dicht besiedelten Gebieten sowie Menschenansammlungen mindestens 300 Meter über dem höchsten Hindernis im Umkreis von 600 Metern fliegen müssen. Amateur-Videoaufnahmen lassen daran zweifeln. Dort ist zu sehen, wie der Jet ganz in der Nähe des Fernsehturms eine Kurve macht und anschließend über die Elbschlösser fliegt.

Ob fahrlässig oder vorsätzlich – dem oder den Piloten drohen im Ernstfall eine Geldbuße von bis zu 30 000 Euro, so Behördensprecher Gerick. „Hoffentlich gibt es eine saftige Strafe“, schreibt Thoralf Schober auf Facebook. „Sonst wäre es ein Schlag ins Gesicht der ordentlich Fliegenden.“

Ein solcher Cessna Citationjet donnerte Samstagabend über Dresden. Ein ähnlicher Flieger wagte im Mai einen Tiefflug über der Region Wilsdruff.
Ein solcher Cessna Citationjet donnerte Samstagabend über Dresden. Ein ähnlicher Flieger wagte im Mai einen Tiefflug über der Region Wilsdruff. © Symbolfoto: dpa

Wie gefährlich leichtsinnige Flugmanöver sind, zeigt ein Unfall vom Februar 2010. Damals stürzte eine zweistrahlige Cessna Citiation am Großen Zschirnstein bei Reinhardtsdorf-Schöna ab. Der Jet kam abends aus Prag und war nach Karlstadt in Schweden unterwegs. Die Unfallursache: Die Piloten wollten eine Rolle fliegen, bei der sich die Maschine um die Längsachse dreht. Dafür war der Flieger nicht zugelassen, zudem hatten die Piloten keine Erfahrungen mit solchen Kunstflug-Aktionen. Sie kamen bei dem Absturz ums Leben.

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Ermittlungen gegen Tiefflug-Piloten

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In nur 100 Metern Höhe donnerte am Sonnabend ein Jet über Dresden. Für den Steuermann könnte das Manöver teuer werden.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig kam zu dem Ergebnis, dass die Maschine das unzulässige Flugmanöver zwar ausgehalten hatte und erst am Boden zerschellte. Die Piloten hätten aber „die Orientierung über die Lage im Raum verloren“. Ihnen blieb keine Zeit, die Cessna in der Dunkelheit abzufangen. Flug Nummer 039 C endete in einer Katastrophe. Den Aufprall konnten die Insassen nicht überleben. (mit SZ/csp)

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